Chronik | Wien
25.05.2017

Toter in Justizanstalt Hirtenberg: Kein Fremdverschulden

Gutachter: Bauchspeicheldrüsenentzündung führte blitzartig zum Gewebezerfall. Patient wurde laut Expertise lege artis behandelt.

Beim Tod eines Häftlings der Justizanstalt (JA) Hirtenberg, der am 6. Dezember 2016 in einem Wiener Spital gestorben ist, war kein Fremdverschulden im Spiel. Zu diesem Ergebnis kommt ein chirurgischer Sachverständiger, der von der Staatsanwaltschaft Wien beigezogen wurde, die in diesem Fall wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung ermittelt. Das Verfahren dürfte damit vor der Einstellung stehen.

Der 55 Jahre alte Häftling war an einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung gestorben. Der Gutachter sollte klären, ob diese Erkrankung vorhersehbar bzw. abwendbar war und ob der Mann in der JA Hirtenberg sorgfältig betreut und nach seiner Überstellung ins Krankenhaus lege artis behandelt wurde. Den nunmehr vorliegenden Feststellungen des Chirurgen Michael Rogy zufolge nahm im gegenständlichen Fall die Bauchspeicheldrüsenentzündung einen fulminanten, plötzlich einsetzenden und Gewebe zerfallenden Verlauf. "Bei dieser Verlaufsform kommt es wie durch einen Blitz zum Gewebezerfall der Bauchspeicheldrüse und zur Freisetzung von hochaktiven Mediatoren, die innerhalb weniger Stunden das Vollbild eines Multiorganversagens initiieren", ist der Sachverständigen-Expertise zu entnehmen.

Obwohl beim betroffenen Häftling umgehend eine Intensivtherapie eingeleitet wurde, hatte dieser nur eine geringe Überlebenschance. Sie lag bei maximal 20 Prozent. Dass es zum Tode kam, ist nach Ansicht des Sachverständigen niemandem vorwerfbar: "Die Betreuung in der Justizanstalt Hirtenberg wie auch die Behandlung im Krankenhaus waren sorgfaltskonform und lege artis." Der Patient wäre auch an einem anderen Ort vermutlich nicht zu retten gewesen, betont der Gutachter.

Der Häftling war am 1. Dezember 2016 zur operativen Behebung eines Hodenbruchs in ein Wiener Spital überstellt worden. Am 2. Dezember verschlechterte sich kurz vor dem geplanten Eingriff plötzlich sein Gesundheitszustand, er musste reanimiert und auf die Intensivstation verlegt werden, wo ein Venenkatheter gesetzt wurde. Nach einer Stoffwechselentgleisung zeigten sich erhöhte Leber- und Pankreaswerte, eine Computertomographie wies schließlich eine ausgeprägte Bauchspeicheldrüsenentzündung nach. Am Morgen des 6. Dezember trat schließlich der Herz-Kreislaufstillstand ein.