Stadthallen-Chefs: „Europa kann gerne genau bei uns hinschauen“

Matthäus Zelenka und Thomas Waldner gehen selbstbewusst in den Song Contest – auch wenn die Stadthalle nur zwei Jahre jünger ist als der ESC selbst.
Thomas Waldner und Matthäus Zelenka mit Brille stehen auf einer Treppe mit schwarzem Geländer.

Die Wiener Stadthalle hat das beste Jahr ihrer Geschichte hinter sich. Insgesamt kamen 1,25 Millionen Besucherinnen und Besucher, damit wurde das bereits starke Jahr 2024 (1.012.602 Besucher) um rund 25 Prozent übertroffen. Mit 706 Belegtagen  (die Anzahl erklärt sich durch mehrere Hallen) wurde auch bei der Auslastung ein  Höchstwert erzielt. 

Und auch die  Umsatzerlöse seien laut Stadthalle im Vergleich zu 2024 um 19 Prozent gestiegen und lagen  36 Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019. 

Heuer geht es intensiv weiter, der Eurovision Song Contest (ESC) steht knapp bevor. Die beiden Geschäftsführer Matthäus Zelenka und Thomas Waldner im Interview.

KURIER: Liegt der Erfolg der Stadthalle nicht hauptsächlich an den Acts? Wie sehr hat die Arbeit des Stadthallenteams selbst Anteil daran?

Matthäus Zelenka: Es ist immer ein Zusammenspiel aus allem. Die Leute kommen in die Wiener Stadthalle wegen der Stars. Aber unser Team sorgt dafür, dass diese Veranstaltungen überhaupt möglich sind. Natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu. Aber wenn man konsequent und hart arbeitet, zahlt sich das meistens aus. Wer heute in der Stadthalle spielt, hat es geschafft. Gerade die Halle D zu füllen, ist nicht einfach.

Thomas Waldner: Natürlich sind wir von den Stars abhängig. Aber auch wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben stark in Digitalisierung investiert und unsere Prozesse effizienter gestaltet. Das eine ist, dass Acts bei uns auftreten wollen. Das andere ist, dass man es organisatorisch auch ermöglichen kann. Und genau daran haben wir in den letzten Jahren gearbeitet.

Zelenka: Ein Beispiel: Im November hatten wir 20 Shows in der Halle D und zusätzlich über 20 Veranstaltungen in den Hallen E und F. Da laufen teilweise parallel mehrere Produktionen mit Auf- und Abbauten über Nacht. Das funktioniert nur, weil wir unsere Prozesse massiv optimiert haben. Am Ende muss die Show einfach stattfinden.

Welche Acts schaffen es, die Halle D zu füllen?

Zelenka: Ganz unterschiedliche. Green Day war zweimal ausverkauft, Billie Eilish ebenso. Rod Stewart – ein echter Klassiker – ebenfalls ausverkauft. Das Besondere an der Stadthalle ist die Vielfalt. Unser Slogan lautet seit einigen Jahren: „Verbindet seit 1958“. Und das stimmt wirklich – hier kommen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammen. Es ist ein magischer Ort. Man spürt das, wenn die Halle voll ist – aber auch, wenn man durch eine leere Halle geht und weiß: Morgen spielt hier Kraftklub oder ein großes internationales Konzert.

In der Gastronomie wird geklagt, dass junge Leute weniger ausgehen. Merkt man diesen Trend auch bei Konzerten?

Waldner: Veranstaltungen mit einer sehr starken Fanbase funktionieren besonders gut. Wenn ein Act ein klares, engagiertes Publikum hat, sind die Shows meistens ausverkauft. Bei Events, die stärker in die Breite gehen, muss man beim Marketing mehr investieren, weil die Leute genauer überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Aber grundsätzlich sehen wir quer durch alle Altersgruppen eine starke Nachfrage. Gerade in einer digitalen Welt sehnen sich viele Menschen nach echten Live-Momenten.

Das Vienna 2026 Eurovision Song Contest-Banner schmückt die Stadthalle.

