Chronik | Wien
14.04.2018

Treffpunkt Wien: Sonntags mit Willi auf Du und Du

Le Méridien. Im „You“ bietet Willi Resetarits Nachwuchsmusikern eine Bühne. Der KURIER traf ihn dort zu Mittag

Willi Resetarits verhält sich oft anders als die Norm. In den späten 60ern, einer Zeit, „in der lange Haare pfui und in Lokalen überhaupt noch verboten waren“, als Rockmusik „Krawall“ geschimpft wurde und Rockmusiker auch schon mal „losgelassene Brüllaffen“ gerufen wurden, wie er erzählt, gründete er die Politrockband „Schmetterlinge“.

Das mit dem Anderssein zieht der Musiker und Menschenrechtsaktivist aber auch bei kleinen Dingen durch. Als er sich zum Mittagessen im Restaurant „You“ im Le Méridien einfindet, dreht er die Menüabfolge kurzerhand um: Zuerst das Blaubeer-Dessert, dann die Hauptspeise, eine „Power Bowl“ aus Spinatblättern, Avocado, Quinoa, Papaya und gerösteten Nüssen.

„Das ist originell, so mach ma’s“, sagt er zu dem in smaragdgrün gekleideten Kellner, lehnt sich in dem – ebenfalls smaragdgrünen – Sessel zurück und faltet die Hände über dem Bauch.

 

Rede sei Dank

Das Le Méridien hat Willi Resetarits jahrelang ja kaum besucht. Seit Jahresbeginn ist er regelmäßig hier. Das hängt mit den Amadeus Awards 2017 zusammen. Während seiner Dankesrede – Willi Resetarits war für sein Lebenswerk geehrt worden – machte er sich für Nachwuchsmusiker stark: „Es geht darum, dieses Selbstverständnis von früher wieder aufleben zu lassen und die niederschwelligen Bühnen wieder mehr zu bespielen.“

Nach der Verleihung meldete sich Gabriele Benz, die General Managerin des Le Méridien. Ob er das nur so gesagt habe, wollte sie wissen. Aber wer Willi Resetarits kennt, der weiß, dass er nichts „einfach so“ sagt.

Dann habe sie da ein Angebot, fuhr Benz fort.

Und so kuratiert Willi Resetarits derzeit jeden Sonntag (bis Juni, dann ist Sommerpause) die „Sunday Sounds“, eine Plattform für junge Bands und Liedermacher, ein erstes Sprungbrett. „Und man muss gar nicht hoch springen“, sagt er und grinst. „Weil wir spielen hier ebenerdig.“

Das mit dem Beruf des Musikers, fährt Willi Resetarits fort, während der Kellner ihm das Blaubeer-Dessert serviert, das sei ja so eine Sache. Das könne man sich in Wahrheit ja gar nicht aussuchen. „Anfangen, das tun ja viele, aber dranbleiben, das tun nur die, bei denen die Musik bestimmt: Den behalt ich mir.“ Und mit der Musik, meint er weiter, beginnt man oft in einer Zeit, in der man noch keinen näheren Kontakt zum anderen Geschlecht hat. „Warum? Weil man nicht weiß wie. Die meisten Musiker suchen also ein Mittel, um angesprochen zu werden. Die sogenannten ,Brater’ unter den Teenagern, die wissen wie’s geht, die miassn also kein Instrument lernen.“ Er grinst. „Die ham auch meist was anderes zu tun.“

Im Unruhestand

Apropos zu tun. An Ruhestand denkt Willi Resetarits, der im Dezember 70 Jahre alt wird, nicht. „Ich seh mich nur als Pensionist vom Zugang her. Ich mach nämlich noch viel mehr als früher, was ich will.“

Und so arbeitet er an Musik für verschiedene Projekte, etwa an einer neuen Liveplatte mit seiner Band „Stubnblues“, er programmiert die

„Sunday Sounds“, und dann gibt es im Sommer ja auch wieder einen Ostbahn-Kurti-Auftritt.

„Nachdem es Tausende Kurtologen gibt, müss’ ma jedes Jahr einmal ein Kurtologentreffen veranstalten“, sagt er, ganz trocken, während der leere Dessertteller gegen eine volle „Power Bowl“-Schüssel ausgetauscht wird. „Und das macht einfach Spaß, wir sind ja eine wahnsinnig gute Band. Aber ich spiel ja nur in super Bands, weil der Kurtl, und der Willi auch, haben die ideale Mischung bei Bands entdeckt: 50 Prozent Professionalität, 50 Prozent Herzensbildung. Genauso geht’s und nicht anders. “ Und so gehen soll es noch lange.