Chronik | Wien 18.01.2012

Tierschutz-City: Neues Quartier für Hund & Katz

Das völlig desolate Tierschutzhaus hat den Schritt notwendig gemacht: Die Stadt übernimmt den Tierschutz wieder selbst.

Nach langen Diskussionen um gravierende Versäumnisse im Tierschutz in Wien und das auf den Hund gekommene Tierschutzhaus in Vösendorf ließ am Mittwoch Stadträtin Ulli Sima die Katze aus dem Sack: Wien bekommt in der Donaustadt ein eigenes "TierQuarTier". Man will die gesetzliche Verpflichtung zum Tierschutz wieder selbst in die Hand nehmen.

Die Stadt Wien und die nach dem einstigen Konkurs des Tierschutzvereines gegründete "Tierschutzstiftung" werden sich die Kosten für die Errichtung des neuen "Tierschutz-Kompetenzzentrums" teilen: Zehn Mio.€ steuert die Stadt bei, fünf Mio. sollen aus Spenden über eine Baustein-Aktion der Stiftung hereinkommen.

Nach dem Vorbild britischer Tierschutz-Zentren wird das Haus auf einem zehn Hektar großen Grundstück an der Breitenleer Straße nahe der Deponie Rautenweg entstehen. Ab 2015 werden hier rund 150 Hunde, 300 Katzen und ebenso viele Kleintiere versorgt werden. Ein Streichelzoo und Kinderspielplätze sollen das "TierQuarTier" zu einem Ausflugsziel machen. Ulli Sima: "Wir wollen ja, dass die Tiere wieder in tierliebende Familien kommen."

Der eigenständige Schritt der Stadt bedeutet aber nicht auch das Aus für den Tierschutzverein. Sima kündigte nämlich an, dass dem Tierschutzhaus ein neues Grundstück nahe dem jetzigen Standort in Vösendorf angeboten wird. Die kontaminierte Altlast auf dem Baurechtsgrund der Stadt nimmt man vermutlich samt der dort völlig falsch errichteten Gebäude zurück.

Krieg mit Verein?

Madeleine Petrovic vom Tierschutzverein: "Ich bin froh, dass endlich Bewegung in die Sache gekommen ist. Ich sehe das nicht als Angriff auf uns. Wir haben uns bisher allein um den Tierschutz in Wien angenommen, nun werden wir das gemeinsam – einer im Norden und einer im Süden – erledigen. Vielleicht ist Konkurrenz für den Tierschutz sogar sinnvoll. Das angeboten Grundstück werden wird jedenfalls prüfen."

Nur tierlieb muss der Wettkampf nicht verlaufen: Im Vorstand der Stiftung sitzen mit dem Treuhänder Günther Hawranek (Rettet den Stephansdom, Gratiszeitung heute) und der Tierombudsfrau Maggie Entenfellner ( Kronenzeitung) echte Spendenprofis.

Madeleine Petrovic: "Es ist schon erwähnenswert, dass der Tierschutzverein für seine Arbeit nur nach Leistung pro amtlich zugewiesenem Tier und nur für 30 Tage entlohnt wurde, nun aber plötzlich für das neue Haus zehn Mio.€ an Steuergeld zur Verfügung stehen."

Anmerkung: Pro Hund 11,80 €, pro Katze 7,50 € für Impfung, Unterkunft und Verpflegung. Der Rest kam aus Spendengeldern.

Ein Detail zum neuen "TierQuarTier"-Standort: Die benötigte Wärme und der Strom sollen von der Deponie Rautenweg "gratis" geliefert werden.

 

( Kurier ) Erstellt am 18.01.2012