Die Wiener Stadthalle ist schon für den Eurovision Song Contest bereit.

Gibt es Acts, die nicht in die Stadthalle kommen wollen?

Waldner: Das hängt meist nicht an uns, sondern an internationalen Tourplänen. Manchmal passt Österreich einfach logistisch nicht hinein. Wir können produktionstechnisch fast alles ermöglichen. Apache hatte sogar ein Flugzeug auf der Bühne.

Wenn die Stadthalle so gut funktioniert: Braucht Wien dann überhaupt noch eine zweite Eventhalle?

Waldner: Da sind wir die falschen Adressaten für diese Frage. Unsere Aufgabe ist es, die Stadthalle bestmöglich zu betreiben. Wie es mit der geplanten Arena weitergeht, müssen andere entscheiden. Ich habe dazu natürlich persönliche eine Meinung, aber in meiner Funktion wäre es nicht angemessen, das zu kommentieren.

Sind Investitionen in die Stadthalle geplant? Zelenka: Bei einem Areal mit über 30.000 Quadratmetern gibt es immer etwas zu tun. Jeder, der ein Haus hat, weiß: Die Arbeit hört nie auf. Bei uns ist das nicht anders. Deshalb gibt es auch einen langfristigen Investitionsplan.

Waldner: In den letzten Jahren wurde bereits sehr viel investiert – in Nachhaltigkeit, Klimaanlagen, LED-Beleuchtung und Gastronomie. Die Halle ist in einem sehr guten Zustand, wirklich State of the Art. Unsere Aufgabe ist es, sie so zu betreiben, dass sie weiter optimal bespielbar bleibt.

Mein Musikgeschmack geht eher Richtung Metal.

von Thomas Waldner

Auf die Frage, ob er selbst ESC-Fan ist

Die Stadthalle ist nur zwei Jahre jünger als der Song Contest selbst. Sind Sie ein stolzer Gastgeber für Europa – oder hat man auch Angst, dass die Gäste in die falschen Ecken schauen?

Waldner: Die anderen können gerne ganz genau hinschauen. Ich glaube sogar, dass sie einiges von uns lernen können, nämlich wie weitsichtig und wandlungsfähig man einen Bau gestalten kann. Die aktuelle Song-Contest-Bühne hat eine Dachlast von über 100 Tonnen – das können wir problemlos tragen. In Basel, mit einer moderneren Halle, musste dafür extra Ground Support gebaut werden. Hinzu kommt, dass die Stadthalle ein ästhetischer Ort ist. Und wir haben ein Kernteam von 136 Kolleginnen und Kollegen.

Zelenka: Das schätzen auch Künstler und Veranstalter. Wenn im Livebetrieb etwas passiert – und das kommt vor – haben wir sofort die richtigen Leute vor Ort: Elektriker, Tischler, Techniker. Das ist nicht überall selbstverständlich. Diese Servicequalität macht die Stadthalle besonders.

Warum dauert der Aufbau für den ESC so lange?

Waldner: Er ist de facto fertig; jetzt beginnen die ersten technischen Proben, wo Ton- und Lichtanlage getestet werden. Anfang Mai beginnen die echten Proben vor Ort und das braucht eben seine Zeit. Der ORF geht auf Nummer sicher und wollte die Veranstaltungsstätte circa acht Wochen lang haben – und wir haben sie bereitgestellt.

Sind Sie eigentlich selbst Song-Contest-Fans?

Waldner: Mein Musikgeschmack geht eher Richtung Metal. Aber ich bin ein großer Fan von Live-Erlebnissen. Egal ob Fußballspiel, Konzert oder Song Contest: Wenn Tausende Menschen gemeinsam Energie erleben, ist das etwas Besonderes.

Zelenka: Genau diese Momente treiben uns an. Wenn Menschen zusammenkommen und eine gute Zeit haben – das ist es, worum es geht. Gerade beim Song Contest passt das perfekt, weil er Vielfalt und internationale Begegnung feiert.

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