Bio-Bauer Oliver Kami-nek (li.) und Heurigenwirt Leopold  Klager (re.) engagieren sich im lokalen Verein.

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Chronik Wien

Tourismus in Stammersdorf: "Wollen kein Event-Dorf werden"

Der Weinbauverein in Floridsdorf versucht mit neuen Events, Urlauber wie Wiener von der anderen Seite der Donau zu lukrieren.

von Anna-Maria Bauer

03/14/2019, 05:00 AM

„Naja, wissen’S“, sagte eine MĂŒnchner Touristin  unlĂ€ngst zu Heurigenwirt Leopold Klager. „Gestern waren wir in Grinzing, aber heute sind wir in Stammersdorf beim Heurigen.“

Sie hatte die SĂ€tze ohne viel Beachtung ausgesprochen, aber Leopold Klager, Obmann des Weinbauvereins Stammersdorf, hĂ€tte sich ĂŒber kaum eine Aussage mehr freuen können: Dass eine Wien-Besucherin den Begriff „Heurigen“ zu Stammersdorf und nicht zu Grinzing stellte.

Denn Stammersdorf  ist mit seinen knapp 200 Hektar Weingebiet am Bisamberg zwar die grĂ¶ĂŸte Weinbaukatastralgemeinde Wiens. (Der Nussberg ist grĂ¶ĂŸer, teilt sich aber in verschiedene Gemeinden wie  Neustift, Sievering, Grinzing oder Nussdorf auf, Anm.)

Dennoch hat sich Leopold Klager mit dem Umstand abgefunden, dass bei Wien-Touristen Grinzing weitaus höher auf der PrioritÀtenliste rangiert als Stammersdorf.

Und diesen Rang möchte er Grinzing auch nicht ablaufen. Dennoch hat er sich mit seinem Weinbauverein vor einigen Jahren das Ziel gesetzt, die Buschenschanken  bei Wienern von der anderen Seiten der Donau ebenso wie bei Urlaubern bekannter zu machen.

Wienerlied-FrĂŒhling bis Advent beim Heurigen

DiesbezĂŒglich war der Verein in den jĂŒngsten Jahren Ă€ußerst aktiv: Die Stichworte zu den Veranstaltungen, die Leopold Klager im Vorfeld des Interviews gemacht hat, fĂŒllen dreiviertel eines A4-Zettels: Am 5. MĂ€rz fand etwa zum zweiten Mal das Fasching eingraben statt.

Von Mai bis Juni gibt es, ebenfalls zum zweiten Mal, den Wienerlied FrĂŒhling mit musikalischen Einlagen an unterschiedlichen Tagen in unterschiedlichen Betrieben. Und der Advent in Stammerdorf mit GlĂŒhwein und geschmĂŒckten BĂ€umen vor jeder Buschenschank sei so gut angekommen, dass sie es bestimmt wiederholen wĂŒrden.

Zwei neue Events sind auch bereits durchgeplant: Zum einen das Jungweinstrassln Mitte April. Außerdem möchte Oliver Kaminek, vormals Tontechniker, seit 2011 Betreiber eines Bio-Hofs und SchriftfĂŒhrer des Weinbauvereins ist, ab heuer KrĂ€uterfĂŒhrungen samt Weinverkostungen am Bisamberg anbieten.

Punktuelle Großevents wĂŒrden der Verein keine mehr planen, meint Leopold Klager. Ja, mit dem MailĂŒfterl (4. bis 5. Mai 2019), den Stammersdorfer Weintagen (24. und 25. August) sowie den StĂŒrmischen Tagen (5. und 6. Oktober) haben dem HeurigengrĂ€tzel in den vergangen Jahrzehnten einen Namen ĂŒber Bezirks- und Stadtgrenze hinaus verschafft.

Kein "Rambazamba"

„Aber wir wollen kein Event-Dorf werden, kein Rambazamba, nicht busweise Touristen“,  sagt Leopold Klager.  Man wolle den sanften Weg gehen, sei der Weinort der Entschleunigung und Ruhe gewidmet. Dazu passe die Ă€lteste Veranstaltungstradition, die Wallfahrt nach Mariahilf. Sie jĂ€hrt sich heuer ĂŒbrigens zum 320. Mal.

Jedenfalls gebe es fĂŒr diesen Fokus offenbar eine Zielgruppe. In den vergangenen zehn Jahren haben vier neue Betriebe aufgesperrt.

Etwas richtig Touristisches gibt es aber doch: HopOnHopOff-Bus fĂ€hrt zwar keiner nach Stammersdorf, dafĂŒr hat der Betreiber der Liliputbahn den Heurigenexpress organisiert, der frei-, sam-, sonn- und feiertags durch das GrĂ€tzel fĂ€hrt.

Der Weinort

Weinbauverein Stammersdorf  umfasst 34 Betriebe; 29 davon sind Originalheurigen, mit ausgestecktem Föhrenbuschen und eigens angebauten Wein. In den vergangenen zehn Jahren haben vier Betriebe aufgesperrt. Angebaut wird der Wein am Bisamberg. Mit den knapp 200 Hektar ist Stammersdorf die grĂ¶ĂŸte Weinbaukatastralgemeinde Wiens.

Zur Homepage des Weinorts geht es hier.

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