Chronik Wien
12/09/2020

Strebern auf Thonetsesseln: Kaffeehäuser öffnen nur für Schüler

Im Rahmen der Aktion "Fliegende Lerncafés" können Jugendliche im Kaffeehaus lernen. Konsumation gibt's aber keine.

von Bernhard Ichner

Die Wiener Kaffeehäuser stehen aufgrund der Corona-Auflagen zurzeit leer - und so manchem Schüler fällt beim Distance Learning zu Hause die Decke auf den Kopf.

Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, dachten Familie Querfeld, Besitzer mehrerer Cafés, und "Café Frauenhuber"-Chef Wolfgang Binder. In Form von "Fliegenden Lerncafés" wollen sie Kindern und Jugendlichen (konsumfreien) Raum zum Lernen zur Verfügung stellen.

Das in Kooperation mit der Wiener Bildungsdirektion umgesetzte Projekt wurde am Mittwoch gemeinsam mit Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ab sofort können Schüler ab 15 Jahren über die Online-Plattform www.book-your-room.at/fliegendes-lerncafe einen Platz im Café Frauenhuber (1.), im The Legends (3.) sowie im Café Museum (1.) reservieren.

Jüngere Kinder dürfen in Begleitung eines Erwachsenen im Kaffeehaus lernen. Von 14 bis 16 sowie von 17 bis 19 Uhr stehen im Frauenhuber 16, im The Legends 12 und im Café Museum 15 Plätze zur Verfügung.

W-LAN statt Kuchen

Kaffee und Kuchen dürfen die Cafétiers zwar nicht kredenzen, dafür gebe es stabiles W-LAN und gegebenenfalls werde man Weihnachtskekse zum Mit-nach-Hause-nehmen auflegen, sagt Kaffeehausbesitzerin Irmgard Querfeld.

Kosten entstehen den interessierten Familien dadurch keine, betont Binder. Die Benützung der ansonsten leer stehenden Räumlichkeiten ist kostenlos. Wer möchte, kann sich eine Jause mitnehmen.

Dass das Angebot angenommen wird, bezweifeln die Cafétiers nicht. "Das Wiener Kaffeehaus war schon immer ein Ort des Lesens", sagt Querfeld. ("Und auch des Stangelns", wie Binder weiß.) Zudem sei das Lernen in altehrwürdigen Logen und auf Thonetsesseln im 1899 eröffneten Café Museum oder im 1824 erstmals erwähnten Frauenhuber vielleicht ein besonderes Erlebnis für so manchen Schüler.

"Ergänzendes Angebot"

Noch sei man nur zu dritt, erklären Querfeld und Binder - "wir hoffen aber, dass das Projekt Schule macht und sich noch mehr Kaffeehäuser anschließen".

Ob die Initiative letztlich mehr sein kann als positive PR für die Wiener Kaffeesieder, wird sich zeigen. Rund 240.000 Wiener Schülern stehen etwas mehr als 40 Plätze zwei Mal am Tag gegenüber. Noch dazu bis dato ausschließlich in Innenstadt-Cafés. Von der Bildungsdirektion heißt es dazu: „Wir sehen das als ergänzendes gutes Angebot.“

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