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Totalsperre am Alsergrund: Die „heißeste“ Baustelle des Sommers

Die Straßenbahn-Hauptschlagader für sieben Linien wird ersatzlos gekappt – was für Kontroversen sorgt. Pikant: Die Gleise wurden erst vor zehn Jahren erneuert.
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Wenn am 13. Juli die Balken für alle Straßenbahnen und Autos runtergehen, dann werden die Köpfe rauchen: Nicht nur bei den Arbeitern, die das Kreuzungsplateau Währinger Straße/Spitalgasse/Nussdorfer Straße in den Sommerferien in Beschlag nehmen, sondern vor allem auch bei den Anrainern und Öffi-Nutzern. Denn der Bereich gilt als die Hauptschlagader im Tram-Netz der Wiener Linien – weshalb gleich sieben Linien sieben Wochen hier nicht mehr fahren können. Und zwar ersatzlos – denn ein Bypass mit Bussen ist nicht vorgesehen. Was auch politisch für Kontroversen sorgt.

Wie der KURIER vor zwei Wochen berichtete, sind die Linien 5, 12, 37, 38, 40, 41 und 42 betroffen. Damit sind Döbling (37, 38) sowie Währing und Hernals (40, 41, 42) nicht mehr direkt mit dem Schottentor (Jonasreindl) verbunden. Auch die beliebte „Bahnhof-Strecke“ Westbahnhof–Franz-Josefs-Bahnhof–Praterstern ist nicht mehr möglich, weil 5er und 12er kurzgeführt werden.

Bewohner des zentralen Bezirksteils Alservorstadt hängen überhaupt in der Luft – ihnen bleibt nur der Umstieg auf Auto/Rad oder ein langer Fußmarsch übrig (zu U2, U6, U4, D, 43, 44). Wer alt oder mobilitätseingeschränkt ist, hat mehr oder weniger Pech gehabt.

Keine Ersatzlinien

Doch warum verkehren – anders als bei S-Bahn- und U-Bahn-Sperren – keine Ersatzlinien? Antwort der Wiener Linien: „Aufgrund der Bauarbeiten muss das Kreuzungsplateau temporär gesperrt werden, weshalb hier auch kein Ersatzbus fahren kann.“ Das stimmt so freilich nicht ganz, denn laut einer Sprecherin der MA 46 (Verkehrsorganisation) werde es für den Individualverkehr sehr wohl eine Umleitungsstrecke geben – nämlich via Nussdorfer Straße–Sechsschimmelgasse–Wilhelm-Exner-Gasse–Michelbeuerngasse. 

Auch ein Blick ins Archiv zeigt, dass die Totalsperre des Kreuzungsplateaus in der jüngeren Vergangenheit wesentlich entspannter ablief: 2011 wurden über den Sommer Fahrbahnen saniert, 2015 Gleise erneuert – beide Male gab es keinen totalen Öffi-Stopp und lokale Umleitungen für den Individualverkehr.

Karte zeigt die Totalsperre der Kreuzung Spitalgasse/Nußdorfer Straße im 9. Bezirk Wien sowie die Umleitungsstrecke für Pkw ab 13. Juli.

"Schienenfresser"

Durchaus brisant ist, dass die damals neu verlegten Weichen und Gleise nur zehn Jahre gehalten haben – was insbesondere nicht für die ULF-Garnituren spricht: Diese gelten ob der hohen Last und der ungünstigen Wuchtung als wahre „Schienenfresser“. Replik der Wiener Linien: Die „besonders hohen Belastungen“ dort ergäben sich aus den sieben Bim-Linien, die täglich unterwegs seien. Außerdem seien nunmehr größere Bereiche (450 Meter Länge) betroffen als 2015. Daher habe man sich entschlossen, alles zeitlich gerafft umzusetzen, statt „bei laufendem Betrieb über mehrere Monate“. 

Dass zeitgleich auch die Fahrbahnen gesperrt sind, hat wiederum mit (seit Wochen laufenden) Vorarbeiten an unterirdischen Leitungen für die künftige U5-Baustelle zu tun, so die MA 46. Einsatzorganisationen seien eingebunden, schließlich ist der Bereich bei Notfällen – Stichwort AKH-Nähe – von großer Relevanz.

Bezirk: SPÖ überstimmt

Im Alsergrunder Bezirksparlament war die Causa zuletzt Thema: Ein grüner Antrag pro Ersatzverkehr fand eine Mehrheit – wobei die SPÖ mit Bezirkschefin Saya Ahmad überstimmt wurde. Während diese den Bezirksbewohnern schon jetzt „für ihre Geduld und ihr Verständnis“ dankt, will Grünen-Frontfrau Josefa Molitor-Ruckenbauer „hartnäckig“ bleiben, damit im Sommer die Bürger nicht „im Stich gelassen werden“.

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