Chronik | Wien
14.06.2017

SPÖ-Diskussion zu Alkoholverbot in türkischen Lokalen in Wien

Falsch verstandene Toleranz ist laut Josef Cap fehl am Platz. Politisches Eingreifen aber ebenfalls.

Wasser war das einzige Getränk, das bei der SPÖ-Diskussion am Dienstagabend ausgeschenkt wurde. Dabei hätten ein Bier oder ein Achterl Wein sehr gut zum Thema gepasst: Alkoholverbot in türkischen Lokalen. Wie der KURIER berichtete, verbannen immer mehr türkische Restaurants Bier oder Wein aus ihren Speisekarten.

Der Hernalser Gemeinderat Kurt Stürzenbecher hatte nach den Schlagzeilen der letzten Wochen zur Diskussion geladen. Nationalratsabgeordneter Josef Cap, Integrationsexperte Musafa Yenici – beide SPÖ – und Politologe Thomas Schmidinger waren unteranderem die Diskutanten.

Öffentliche Aufregung

Nahost-Experte Schmidinger hatte die öffentliche Debatte vor knapp einem Monat ins Rollen gebracht.

Via Facebook machte er damals seinen Ärger kund, weil es in seinem Stammlokal, dem Etap beim Brunnenmarkt, keinen Alkohol mehr gibt.

Das türkische Restaurant war von dem ehemaligen Besitzer an die nächste Generation weitergegeben worden. Der Sohn will ab jetzt kein Bier, keinen Wein oder Spirituosen servieren.

Für den Politologen ein Problem, denn "das Etap war ein öffentlicher, sozialer Raum, wo verschiedene Kulturen aufeinander getroffen sind", eröffnete er die Diskussion am Dienstagabend.

Nun werde man als Konsument von Alkohol ausgeschlossen. Dabei wäre es wichtig zu akzeptieren, dass andere Menschen und Kulturen anders sind und sich nicht am Alkoholkonsum zu stoßen. Nachsatz: Es gehe nicht darum, betrunken zu sein, sondern ein Glas Bier oder Wein zum Essen zu genießen.

SPÖ-Integrationsexperte Yencici versteht die Aufregung rund um das Achterl nicht. "In Wien wird stark gegen die Bildung von Gettos und Parallelgesellschaften gearbeitet. Trotzdem gibt es immer noch eine Ihr-und-Wir-Gesellschaft." Diese werde aber nicht nur seitens der Muslime produziert: "Selbst nach drei Generationen werden viele Muslime noch nicht als Österreicher angesehen."

Das Etap ist bisher übrigens das einzige Lokal in Wien-Ottakring, das keinen Alkohol ausschenkt. KURIER-Recherchen ergaben aber, dass es in der ganzen Stadt schon weitaus mehr sind. Nationalratsabgeordneter Cap sprach am Dienstag von rund 20 Betrieben.

Auch wenn alle Diskutanten immer wieder betonten, wie sensibel man mit dem Thema umgehen müsse, fand Cap dennoch sehr klare Worte: "Es setzt natürlich ein Signal, wenn der Vater im Lokal Alkohol ausgeschenkt hat und sein Sohn das nun nicht mehr tut."

Klare Position beziehen

Laut Cap gäbe es negative Beispiele wie Berlin Neukölln oder die Pariser Vorstädte, wo sich bereits Parallelgesellschaften gebildet haben, die das soziale Leben bestimmen und sehr viel Druck auf Frauen ausgeübt wird.

Daher sei Vorsicht geboten: "Wenn das Nicht-Ausschenken von Alkohol Teil einer Strategie ist, um die Gesellschaft zu dominieren, dann muss dagegen vorgegangen werden", betonte Cap.

Ein politisches Eingreifen sei in dem Fall aber nicht abgebracht. Dass das Etap ohne Alkohol-Ausschank wirtschaftlich überleben wird, bezweifelt der Nationalratsabgeordnete übrigens.