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Chronik Wien
11/04/2020

Terrornacht in City-Lokal: "Hinter jedem Fenster ein Polizist"

Geschäftsführer Harald Prohazka erzählte dem KURIER, wie er die Stunden der Terrornacht in seinem Restaurant erlebte

von Anna-Maria Bauer

Ohrenbetäubendes Klirren. Im ersten Moment dachte Harald Prohazka, ein volles Gläsertablett sei hinuntergefallen. Auch die Gäste im Joma zuckten nur kurz zusammen, reagierten nicht sofort.

Es dauerte, bis sie realisierten, dass kein zerbrochenes Glas war. Sondern dass die Salven eines Sturmgewehrs durch die Wiener Innenstadt hallten. Danach: Pistolenschüsse. Nun stürmten die Gäste aus dem Schanigarten ins Lokal.

Im direkten Umfeld

Mit seiner Lage neben der Ankeruhr am Hohen Markt hat sich das Joma, ein Restaurant der Figlmüller-Gruppe, im unmittelbaren Umfeld der Terrorattacke vom 2. November befunden.

„Unglaublich beängstigend“, so beschreibt der Joma-Geschäftsführer Prohazka die Situation dem KURIER.

Nachgedacht habe er Montagabend darüber nicht, nur funktioniert; versucht, zu beruhigen. Die Gäste stürzten unter die Tische, stießen diese dabei fast um, Teller fielen zu Boden, Besteck, Gläser. Immer wieder kamen Menschen von der Straße hereingestolpert, auf der Suche nach Schutz. Niemand wusste, was los ist.

Eine halbe Stunde später standen zehn Beamte der Spezialeinheit Cobra vor der Tür. Sie durchsuchten das gesamte Lokal, bis hin zu Keller und Garage. Dann bezogen sie im Lokal Stellung. Ein Teil der Mannschaft positionierte sich auf einem großen Tisch, mit Funkgerät und Kopfhörer warteten sie auf Informationen, sprachen sich ab.

Unter Hochspannung

Die anderen bewachten je ein Fenster und die Tür. „Sie haben die Gäste beschützt. Das war beruhigend. Aber gleichzeitig waren auch sie unter Hochspannung“, sagt Prohazka. „Bei jeder Person, die aus der Judengasse gekommen ist, sind sie selbst in Deckung gegangen.“

Gegen zwei Uhr morgens durften die ersten Gäste langsam das Lokal verlassen, in kleinen Gruppen und mit ein paar Minuten Abstand über den Hohen Markt Richtung Wipplinger Straße, hinaus aus dem ersten Bezirk. Die jungen Lehrlinge wurden zuerst in Taxis gesetzt.

Zehn Mädchen Anfang 20 hätten sich auch um vier Uhr noch nicht getraut, nach Hause zu gehen, sagt Prohazka. Die Polizisten bildeten schlussendlich einen Ring um sie. Und eskortierten sie bis zum Ende des 1. Bezirks. 

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