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06/11/2015

Streit wegen religiösem Symbol am Türstock

23-jähriger Untermieter wurde wegen des Disputs aus der Wohnung geworfen.

von Stefan Sailer

Vor zwei Wochen sorgte eine israelische Fahne, die der Wiener Student Sebestyén Fiumei vor dem Fenster seiner Wohnung aufgehängt hatte, für Aufregung. Jetzt gibt es den nächsten Eklat. Und zwar hatte der Hauptmieter von Fiumei vergangenen Freitag die „Mesusa“, eine religiöse Schriftkapsel die am Türstock angebracht ist, eigenmächtig entfernt.

Fiumei hatte die Flagge während einer Song Contest-Party geschenkt bekommen. „Sie war gar nicht so auffällig. Und ich hatte beim Aufhängen auch gar keine großen Überlegungen angestellt“, sagt der 23-Jährige, der im jüdischen Viertel wohnt. „Doch zwei Tage später mir wurde mitgeteilt, dass die Fahne einen anderen Mieter an seine traurige Vergangenheit erinnere und er sie nicht jeden Tag sehen möchte.“ Auf die Bitte an die Hausverwaltung, das Problem vielleicht in einem Gespräch mit dem Nachbarn zu klären, habe es laut Fiumei keine Reaktion gegeben. Stattdessen habe ihn sein Vermieter aufgefordert, auch die Mesusa abzunehmen.

Eigenmächtig gehandelt

„Als ich am Abend nach Hause gekommen bin, lag sie plötzlich am Tisch“, erklärt Untermieter Fiumei. Die Begründung seines Vermieters: „Er möchte mit solchen religiösen Symbolen nicht in Verbindung gebracht werden“, erzählt der Student. Für ihn sei die Aktion nur eine Folge des Fahnen-Konflikts. Denn in den vergangenen acht Monaten, in denen die Mesusa angebracht war, habe es keine Kritik gegeben.

Bei der Staatsanwaltschaft wurde nun eine Anzeigen wegen Diebstahl, Besitz- und Religionsstörung sowie Diskriminierung erstattet. Die Israelische Kultusgemeinde sicherte Fiumei jede Unterstützung zu, schließlich sei man auch selbst bestrebt, dass solche Konflikte nicht weiter einreißen.

Der Konflikt mit dem Vermieter ist für Fiumei jedenfalls bereits zu stark eskaliert. Als Reaktion hatte der 23-Jährige eine Aufforderung bekommen, die Wohnung bis Ende des Monats zu verlassen. Laut Gesetz ist zwar eine Drei-Monatsfrist einzuhalten, „dennoch wird es für mich wohl nicht mehr bequemer werden.“ Sein Ziel, Aufmerksamkeit und Bewusstsein für gegenseitige Toleranz zu schaffen, wird definitiv weiter verfolgt.

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