Chronik | Wien 05.12.2011

Unterwegs mit dem Unfallkommando

Teil IV: Die Zahl der Verkehrsunfälle geht in Wien zurück. Die Unfallkommandos haben aber trotzdem genug zu tun.

Die gute Nachricht ist: Seit den 1960er-Jahren hat sich die Zahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten und Toten mehr als halbiert. Trotzdem müssen die Beamten des Verkehrsunfallskommandos jedes Jahr zu rund 4500 Einsätzen ausrücken.

"Schnee in der Stadt ist das beste für uns. Da sind alle langsamer unterwegs", erzählt Gruppeninspektor Franz Wagner beim Lokalaugenschein. Er gehört zum Verkehrsunfallkommando (VUK). Täglich sind bis zu fünf Polizeiteams im Dienst. Wen es wo "scheppert", gehen sie in den Einsatz.

Zum Job gehört weit mehr als nur die Vermessungsarbeit am Unfallort. Denn die Beamten kommen nur dann, wenn Verletzte zu beklagen sind. "Wer gar einen Toten zu bearbeiten hat, für den ist der Tag gelaufen", berichtet Chefinspektor Martin Kramser. Unfälle wie jener des neunjährigen Fabian in Wien-Döbling vergisst man nie. "Da waren langgediente Beamte im Einsatz, die den Tränen nahe waren", erzählt Oberst Josef Binder. Denn es gilt, Angehörige zu verständigen und Zeugen zu befragen.

Fahrerflucht

Rücksichtslosigkeit dominiert zunehmend im Straßenverkehr, sind sich die Beamten einig. "Fahrerflucht nimmt zu, aber die meisten erwischen wir", sagt Gruppeninspektor Martin Eichenbaum. Denn fast alle Fahrzeuge hinterlassen nach einem Unfall irgendwelche Spuren.

Kleinste Abriebspuren oder Metallteile verraten die Type. Sind auch Kennzeichenfragmente bekannt, spuckt der Polizeicomputer eine Liste mit verdächtigen Fahrzeugen aus.
Nach einem tödlichen Unfall wurde nach einem roten MX-5 gefahndet. "Da haben wir 120 Fahrzeuge überprüft", erzählt Kramser. Der Lenker konnte ausgeforscht werden.

Einsatz

Die Gruppeninspektoren Wagner und Eichenbaum bekommen ihren ersten Einsatz. Es ist 7.30 Uhr. Das Duo besteigt den Klein-Lkw und gibt per Telefon durch: "VUK 102
- Ausfahrt". Es geht mit Blaulicht in die Erlaaer Straße. Die Beamten haben es dort mit einem Dutzendfall zu tun.

Ausgelöst hat den Crash ein 59-jähriger Taxilenker. "Mir ist die Lesebrille heruntergefallen und nachdem ich sie aufgehoben habe, stand plötzlich ein Auto vor mir", rechtfertigt sich der Lenker, warum sein Taxi gegen einen Peugeot gekracht war und dieser gegen einen Lieferwagen schlitterte. Eine Fünfjährige musste verletzt ins Spital.

Während Eichenbaum die Unfallstelle vermisst, bittet Wagner alle Beteiligten in den Kleinbus zur Protokollaufnahme. "Zuerst befragen wir die unbeteiligten Zeugen. Dann geht es der Reihe nach bis zum vermutlich Schuldtragenden", sagt Wagner.

Nach einer halben Stunde ist dieser Job erledigt. Der größere Teil der Arbeit wartet auf sie in der Rossauerkaserne. Für das Gericht muss jedes Detail feinsäuberlich dokumentiert werden. Dazu gehört auch die mit Tusche gezeichnete Unfallskizze.

Nach jedem Unfall geht es zumeist ins Spital, um die Opfer zu befragen. In diesem Fall reichte ein Telefonat mit dem Vater des Mädchens aus. Das Kind hat eine Prellung im Kopfbereich erlitten. In Wien geht nicht jeder Unfall aber so glimpflich aus. Im vergangenen Jahr wurden 29 Verkehrstote gezählt.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011