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Stocker-Sager: Hunderte Frauen bei Demo in Wien erwartet

Die Aussage, Kinderbetreuung sei keine Arbeit, sorgt weiter für Empörung. Bei einer Spontandemo vor dem Bundeskanzleramt werden Hunderte Frauen erwartet.
Christian Stocker spricht ernst und gestikuliert vor unscharfem EU-Hintergrund.

Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) sieht sich weiterhin massiver Kritik ausgesetzt. Auslöser ist seine Aussage „Ich würde Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen, sage ich Ihnen ganz ehrlich.“ vom vergangenen Donnerstag im Rahmen seiner Sommertour durch die Bundesländer.

Nur einen Tag später entschuldigte sich Stocker, seine Aussage sei falsch. Genützt hat die Klarstellung bislang nur bedingt. Die Debatte und die Kritik am Bundeskanzler, der die Aussagen „ganz ehrlich“ auf einem Podium vor laufenden Kameras getätigt hat, scheinen noch lange nicht beendet.

Die Initiatorinnen des Frauenstreiks wollen die Empörung nun auf die Straße tragen und mobilisieren für heute, Montag, zum Protest. Demonstriert wird ab 16.00 Uhr vor dem Bundeskanzleramt. Erwartet werden „pessimistisch geschätzt mindestens 300 Menschen“, wie Mit-Initiatorin Hedi Wagner zum KURIER sagt.

„Von höchster politischer Ebene werden Frauen abgewertet. Herr Stocker richtet uns Frauen aus, dass unsere Arbeit nichts wert ist“, heißt es in dem Protestaufruf. Die Organisatorinnen wollen bei der Demonstration nicht nur gegen die Äußerung des Kanzlers protestieren, sondern ein grundsätzliches Zeichen gegen die aus ihrer Sicht strukturelle Geringschätzung von Frauen und unbezahlter Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Haushalt, Pflege etc.) setzen. 

108 Milliarden Euro an unbezahlter Arbeit

Laut Stocker sei Familie „nicht in bezahlter Arbeit zu rechnen“ und Familie kein „Business Case“. Genau das macht jedoch folgendes Rechenbeispiel: Die Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria von 2021/22 gibt Aufschluss über die Verteilung der unbezahlten Sorge- und Versorgungsarbeit im privaten Haushalt.

Darauf basierend wird die in Österreich geleistete unbezahlte Sorgearbeit auf einen Wert von rund 195 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Das entspricht etwa 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Frauen leisten dabei den größeren Anteil im Wert von rund 108 Milliarden Euro, während Männer etwa 70 Milliarden Euro beitragen. 

Wir alle ziehen unsere Kinder mit Liebe auf und pflegen mit Liebe kranke Angehörige. Der Preis dafür darf aber nicht sein, dass es so viel Frauenarmut und keine adäquate Kinderbetreuung gibt.

von Hedi Wagner

Frauenstreik

„Wir alle ziehen unsere Kinder mit Liebe auf und pflegen mit Liebe kranke Angehörige. Der Preis dafür darf aber nicht sein, dass es so viel Frauenarmut und keine adäquate Kinderbetreuung gibt“, kritisiert Wagner.

Laut Daten der Statistik Austria und Armutskonferenz sind in Österreich 568.000 Frauen (13 Prozent) von Einkommensarmut betroffen. Grundsätzlich haben Frauen (16 Prozent) in Österreich ein erhöhtes Armutsrisiko im Vergleich zu Männern (13 Prozent). Insbesondere im Alter sind Frauen deutlich höher armutsgefährdet als Männer. 

Was Stockers Entschuldigung angeht, sagt Wagner: „Das reicht nicht, seine Entschuldigung hat den Ärger nur vergrößert. Seine Aussagen entlarven und bestätigen das Frauenbild der ÖVP, die bisher alles verhindern wollte, was Frauen die Doppelbelastung Arbeit und Familie erleichtert hätte. Seine Partei muss ins Handeln kommen und endlich etwas für die Frauen tun.“

Anwesend wird Stocker am Montag während der Demonstration im Kanzleramt nicht sein. Der brach am Sonntag nach Ankara auf, für Montag stand ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan an.

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