© KURIER/Jeff Mangione

Hilfe für Obdachlose
12/23/2014

Wenn die Kälte kommt, beginnt ihre heiße Zeit

Seit 20 Jahren sind Caritas-Sozialarbeiter auf der Straße unterwegs. Im Winter täglich.

Kälte kriecht durch die Schuhe, die Jeans und die dicke Winterjacke von Susanne Peter. Der Wind pfeift über die Donauinsel. Auf einer Steinplatte unterhalb der U-Bahnstation entdeckt die Sozialarbeiterin eine Person, die sich in einen dünnen, türkisblauen Schlafsack gewickelt hat. Als die Caritas-Mitarbeiterin den scheinbar Schlafenden anspricht, kommt das Gesicht eines jungen Mannes zum Vorschein. Ob er Hilfe braucht? Der Mann schüttelt den Kopf; er will sich wieder zurückziehen.

Susanne Peter probiert es weiter. Der Mann winkt ab. Er komme aus Tschechien und könne kaum Deutsch. Die Sozialarbeiterin zückt ihr Handy, ruft eine Tschechisch-Dolmetscherin an und drückt dem Mann das Telefon ans Ohr.

Jetzt lässt sich er auf ein Gespräch ein: Seine Eltern seien vor Kurzem gestorben. In ein Notquartier möchte er nicht, aber einen dicken Schlafsack nimmt er jetzt doch gerne an. Susanne Peter ist ein wenig erleichtert. Zum Mitkommen kann sie niemanden zwingen – aber Hilfe zum Überleben leisten. Der Schlafsack hält minus 24 Grad aus. Und: Susanne Peter darf in den kommenden Tagen wieder vorbeischauen.

Jeden Tag unterwegs

Jetzt geht es aber erst mal weiter zum nächsten Stopp. Seit 20 Jahren sind Sozialarbeiter der Caritas in den Straßen Wiens unterwegs. Sie besuchen jene, die selbst bei Minusgraden im Freien schlafen, bieten Schlafsäcke und Notquartiere an und erzählen vom Suppenbus, wo sich jedermann zumindest eine warme Mahlzeit holen kann. Und sie gehen Hinweisen von Wienern nach, die beim Kältetelefon angerufen haben. 584 Anfragen hat es allein im November und Dezember gegeben. 24 Betroffene ließen sich in die Gruft oder in ein Notquartier begleiten.

Einige Wohnungslose ziehen Häusernischen oder ein Zelt im Gebüsch jeglichen Einrichtungen vor. So wie das slowakische Pärchen, das seit einiger Zeit im Stadtpark im Gebüsch wohnt. Ein gemeinsames Zimmer gibt es derzeit nicht und trennen wollen sich die beiden nicht. Doch die Hoffnung, dass die beiden einmal wieder ein richtiges Bett haben, will Peter nicht aufgeben.

Ebenso wenig, wie den Glauben, dass Thomas R. doch noch einen Job bekommt. Schulden und Jobsuche wurden bei ihm zum Teufelskreis. Den Wiener trifft Susanne Peter, als er gerade seine einzige warme Mahlzeit des Tages zu sich nimmt – Gulaschsuppe, serviert vom Suppenbus. Die Semmel steckt Thomas R. ein. Die ist morgen sein Frühstück.

So können Sie helfen

Kältetelefon : 01/480 45 53
Spenden: IBAN AT16 3100 0004 0405 0050

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