Irgendwann hatte Alf Poier genug von Fischsuppen und Packerlsuppe – und entdeckte den Italiener Alfredo

© Kurier/Juerg Christandl

Ottakring
10/30/2016

Treffpunkt Wien: Alf rät zu Alfredo

Nach zwei Jahren Pause steht Alf Poier wieder auf der Bühne. Zur Stärkung empfiehlt er einen Italiener.

von Anna-Maria Bauer

Es war immer wieder dasselbe: Müde, ausgelaugt und hungrig nach zu vielen Leberkäsesemmeln von der Tankstelle oder Nüssen mit Cola gegen den nächtlichen Heißhunger kam Alf Poier von einer Tournee nach Hause. Die Milch war mittlerweile sauer, das Brot hart und der Kühlschrank leer. Also wieder Packerlsuppe und Fischdose – Bis es ihm eines Tages reichte, die Lust nach etwas "G’scheitem" zu groß wurde und er dem nahe gelegenen Italiener Alfredo in der Steinbruchstraße 30 einen Besuch abstattete. Der erste von vielen.

Mit dem stilvoll eingerichteten italienischen Ristorante hat sich der heute 33-jährige Stefan Alfred Köstler vor neun Jahren den Traum vom mediterranen Urlaubslokal mitten in Wien erfüllt. Mit Fisch, der drei Mal in der Woche aus Italien geliefert wird, mit selbst gemachter Pasta und Pizza aus dem Holzofen, die im richtigen Verhältnis von saftig und knusprig gebacken wurde.

Mit seinem Lokal traf er offenbar den Geschmack vieler Wiener. Wer am Lokal vorbei die Steinbruchstraße hinauf Richtung Wilheminenberg spaziert, wird so gut wie immer voll besetzte Tische ausmachen können. Den älteren Besuchern wird dabei vielleicht die Café-Konditorei Tirolermandl einfallen, die Köstlers Großvater Alfred an dieser Stelle mit seiner Frau geführt hatte. Das alte Wasserrad im Garten erinnert daran.

Im Laufschritt

Die Steinbruchstraße hat letztens auch Alf Poier hinter sich gebracht. Und zwar laufend. Dann ging’s weiter bis zu den Steinhofgründen, erzählt der Künstler und Kabarettist, als er sich auf der cremefarbenen Couch niederlässt. Alf Poier war früher nämlich auch Nationalteam-Läufer. 1988 belegte er bei der Berglauf World Trophy zum Beispiel den 21. Rang.

Wie es dazu kam? "Viele Rennen habe ich ja eigentlich aus Faulheit gewonnen", sagt er und muss fast grinsen. "Je schneller ich lief, desto schneller hatte ich meine Ruh’." Dabei war er beim Turnunterricht in der Schule total schlecht. Er hörte immer, er sei zu dünn, zu schwach, er könne das nicht. Eines Tages schaute dann ein Mädchen zu, das ihm gefiel. "Da hab ich mir gedacht: Jetzt lauf ich, so schnell ich kann, auch wenn ich schwach bin." Und dann gewann er. Weil er so fasziniert war, meldete er sich daraufhin für einen 25-Kilometer-Lauf an und schaffte – ohne Training – den zweiten Platz. Wie er sich seine Fitness erklären kann? "Ich war als Kind immer Schwammerlsuchen am Berg, da fällt dir die Anstrengung nicht auf und das ist dann dabei rausgekommen."

Alf, red do’

Poiers neues Programm "The Making of Dada" ist die Wegbeschreibung von diesem "steirischen Schwammerlsucher und Tanzmusiker hin zum nihilistischen Dadasophen und geistigen Queraussteiger". Es ist das erste Programm nach seiner zweijährigen Bühnenpause (chronischen Magenschmerzen geschuldet, die aus der eingangs angesprochenen schlechten Ernährung und Stress entstanden waren) und gleichzeitig die verspätete Feier seines 20-jährigen Bühnenjubiläums.

Auf die Kabarettbühne, erzählt Poier, während Kellner Roberto ihm Lachs mit Kürbiskernkruste serviert, kam er wegen einer Lebenskrise. Kurz vor 30 hat er gefühlte 40-mal Job gewechselt und wusste nicht wohin.

Also begann er philosophische Werke zu lesen, lernte Kant und Schopenhauer kennen und schließlich René Descartes’ "Ich denke, also bin ich" bzw. "Bewusstsein ist". "Das ist der einzig wahre Satz. Alle anderen kann man widerlegen weil Bewusstseinsinhalte immer diskutierbar sind. Und weil man ja eh nichts mit Sicherheit behaupten kann, ist ein Witz wahrer, als so manches, das als wahr gilt. Einen Witz wird niemand widerlegen wollen." Außerdem könne man andere ein wenig wachrütteln – wenn diese anderen denn wachgerüttelt werden möchten. Und ein bisschen lustig ist es ja vielleicht auch.

Sehr bescheiden. Aber wer richtig gut ist, muss nicht angeben. Das ist bei Restaurants ja nicht anders.

The Making Of Dada

Das Programm „,The Making Of Dada“ ist Alf Poiers Nachreichung zu seinem 20-jährigen Bühnenjubiläum. Mit Hilfe seiner Tagebücher rekonstruiert er seine Entstehungsgeschichte, singt und zeigt seine dadaeske Kunst. Eine postvisionär-philosophische Werkschau seines kolossalen „Unschaffens“.

Die Termine finden Sie hier.

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