Chronik | Wien
13.03.2012

Tod nach Routine-OP: "Man muss sich schämen"

Eine 23-Jährige starb vor dreieinhalb Jahren im Krankenhaus Göttlicher Heiland. Der Patientenanwalt kritisiert den Spitalsleiter scharf.

Für Zündstoff sorgt jener Fall eines möglichen Ärzteversagens, den der KURIER neu aufgerollt hat. Wie berichtet, verstarb die 23-jährige Kirstin Rehberger vor dreieinhalb Jahren im Krankenhaus Göttlicher Heiland nach einem Routineeingriff an ihren Füßen. Die Eltern der jungen Frau warten bis heute auf ein Urteil in dem Verfahren – und auf eine Entschuldigung des Spitals. Nun meldet sich auch der Patientenanwalt zu Wort und spricht von einer „Schande“ für das Krankenhaus.

„Das ist überheblicher ärztlicher Paternalismus in Reinkultur“, sagt Patientenanwalt Gerald Bachinger in Anlehnung an die Aussagen von Johannes Steinhart, dem ärztlichen Direktor des Göttlichen Heiland. Steinhart hatte im KURIER-Interview zu den Vorwürfen gegen sein Spital Stellung genommen und erklärt, dass man mit den Eltern der verstorbenen Frau nicht sprechen könne, weil man in einem Verfahren stecke. Steinhart: „Wir stecken durch das Verfahren leider in einem formalen Korsett, wodurch wir nach außen etwas steif erscheinen.“

Schande

„Für so was muss man sich schämen“, kontert Bachinger. Wie Ärzte bei solch tragischen Fällen mit Angehörigen umzugehen haben, dafür gibt es laut Bachinger einen klaren Leitfaden, nämlich die Publikation „Wenn etwas schiefgeht. Kommunizieren und Handeln nach einem Zwischenfall.“ Dass dieser Leitfaden existiert, sollte Johannes Steinhart als Vizepräsident der Wiener Ärztekammer eigentlich wissen, denn die Kammer ist ein Mitverfasser des Dokuments. Am 24. März stellt sich Steinhart der Wahl zum Präsidenten der Ärztekammer.

Das Schweigen gegenüber den Angehörigen ist laut dem Text jedenfalls nicht die Norm. Bachinger: „Norm ist, dass Spitäler berechtigte Fragen klären und mit den Angehörigen darüber sprechen.“ Das sei laut Bachinger kein Schuldeingeständnis und passiere abseits des strafrechtlichen oder zivilrechtlichen Verfahrens. „Das kann man von jedem Verantwortungsträger verlangen“, sagt Bachinger.

 

Schweigen

Wie Patienten und Angehörige unter der mangelnder Kommunikation leiden, erlebt der Ombudsmann regelmäßig: „Die Angehörigen sind verletzt. Das wird durch das Schweigen noch verstärkt.“

Im Krankenhaus Göttlicher Heiland zeigt man sich über das Schicksal der Patientin zwar „sehr betroffen“, eine Möglichkeit, mit den Angehörigen zu sprechen, sieht man aber nach wie vor nicht: „Nachdem ein Verfahren läuft, müssen wir die Ratschläge unseres Juristen ernst nehmen“, heißt es in einer Stellungnahme des Spitals.