Chronik | Wien
30.07.2017

Treffpunkt Wien: Jausnen im Pavillon der Kaiserkinder

Auch nach Dienstschluss bleibt Zoodirektorin Dagmar Schratter oft in Schönbrunn.

Dagmar Schratter, Direktorin des weltältesten Zoos, verbringt nicht nur ihre Tage in Schönbrunn, sondern auch ihre Nächte. Ihre Wiener Dienstwohnung befindet sich nämlich mitten im Schlosspark, zwischen Schloss und Wagenburg mit Blick auf die Gloriette.

So ein Leben im Schlosspark hat zu jeder Jahreszeit seine Highlights: Im Winter, sind es die ersten Fußstapfen, die man in der verschneiten Parklandschaft setzt; im Frühling, das lebhafte Zwitschern der Vögel, das die Rückkehr der Tiere nach den kalten Monaten ankündigt. Und im Sommer? Im Sommer schätzt Dagmar Schratter die Besuche in Landtmanns Jausenstation, dem kleinen Lokal mitten im Schlosspark, in dem der KURIER die Zoodirektorin an diesem Sommertag auch trifft.

Seit vier Jahren wird der Pavillon von der Familie Querfeld bewirtschaftet. Dort wo sich zu Habsburgerzeiten der Spiel-, Turn- und Exerzierplatz der Kaiserkinder befand, werden heute Hausbrote vom Mangalitza-Schwein, Süßspeisen der Landtmann-Kollektion oder Kaiserschmarrn (mit oder ohne Rosinen, mit Apfelmus oder Marillenenröster) serviert. Dazu gibt es hausgemachte Limonaden – etwa mit Melone-Minze, wie sie soeben vor Schratter abgestellt wird.

Der stressige August

Für dieZoodirektorin ist es einer der letzten ruhigen Momente vor dem stressigsten Monat des Jahres. Denn der August ist mittlerweile die besucherstärkste Zeit. "Vor ein paar Jahren, war das anders", erzählt Schratter, die es sich auf einem knallorangefarbenen Sessel bequem gemacht hat. "Ich kann mich gut an den Sommer 1993 erinnern, als Helmut Pechlaner (der damalige Direktor, Anm.) auf den Stufen zum Frühstückspavillon gestanden ist, seinen Blick über den leeren Tiergarten schweifen ließ und meinte: ,Irgendwas haben wir falsch gemacht.’" Dass es heute kein Sommerloch mehr gibt, liege vor allem an den Touristen: "Die kommen auch bei 36 Grad im Schatten", meint Schratter. Die Neuheiten der jüngsten Jahre spielen aber wohl auch eine Rolle: Denn ob Orang.erie, Eisbärenwelt oder Giraffenpark. Regelmäßig kommen neue Anlagen dazu.

Das nächste Projekt startet im Oktober: ein neues Badebecken für die Flusspferde auf der Außenanlage inklusive Filter. "Derzeit müssen wir das Wasser manchmal zwei Mal die Woche auslassen. In der Zeit können die Tiere nicht baden und es ist ein unnötiger Wasserverschleiß", sagt die Direktorin. Zwei weitere Projekte hat Schratter bis 2019 (so lang dauert ihr Vertrag) noch auf der Agenda: Eine Vogelvoliere für Schwalbensittiche und ein neues Aquarium."

Beliebt oder gefährdet

Die Besuchermagneten, dessen ist sich Schratter bewusst, werden weiterhin andere Tiere sein. "Wir machen alle paar Jahre Umfragen. Nummer eins war immer der Elefant, dann kam lang nichts. Und interessanterweise der Pinguin als einziger Vogel. Beim letzten Mal haben dann aber die Erdmännchen die Elefanten verdrängt."

Aber man könne natürlich nicht nur die beliebtesten führen. "Wir haben zum Beispiel zwei Batagur-Schildkröten, die zählen zu den seltensten der Welt. Als wir mit der Zucht anfingen, gab es nur mehr 20 Stück von ihnen. Ihr Fleisch gilt in Indien als besonderer Glücksbringer. Heute betreiben wir ein Schutzprojekt in Bangladesch. Mittlerweile hat sich der Bestand verzehnfacht."

Aber eigentlich ist Schratter nicht die Zucht seltener Arten, sondern die Bildung der Besucher das wichtigste Anliegen. Auch das steht bis zu ihrem Vertragsende 2019 noch auf ihrer Agenda. Dann wird sie 65 Jahre alt sein und zwölf Jahre lange Direktorin. Eine gute Zeit, um aufzuhören.

Die Dienstwohnung in Schönbrunn muss sie dann aufgeben. Den Tiergarten wie die Jausenstation wird sie aber bestimmt weiterhin besuchen.