Sondereinheit stoppt Schlepper-Mafia

Im Unterboden des Busses wurden die meisten Afghanen transportiert.
Foto: Polizei

30 Flüchtlinge waren in einem griechischen Reisebus versteckt. Eine neue Fahnder-Truppe hatte den Bus bereits im Visier.

Die verstärkten Kontrollen durch die aufgerüstete SOKO-Ost und der neu gebildeten "Task Force gegen Illegale" bringen erste Erfolge.

So auch in der Nacht auf Montag um 02.30 Uhr am Alberner Hafen in Wien-Simmering. Weil ein griechischer Reisebus zu dieser Zeit und in dieser Gegend verdächtig erscheint, wurde das Fahrzeug von Beamten der Wiener Sondereinheit angehalten. Wie sich schnell herausstellte, war der Bus nicht nur mit Touristen besetzt.

Schließlich kletterten 30 geschleppte Afghanen, darunter mehrere Kinder, aus dem Fahrzeug. Die Dreistigkeit der beiden festgenommenen Schlepper kannte in diesem Fall kaum Grenzen: Ein Großteil der "Illegalen" war in einem Versteck im Gepäckabteil zusammengepfercht. Doch dass einige Geschleppte im Passagierraum- neben den 26 Fahrgästen - ganz offiziell transportiert wurden, ist neu. "Das hatten wir noch nicht. Eine neue Variante", erklärt Michael Takács, Sprecher der SOKO-Ost.

Schlepper-Kartelle

Österreich dürfte wieder verstärkt von den internationalen Schlepper-Kartellen als Ziel- sowie als Transitland benutzt werden. Schon am 23. August endete die Fahrt in ein vermeintlich besseres Leben für 70 Flüchtlinge aus Indien, Pakistan, Bangladesch und Afghanistan in der Erstaufnahmestelle Ost in Traiskirchen. Die Männer und Frauen waren in zwei Kastenwagen über die ungarische Grenze nach Österreich gekarrt worden. Erst ein Unfall auf der Südosttangente mit darauffolgender Fahrerflucht und Verfolgungsjagd beendete die Horrorfahrt. Auch in diesem Fall versuchten die festgenommenen Schlepper, ihre "Fracht" am Alberner Hafen loszuwerden.

Und am Wochenende wurden im Bezirk Neusiedl 22 "Illegale" aus Somalia aufgegriffen. Mehrere Polizeistreifen verfolgten die zu Fuß flüchtenden Schlepper-Opfer. Denn der Fahrer des Kleintransporters hatte die Flüchtlinge in der Gegend um Parndorf einfach ausgesetzt.
"Der Kommunikationsfluss wurde verkürzt. National wie international. Natürlich gehören Jagdglück und Fingerspitzengefühl auch zum Erfolg", sagt Takács.

Den Kern der "Task Force gegen Illegale" bilden 65 Mann mit der Zentrale in NÖ. Sie unterstützen die Länder-Dienststellen für Ausgleichende Maßnahmen (AGM). "Bei Schwerpunkt-Einsätzen wird die gesamte Einheit in das entsprechende Bundesland verlegt."

Mörder gefasst

Am Freitag vergangener Woche zeigte diese Strategie erstmals Erfolg: Um 19.25 Uhr langte ein Fahndungsersuchen der deutschen Behörden im Bundeskriminalamt ein. Ein des Mordes verdächtigter Bulgare war in seinem Ford Transit auf dem Weg in seine Heimat. Auf der A 4 Richtung Staatsgrenze wurde er um 20.05 Uhr gesichtet und nach dem Zusammenziehen mehrerer Einheiten, wie berichtet, verhaftet. Nicht einmal zwei Stunden nach dem Ansuchen der deutschen Behörden.

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(kurier) Erstellt am
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