Chronik | Wien 12.02.2017

Treffpunkt Wien: Wo Josef nichts zu hadern hat

Unterwegs mit Kabarettisten und Filmregisseur Josef Hader in seinem Stammlokal © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Kaffee trinken, Drehbuch schreiben, Interviews geben: Der Rüdigerhof ist Josef Haders Kreativbüro.

Wer dieser Tage Josef Hader sehen wollte, brauchte mit ein wenig Glück nur im Café Rüdigerhof vorbeizuschauen. Denn das Kaffeehaus sucht der Künstler gerne für Interviews auf. Und die Anfragen scheinen derzeit nicht abreißen zu wollen. Auch als der KURIER das Café diese Woche betrat, stand Hader vor der Kamera.

Denn kommenden Freitag läuft nämlich sein neuestes Werk, die "Wilde Maus", in den heimischen Kinos an. Hader ist dabei nicht nur Hauptdarsteller, sondern zeichnet sowohl für das Drehbuch als auch – erstmals – für die Regie verantwortlich. Und bei der Berlinale, die derzeit in Deutschland über die Bühne geht, ist der Film auch im Rennen um den "Besten Film" mit dabei (siehe Seite 32).

Treffpunkt Wien mit Josef Hader
Wir treffen den Kabarettisten und Filmregisseur Josef Hader in seinem Stammlokal Cafe Rüdigerhof und sprechen mit über seinen Re… © Bild: KURIER/Jeff Mangione
Worum geht’s? Der 50-jährige Journalist Georg verliert seinen Job als Musikkritiker bei einer Wiener Zeitung. Wegen Sparmaßnahmen. Seiner Freundin, die damit hadert, nicht schwanger zu werden, erzählt er davon aber nichts. Stattdessen verbringt er die Tage im Prater und schmiedet Rachepläne. Die er dann auch umsetzt.

Warum wählte er einen Journalisten? Hader, der sein Fernsehinterview mittlerweile beendet und sich im Nichtraucherbereich eine Melange bestellt hat, erläutert: "Ich wollte von jemandem erzählen, der arbeitslos wird und sich dagegen wehrt. Und es ist kein Geheimnis, dass aktuell im Print-Journalismus Leute abgebaut werden."

Cafe Rüdigerhof
Das Café Rüdigerhof in der Hamburgerstraße am 07.02.2017. © Bild: KURIER/Jeff Mangione
Die Eigenschaft, Aspekte zu verschweigen, um Konflikte zu vermeiden, hat die Hauptfigur übrigens mit dem Regisseur gemein. "So weit wie Georg würde ich nie gehen. Heute bin ich auch viel sozialer. Aber als Kind war ich schon sehr verschlossen." Wie sich das änderte? "Die Pubertät ist mir zu Hilfe gekommen. Ich war auf einmal an anderen Menschen interessiert, vor allem an weiblichen." Hader lacht, wie nur er lachen kann. "Da öffnet man die Kanäle."

Generell habe er die Pubertät, die für viele die schlimmste Zeit des Lebens ist, sehr genossen. Denn da hat er angefangen, Theater zu spielen. "Ich war kein guter Schüler und auch kein guter Fußballer. Da hat man zwischen sechs und 14 ein hartes Leben. Das Theaterspielen hab ich wenigstens besser gekonnt."

Geräuschkulisse

Cafe Rüdigerhof
Das Café Rüdigerhof in der Hamburgerstraße am 07.02.2017. © Bild: KURIER/Jeff Mangione
In den Rüdigerhof mit seinem leicht abgenutzten, aber genau deswegen geschätzten Interieur aus den 50ern und 60ern kommt Hader nicht nur, um Interviews zu geben, sondern auch zum Schreiben. Warum er die Geräuschkulisse des Lokals der ruhigen Wohnung zum Arbeiten vorzieht? "Zuhause bin ich zu abgelenkt. Da sind Mails zu beantworten, ich geh’ zum Kühlschrank, ich räum’ auf, ich mach’ alles, nur nicht schreiben." Er lacht. "Es ist wie in der Schule. Ich brauche den Druck und Menschen um mich herum."

Lokalbesitzerin Renate Halper freut sich jedes Mal, wenn sie ihn sieht. "Den Herr Hader muss man einfach mögen", sagt die Wienerin, die im Rüdigerhof aufgewachsen ist. Mit eineinhalb Jahren haben sie ihre Eltern das erste Mal in das Cafe mitgenommen, das war vor 59 Jahren. Lokalchefin wollte sie eigentlich nie werden. "Ich wollte reisen, nach Amerika ziehen, alles machen, nur nicht das Lokal übernehmen."

Cafe Rüdigerhof
Das Café Rüdigerhof in der Hamburgerstraße am 07.02.2017. © Bild: KURIER/Jeff Mangione
Nach dem Tod ihrer Mutter kam es doch anders. Heute ist sie froh darüber. Sie freut sich über den Gästemix, die Studenten, die Senioren, die Künstler. Und in Sohn Mentor hat sie eine große Stütze.

Wieder Anfänger sein

Apropos Stütze oder vielmehr das Fehlen derselben. War es schwierig für Josef Hader Mitte 50 etwas komplett Neues auszuprobieren? "Überhaupt nicht", erwidert er. "Es war das Schönste, dass man keine Vorlagen hatte, dass man einfach drauflos arbeiten konnte." Ob er Angst hatte, dass etwas schiefgeht? "Die ersten drei Tage waren wahnsinnig aufregend. Dann habe ich gesehen, dass die Bilder gut sind, und vor allem, dass ich das sehr gerne mache." Auf die Kino-Tour durch Österreich kommende Woche freut er sich jedenfalls. Auch wenn es an einem Tag sogar fünf Vorstellungen sind. "Ich will ja wissen, wie das Publikum reagiert", sagt er und trinkt die Melange aus. Dann muss er sich verabschieden. Ein paar Tische weiter wartet die nächste Journalistin.

( kurier.at ) Erstellt am 12.02.2017