Statue des Heiligen Judas Thaddäus im Wiener Stephansdom.

© APA/LPD WIEN

Festnahme
03/30/2014

Vandalismus-Serie in vier Wiener Gotteshäusern

Stephansdom, Lazaristenkirche, Breitenfeld und Neuottakring betroffen. Verwirrter Täter auf freiem Fuß.

Ein 37 Jahre alter Mann hat am frühen Samstagabend im Wiener Stephansdom eine Statue des Heiligen Judas Thaddäus von einem Marmorsockel gestoßen. Zahlreiche Zeugen beobachteten gegen 17.15 Uhr das Geschehen und hielten Ibrahim A., der eilenden Schrittes den Dom verlassen wollte, vor dem Dom-Shop bis zum Eintreffen der Polizei fest, so die Wiener Landespolizeidirektion.

Serientäter?

Neben dem Angriff im Stephansdom kam es am Samstagnachmittag in drei weiteren Wiener Kirchen zu Sachbeschädigungen. Wie die Erzdiözese Wien am Sonntag bekannt gab, wurden auch in der Lazaristenkirche in Wien-Neubau, in der Pfarrkirche Breitenfeld in Wien-Josefstadt und in der Pfarrkirche Neuottakring Beschädigungen gemeldet.

In Breitenfeld wurden vier Statuen umgestürzt und der Deckel des Taufbrunnens zertrümmert. In der Lazaristenkirche kamen sämtliche Statuen im Kirchenraum zu Schaden, wobei etliche völlig zerstört wurden. Auch der hölzerne Korpus eines Kruzifixes wurde heruntergerissen, dem Korpus im Anschluss die Arme abgeschlagen. Einer schweren steinernen Statue des Heiligen Vinzenz wurden die Finger abgeschlagen.

Schadenshöhe noch unklar

Nach Auskunft der Erzdiözese Wien sind Beschädigungen in diesem Ausmaß noch nicht vorgekommen. "So massiv hatten wir das noch nie", meinte Pressesprecher Michael Prüller. Die Schadenshöhe sei derzeit nicht einmal ansatzweise bezifferbar. Einige Gipsstatuen seien zu Boden geschmissen und dabei unwiederbringlich zerstört worden. "Die kann man überhaupt nicht mehr herstellen", sagte Prüller. Zumindest bei dem im Stephansdom beschädigten Heiligen Judas Thaddäus dürfte es sich um kein besonders wertvolles Kunstwerk handeln, meinte Dompfarrer Toni Faber.

Gegen "Statuen-Verehrung"

Ob es sich überall um denselben Täter handelt, ist unklar. Nach seiner Festnahme im Stephansdom verwies der 37-Jährige, der auf die Beamten einen verwirrten Eindruck machte, auf eine "Eingebung", die ihn dazu bewogen habe, "gegen "die Statuen-Verehrung vorzugehen", erklärte Polizeisprecher Roman Hahslinger am Sonntag. Der Mann soll die Gläubigen außerdem als "Marionetten" bezeichnet haben.

Dompfarrer Faber: "Ein Wahnsinniger"

Dompfarrer Faber meinte, der 37-Jährige sei nach Aussagen von Augenzeugen "psychotisch verengt" und von einer "inneren Bewegung ergriffen" erschienen. "Er hat den Heiligen runtergerissen und die Säule zerbrochen. Er hat auch noch versucht, das Herz-Jesu-Bild zu ergreifen", schilderte Faber. Mitarbeiter hätten das zum Glück verhindert. Einer von ihnen sei dabei leicht verletzt worden. Es habe sich "um einen Wahnsinnigen gehandelt, der sich vor dem Vorfall über seinen iPod mit religiöser Musik in Stimmung gebracht hat".

Der 37-Jährige befindet sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß, wie Polizeisprecher Roman Hahslinger erklärte. Nach seiner Einvernahme - zu diesem Zeitpunkt waren der Polizei lediglich der Zwischenfall im Stephansdom bekannt - waren nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörden keine Haftgründe gegeben, welche die weitere Anhaltung des Mannes gerechtfertigt hätte. Sonntagnachmittag kündigte die Polizei allerdings an, dass der Täter vom Stephansdom am Montag neuerlich verhaftet wird.

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