Spanische Hofreitschule: Ehemalige Bereiter üben Kritik

Ehemalige Bereiter kritisieren fehlende Erfahrung der neuen Geschäftsführerin mit Pferden und pochen darauf, dass auf die „Reiterei“ wieder mehr Augenmerk gelegt werden solle.
Spanische Hofreitschule

Heute, am 1. April, übernimmt Alexandra Kaszay die Leitung der Spanischen Hofreitschule. Aber – und das ist kein Scherz – sie hatte mit Pferden bislang nichts am Hut. Dafür kennt Kaszay die Hofburg, in der die Spanische Hofreitschule beheimatet ist, aus ihrer früheren beruflichen Tätigkeit als Geschäftsführerin des Hofburg-Kongresszentrums bestens, ebenso den Arbeitsweg und die Gepflogenheiten im Haus. Und sie bringe nicht zuletzt deshalb „hervorragende fachliche Eignung, Branchen und Führungserfahrung“ mit, streute ihr Bundesminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei der Präsentation Rosen. Mit ihr sollen die Zerwürfnisse der Vergangenheit einem Ende angehören. 

Zu ihrem blinden Fleck in Sachen Pferde steht die Managerin: „Mein Part ist ein anderer.“ Es gehe darum, die Reputation des Hauses zu stärken und dieses für die Zukunft fit zu machen.

Guter Rat

Ratschläge dazu gibt es derer genug. Etwa im Fachmagazin „ProPferd“ von zwei früheren Oberbereitern der Spanischen Hofreitschule, Johann Riegler und Klaus Krzisch, sowie vom Pferdeexperten Leopold Erasimus. Krzisch etwa ist mit der Entscheidung, die Geschicke der Hofreitschule in die Hände einer „reiterlich und hippologisch völlig unerfahrenen Person“ zu legen, sehr unglücklich. Das werfe viele Fragen auf, weil sich die neue Chefin in pferdespezifischen Fachfragen immer auf das Urteil anderer verlassen müsse. „Ein Unding“, sagt er, die Entscheidung reihe sich in eine lange Reihe „ähnlicher Entscheidungen seit der Ausgliederung“ (in eine eigene Gesellschaft, Anm.) ein.

Riegler fügt in dem Gespräch an, dass die Hofreitschule längst ihren Nimbus als das „Mekka und das Urmeter“ der Reiterei verloren habe. Hier hakt auch der NÖ Pferdezüchter Leopold Erasimus ein. Er ist überzeugt, dass der vorgeschriebene Gesetzesauftrag nicht mehr erfüllt werde: „Natürlich kann man immer philosophieren, was die Pflege der klassischen Reitkunst ist, aber für mich und sehr viele andere ist evident, dass die internationale Reputation in den letzten 15 Jahren enorm gesunken ist – und aus diesem Dilemma kann man sich nur retten, indem man beim Kerngeschäft ansetzt und die entsprechenden Maßnahmen setzt.“

Entsprechende Maßnahmen liegen für Krzisch auf der Hand: „Ich muss zuerst einmal die Reitbahn wieder in Ordnung bringen, dort habe ich die gravierenden Probleme – und da brauche ich auf Geschäftsführungs-Ebene jemanden, der das Institut kennt und versteht, einen Blick für die reiterliche Qualität hat und wieder für Ordnung sorgt.“ Erst dann könne man eine Geschäftsführung bestimmen, die vom Reiterlichen nicht soviel Ahnung habe, aber andere Sachen gut könne.

Falsche Entscheidungen

Erasimus wiederum hält die Ausgliederung der Hofreitschule vor rund 20 Jahren für eine positive Sache, nur bei Personalbesetzungen habe man Fehler gemacht. Es sei schwierig, eine geeignete Leitung für ein Institut wie die Spanische Hofreitschule zu finden, aber „dass man damit einen Aufsichtsrat beauftragt, der zum überwiegenden Teil aus Pferde- und Reitlaien besteht, geht einfach nicht“.

Ihr Fett bekommt auch Elisabeth Gürtler ab. Dass sie wieder rehabilitiert und in ein Ehrenkomitee gesetzt werde, „als hätte es den verheerenden Rechnungshofbericht, in dem all die Fehlentwicklungen und Missstände aufgezeigt wurden, nie gegeben“, ärgert sich Krzisch.

Sehr genau werden die Entwicklungen der Situation in der Spanischen Hofreitschule auch beim Österreichischen Pferdesportverband beobachtet. Otto Kurt Knoll, Leiter des Bundesreferats Kultur und Pferd appelliert: „Alle mögen sich in Demut, Bescheidenheit und Ehrfurcht an Alois Podhajsky orientieren.“

Damit meint er vor allem dessen Standardwerk „Die klassische Reitkunst“, in der der frühere Chef der Hofreitschule (von 1939 bis 1964) und Bronzemedaillen-Gewinner im Dressurreiten bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die jahrhundertelange Tradition der Arbeit mit den Pferden der Spanischen Hofreitschule zusammengeschrieben hat.

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