Erfolgreiche Störaktion: Fischart schwimmt wieder in der Donau
Störe sind fast ausgestorben: Die urtümlichen Knochenfische werden auf der MS Negrelli erfolgreich nachgezüchtet.
Thomas Friedrich greift zum Netz. Der Forscher von der BOKU Wien fischt einen jungen Stör aus dem Aufzuchtbecken. Hier gleich bei der Reichsbrücke, in der kleinen Zuchtstation auf dem umgebauten Steintransportschiff MS Negrelli, geschieht Großes. Vier Störarten werden vor dem Aussterben bewahrt.
Seit 200 Millionen Jahren leben die Störe in Meeren und Flüssen. 200 Jahre haben die Menschen gebraucht, um sie fast auszurotten. Die Fische gehören zu der am stärksten bedrohten Tierfamilie der Welt. In Wien glückte nun die Nachzucht des Sternhausen – das ist einzigartig zu Naturschutzzwecken. Diesen Erfolg präsentierten die Beteiligten gestern zum Danube Day.
Friedrich und sein Team züchten die Fische im Rahmen des EU-Projekts „LIFE-Boat 4 Sturgeon“. Ziel ist, Sterlet, Waxdick, Hausen und Sternhausen zu retten. Bis 2030 wollen die Partner 1,6 Millionen Störe züchten.
Babybecken im Aufzuchtschiff.
„Es ist ein Meilenstein für den Artenschutz“, sagte Umweltminister Norbert Totschnig. Die Jungtiere werden in unterschiedlichen Donau-Abschnitten in die Freiheit entlassen. „300.000 Sterlets konnten in Österreich bereits wieder ausgewildert werden, das für 2030 avisierte Projektziel wurde damit bereits jetzt erreicht“, erklärte Stadträtin Ulli Sima.
„LIFE-Boat 4 Sturgeon“ läuft bis 2030. Die BOKU leitet das Projekt, Partner sind das Umweltschutzministerium, der Wasserstraßenbetreiber viadonau und die Stadt Wien. Das Budget beträgt 11,8 Millionen Euro (67 Prozent Förderung durch das EU-LIFE-Förderprogramm). Acht internationale Partner sind mit an Bord. Das Projekt soll ein Vorbild für andere europäische Flüsse werden.
Der Sternhausen ist ein Wanderfisch. Er wird bis zu 220 cm lang und 68 Kilogramm schwer. Früher schwamm er in der Donau vom Schwarzen Meer flussaufwärts bis nach Bayern. Heute stoppt ihn das Stauwerk am Eisernen Tor in Rumänien.
Die Riesen der Donau
Daran ändert auch das jetzige Projekt nichts. Die großen Störarten wie auch der riesige Hausen (bis zu sechs Meter lang) werden unterhalb ausgesetzt. „Vom Eisernen Tor bis zum Meer sind es 870 Kilometer“, so Friedrich.
Er führt die Besucher über das Boot. Mit einem Glas fängt ein drei Monate altes Tier aus einem Becken. Nachzucht verlangt viel Wissen. Sternhausen-Weibchen bilden nur alle zwei bis vier Jahre Eier aus. Das heißt, die Forscher warten oft monatelang bis der optimale Zeitpunkt gekommen ist. Störe sind auch erst nach Jahren geschlechtsreif.
Störe schwimmen im Becken auf dem Schiff.
Der lange Zeitraum bringt auch Vorteile: Sie gibt den Forschenden Zeit, Lösungen zu finden, damit die Tiere wieder flussaufwärts zur Eiablage wandern können. Das Projekt zeigt bereits Erfolge. Störe, die in Wien gezüchtet und unterhalb des Eisernen Tores ausgesetzt wurden, schwimmen schon im Schwarzen Meer. Die Tiere sind gechipt oder können genetisch bestimmt werden. „Wir können mit dem Projekt zeigen, dass kleine Maßnahmen einen großen Einfluss haben können“, erklärte BOKU-Vizerektor Christoph Pfeifer.
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