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Chronik Wien
03/07/2020

Veranstaltungen: Feiern im Angesicht von Corona

Veranstalter rüsten sich mit Check-Liste gegen das Virus. Heimische Events derzeit nicht gefährdet.

von Katharina Zach, Michael Bachner, Georg Leyrer

George Clooney bleibt zu Hause. Wegen des Coronavirus-Ausbruchs wird das „4Gamechangers“-Festival mit ihm als Stargast auf Herbst verschoben. Nach dem Radiologenkongress und dem Börsetag ist das die nächste internationale Großveranstaltung, die Konsequenzen zieht. Aufregung gab es dazu um die mögliche Absage des Wien-Marathons. Veranstalter Wolfgang Konrad beruhigt: "Ich sage nicht ab, außer die Behörde schreibt mir das vor. Wir sind im ständigen Austausch, bis jetzt gibt es auch keine Vorwarnung. Wir arbeiten ganz normal weiter auf den 19. April hin.“

Tatsächlich stehen generelle Absagen seitens der Behörden derzeit nicht im Raum. Stattdessen sollen Veranstalter ihr Risiko anhand einer Checkliste selbst bewerten – und wohl gegebenenfalls Konsequenzen ziehen. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Empfehlung des Gesundheitsministeriums – Strafen bei „Verstößen“ gibt es freilich nicht.

Dennoch nehmen die Veranstalter die Checkliste sehr ernst und begrüßen die Vorgaben. Konkret müssen zur Risikoabwägung im Hinblick auf die Verbreitung der Virusinfektion, 27 Fragen beantwortet werden. Je nach Angaben des Veranstalters werden Punkte vergeben. Je niedriger die Gesamtpunktzahl, desto geringer das Risiko. Mehr als 70 Punkte beudeten "hohes Gesamtrisiko".

Die Themen beinhalten Fragen nach der Schulung von Mitarbeitern im Umgang mit dem Virus oder zum Informationsangebot für Besucher über richtige Verhaltensweisen. Auch, ob genug Seife am WC vorhanden ist, muss überlegt werden.

Fiebermessen beim Fest

Zudem werden Räume für die Isolierung eines Kranken sowie Temperaturchecks beim Einlass als präventive Maßnahmen gefordert. Auch lange Warteschlangen sollen verhindert werden.

"Wir haben fast alle Punkte umgesetzt, um auf eine niedrige Punktezahl zu kommen“, berichtet etwa einer der größten Event-Veranstalter, der anonym bleiben will. Die Liste selbst habe er seit Mittwochabend. „Die Isolierräume sind bei kleinen Spielstätten schwierig“, räumt er ein. Für ein bald stattfindendes Event hätten die Behörden die Checkliste bereits angefordert. „Ich gehe davon aus, dass die künftig für die Anmeldung benötigt wird.“

Genug Seife

Einige Forderungen, etwa was das medizinisch geschulte Personal betreffe, würde das Veranstaltungsgesetz ohnehin bereits vorsehen. "Wir hängen nun die Covis-19-Informationsplakate aus dem Innenministerium auf, schauen, dass genug Seife da ist. Und auch die Produktionsleiter wissen, was zu tun ist."

Um Warteschlangen beim Einlass zu verhindern, werde es künftig bei Veranstaltungen mehr Schleusen geben.

Auch Gerald Stangl, Geschäftsführer der Arena Nova in Wiener Neustadt, der die Liste mit dem KURIER analysiert hat, hält die meisten Punkte für sehr sinnvoll. Manche seien in der Praxis aber schwierig umzusetzen. Etwa, wenn es darum geht, die Herkunft der Besucher (etwa ob sie aus Krisengebieten kommen) festzustellen. "Meiner Meinung nach ist das nicht zulässig. Man kann die Besucher ja nicht nach Herkunft sortieren." Allerdings würden seine Events ohnehin hauptsächlich Österreicher besuchen.

Auch, Sitzplätze namentlich zuzuordnen, sei problematisch. Nur bei Online-Kartenkäufen können die Daten der Käufer erfasst werden. „Das kollidiert auch mit dem Datenschutz“, meint er. Dass Veranstalter mehr Punkte erhalten, wenn das Event mehr als einen Tag dauert, kann er nicht nachvollziehen. "In einem Büro sind die Mitarbeiter oft länger beeinander."

„Man muss auch an die Vernunft der Leute appellieren“, meint er. Wer ein schwaches Immunsystem habe, sollte Menschenansammlungen meiden. Das schließe aber nicht nur Events, sondern auch Besuche in einem Shoppingcenter ein.

Kein Rückgang beim Kartenkauf

Was er sich vorstellen kann, sind Fieberchecks – sofern sich das Virus weiter ausbreitet. Sein Mitbewerber sieht das kritischer. Denn damit, argumentiert er, würden ja erst recht wieder Schlangen entstehen.

Ungeachtet der Krankheitsfälle ist den Österreichern das Feiern nicht vergangen. Kein vom KURIER befragter Veranstalter bemerkt einen Rückgang beim Kartenverkauf. Und auch in der Arena Nova findet am Samstag ein Clubbing statt. Das Risiko laut Checkliste: moderat.

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