Chronik | Wien 09.10.2017

Spiel-Betrüger wieder unterwegs

Leute stehen um ein Tuch mit 3 Streichholz-Schachteln herum © Bild: Birgit Seiser

Polizei bestätigt steigende Zahlen. Opfer verlieren oft mehrere hundert Euro.

Das Shoppingbudget mit einem schnellen Spielchen auf der Mariahilfer Straße aufbessern, klingt verlockend. In den letzten Monaten ist das auf der beliebten Einkaufsmeile auch vermeintlich einfach möglich, denn Hütchenspieler sind fast täglich unterwegs. Dass es bei diesem Spiel aber nur einen Gewinner gibt – nämlich den Hütchenspieler – verbergen die Betrüger gut.

Die Masche läuft immer ähnlich ab: Der Hütchenspieler positioniert sich an einer Stelle nahe U-Bahn-Stationen, um möglichst schnell vor einer Polizeistreife flüchten zu können. Er baut sein Spiel auf, das aus einem kleinen Teppich und drei Streichholzschachteln besteht. Die Passanten müssen dann erkennen, unter welcher Schachtel die Kugel ist. Und dabei geht es um viel Geld.

Gewinnen unmöglich

Als der KURIER beim Lokalaugenschein auf der Mariahilfer Straße bei einem Spiel dabei ist, fließen sofort 50 und 100 Euro-Scheine. Zunächst scheint es so, als würde der Mitspieler einen großen Gewinn machen, doch das täuscht, wie Polizeisprecher Harald Sörös erklärt: "Um Passanten zu animieren, spielen einige Komplizen des Hütchenspielers mit und gewinnen große Beträge. Zu der Gruppe gehören auch einige Mitglieder, die direkt dabei oder im weiteren Umkreis stehen. Sie sollen herannahende Polizeistreifen bemerken und Alarm schlagen.

Spielt dann ein Passant mit, geht es aber nicht mit rechten Dingen zu. Der Hütchenspieler schiebt die Kugel nämlich nicht wahrnehmbar in seine Hand und schließlich unter eine andere Schachtel.

Bemerkt einer der Spieler das, kann es gefährlich werden. Beim Lokalaugenschein hob ein junger Passant, der mitgespielt hatte, erzürnt alle drei Hütchen hoch – unter keinem lag die Kugel. Die Betrügergruppe reagierte sofort aggressiv, stieß den jungen Mann weg und bedrohte ihn wüst. Genau diese Aktion wäre aber ein wichtiger Beweis für die Polizei gewesen: "Wir können nur einen gewerbsmäßigen Betrug nachweisen, wenn wir beweisen können, dass unter keinem Hütchen eine Kugel ist", sagt Polizeisprecher Sörös.

Bevölkerung gefragt

Den Betrügern habhaft zu werden, gestaltet sich also schwierig. Auch deshalb, weil das Spiel nicht unter das Glücksspielgesetz fällt – denn nicht der Zufall entscheidet, ob man gewinnt, sondern Geschicklichkeit. Obwohl die Polizei seit Anfang des Jahres bereits Schwerpunktaktionen mit zivilen Streifen durchführt, steigt die Zahl der organisierten Hütchenspieler-Banden weiter.

Die Mithilfe der Bevölkerung ist gefragt: "Wenn man Hütchenspieler sieht, sollte man das möglichst zeitnah bei der nächsten Polizeiinspektion melden oder den Polizeinotruf verständigen. Außerdem ist es wichtig, möglichst genaue Beschreibungen der Täter und der Örtlichkeit zu machen", sagt Polizeisprecher Sörös.

( kurier.at ) Erstellt am 09.10.2017