Treffpunkt Wien, Comedian Harmonists, Hermann Thyringer, griechisches Lokal Kostas

© KURIER/Gerhard Deutsch

Wien
01/08/2017

Treffpunkt Wien: Ein Freund, ein griechischer Freund

Für Hermann Thyringer von den "Wiener Comedian Harmonists" ist der Grieche Kostas "das Beste".

von Anna-Maria Bauer

Mein kleiner grüner Kaktus, Ein Freund, ein guter Freund oder Veronika, der Lenz ist da. Es gibt in Österreich wohl kaum jemanden, der im Musikunterricht nicht wenigstens über ein Lied gestolpert ist, mit denen die "Comedian Harmonists" in den 1930er-Jahren das Publikum begeisterten.

Den heutigen Staatsopernsänger Hermann Thyringer haben diese Lieder seit der Schulzeit nicht mehr losgelassen. Als der Musiker vor sechs Jahren dann ein sechsköpfiges Ensemble auf die Beine stellte, wollte er diese Lieder unbedingt als Zugabe einbauen. "So ein Blödsinn", meinte eine Freundin damals zu ihm. "Was heißt Zugabe? Den ganzen Abend musst du damit füllen."

Die Idee einer Wiener Wiedergeburt der deutschen "Comedian Harmonists" ließ Thyringer daraufhin nicht mehr los. Nur: So einfach sollte die Umsetzung nicht werden. Denn die Noten zu den Liedern gab es lediglich in den Originalpartituren – und die befanden sich wiederum in einem Berliner Museum, aus dem sie weder entwendet noch kopiert werden durften. Also nahm sich Thyringer eine Woche Urlaub, flog nach Berlin und schrieb sieben Tage lang von früh bis spät die Noten einfach ab.

Bel Ami(s)

Danach haben die sechs Musiker 13 Monate lang hart geübt. Erst dann trauten sich die fünf Sänger und der Pianist mit Liedern wie "Bel Ami" oder "Marie, Marie" das erste Mal als "Wiener Comedian Harmonists" auf die Bühne des Gloria Theaters. Schließlich war es das Ziel, ihren Vorbildern so ähnlich wie möglich zu sein.

Mittlerweile ist die Gruppe in ganz Österreich zu hören. Erst unlängst wieder in der Staatsoper, das Thyringer nach einer Probe – diesmal für den Staatsopernchor – soeben verlassen hat. Die Stärkung nach dem Singtraining holt sich der 49-Jährige, wie so oft in den vergangen 23 Jahren, in der Friedrichstraße 6. In einem Stück Griechenland mitten am Karlsplatz, im Restaurant "Kostas". Einem kleinen Lokal mit Santorin-weißen Wänden und azurblauer Decke , in dem es Speisen gibt, die so griechisch schmecken, dass Erinnerungen an heiße Sommertage mit salziger Meerluft und Sonnenschein auf der Haut wach werden. Auch die Holzsessel wackeln so wie sie das in einer kleinen Taverne auch tun würden.

Generationenwechsel

Während sich Hermann Thyringer an seinem Stammplatz vorne am Fenster niederlässt, schenkt Besitzer Konstantinos Dalagianis ein Viertel Retsina in den Zinnbecher und nimmt Thyringers Bestellung entgegen: "Das Übliche", ein "Stifado", also einen Rindfleisch-Zwiebel-Eintopf, nach einem Rezept von Dalagianis’ Großmutter.

Dass er einmal Lokalbesitzer werden würde – noch dazu in Wien – hat sich Dalagianis als junger Mann nicht gedacht. Er führte ein Hotel in Epiros und war mit dieser Tätigkeit eigentlich sehr zufrieden – bis er mit 35 Jahren dann die Liebe seines Lebens kennenlernte und ihr nach Wien folgte.

Dieser Umzug ist heuer 40 Jahre her, erzählt Dalagianis, während er das Stifado serviert. Mittlerweile ist er derjenige, der Rezepte an seine Enkelkinder weitergibt.

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