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Simone Lugner will 24 Millionen Euro: Anwalt weist Forderung zurück

Christine "Mausi" Lugner als Zeugin über Simone: "Von ihr war gar nichts in den Räumen von Richard." Über den Sommer sind Vergleichsgespräche geplant.
Simone Lugner und Richard Lugner am seinem 91. Geburtstag.

Richard Lugners Privatstiftung gegen seine Witwe Simone. Die Kulisse für diese Verhandlung könnte mit dem Justizpalast nicht besser gewählt sein.

Und es geht auch um ein schönes, großes Haus. Um die Villa von Richard Lugner in Döbling. Und um das Wohnrecht für Simone Lugner in diesem Haus. 

Die Privatstiftung will ihr dieses Wohnrecht per Räumungsklage nehmen. Darüber wird heute weiter verhandelt. Mit "Mausi" Lugner als Zeugin. Vor dem Prozess wollte sie keine Stellungnahme abgeben. 

Florian Höllwarth und Markus Tschank.

Florian Höllwarth und Markus Tschank: Hart in der Sache, aber herzlich miteinander. 

Dafür wurde nun bekannt, dass es im Vorfeld ein neues Vergleichsangebot gegeben hat. Simone Lugner hat der Stiftung angeboten, alle Ansprüche um 24 Millionen Euro ablösen zu lassen. Darin seien Wohnrecht und Beteiligungen aus den Erbansprüchen Lugners enthalten.

3 Millionen angeboten

Stiftungsanwalt Markus Tschank weist diese Forderung zurück. Zuvor wäre man bereit gewesen, eine Summe von drei Millionen Euro zu bezahlen. "Beim neuen Angebot wurden nicht einmal neue Gutachten berücksichtigt", meint Tschank.

Florian Höllwarth hingegen betont, dass die "Gegenseite nicht versteht, dass es einen Prozentsatz am Erbteil gibt", den diese offenbar nicht berücksichtigen wolle. 

Christina "Mausi" Lugner und ein Mann.

Christina "Mausi" Lugner vor ihrer Zeugenaussage. 

Somit ist für beide klar: Bei der Lücke von 21 Millionen Euro wird es weder heute noch in absehbarer Zeit eine Einigung geben.

Deshalb wird heute weiter verhandelt. Mit Richard Lugners Ex-Frau Christina "Mausi" Lugner, der Mutter von Jacqueline Lugner, als Zeugin. 

Es geht weiter darum, ob Simone Lugner die im Hochzeitspakt vereinbarten Pflegeleistungen erbracht hat oder nicht. Die eingangs allen Zeuginnen und Zeugen gestellte Frage nach dem Alter will "Mausi" Lugner kokett nicht beantworten: "Komme ich da in ein Zeugenschutzprogramm?" Die Richterin schmunzelt. (Lugner wird im Juni 61.). 

"Er war mein Lebensmensch"

"Mausi" lässt keine Zweifel daran, dass sie "seit 1990 die engste Vertraute von Richard" sei: "Er war mein Übermensch, mein Lebensmensch. Und er hat großen Wert darauf gelegt, dass ich in der Nähe wohne. Das war besonders wichtig, als er schon pflegebedürftig war." 

Aus ihrer gemeinsamen Zeit erzählt "Mausi", dass sie in einem Teil des Hauses gemeinsam gelebt hätten: "In dem großen Bett haben wir zu dritt mit unserer Tochter geschlafen. Richard wollte das nicht anders, ich auch nicht."

"Gar nichts von Simone"

In diesem Bereich hätte sich allerdings nichts, "gar nichts", von Simone gefunden, als diese mit dem Baumeister verheiratet war, schildert sie vor Gericht: "Simone hat es vorgezogen, sich auch im Untergeschoß zwei Zimmer herzurichten."

Richard Lugner habe sich mehrmals täglich beschwert. „Mausi, es ist nicht so wie bei uns“, habe er gesagt. Er hätte gewollt, dass Simone bei ihm schläft, das habe diese nicht gemacht.

"Er war ein Pflegefall"

Ab dem 13. Juni sei es mit ihm bergab gegangen: "Ab dem Tag war er ein Pflegefall." Nur zwei Termine habe er noch wahrgenommen: "Mörbisch mit dem Rollstuhl. Und bei der Hochzeit unserer Tochter hat er sie unter großen Schmerzen auf Krücken zum Altar geführt." 

Dass Mitarbeiterinnen und nicht seine Frau ihn gepflegt hat, "war ihm sicher peinlich", glaubt "Mausi" Lugner. 

"Richard wollte den Pakt ändern"

Deshalb habe er auch den Ehepakt mit Simone ändern wollen, weil sie den Vertrag nicht erfülle: "Das hat mir Richard gesagt."

Auch sie erzählt dass Lugner keine Freund gehabt hätte, deshalb habe er heiraten wollen. "Er wollte mich ja auch heiraten, Simone war nicht seine erste Wahl."

Immer wieder muss die Richterin „Mausi“ Lugner einbremsen: „Sie reden so viel, bitte beantworten Sie nur die Fragen.“ Was diese dann macht: "Er wollte versichert sein, dass er nicht alleine ist, wenn er alt wird. Die Pflege war in diesem Vertrag ein ganz wichtiges Thema. Die Ehegattin sollte diese Pflege übernehmen." 

Dass Simone das nicht gemacht habe, darüber habe sich Richard bei ihr "mehrmals täglich beschwert".  

Dafür sei die Beklagte „auf allen medialen Rummelplätzen des Landes unterwegs“ gewesen: "Richard sagte zu mir, er wisse zwar nicht, wo sie sei, er werde es aber in der Zeitung lesen."

Richtern dürfte Lokalaugenschein ablehnen

Simone Lugners Anwalt Florian Höllwarth will wissen, wo diese denn gewohnt habe, weil sich Lugner immer alleine gefühlt hatte. Mausi kontert: „Das müssen Sie ihre Mandantin fragen.“ 

Höllwarth beantragt einen Lokalaugenschein in der Lugner Villa, die klagende Partei hat nichts dagegen. Die Richterin meint: „Das werden wir nicht brauchen."

"Richard war gern von schönen jungen Frauen umgeben"

Befragt wird auch eine Freundin von Simone, 36, lange blonde Haare, 20 Zentimeter hohe Plateau-Schuhe mit Stöckeln. Sie war mit Lugner alleine beim Villacher Fasching, weil Simone nicht konnte. 

So passt sie - wie ihre Freundin - offenbar auch in das Lugner-Schema: "Der Richard war halt gerne umgeben von schönen jungen Frauen, das war die Simone."

Bei einer Parfum Party im Hause Lugner habe sie aber erkannt: „Richard war schon gebrechlich.“ Das war in der Zeit zwischen Hochzeit und Lugners Tod. 

Aufmerksamkeit hat auch Simones Polterabend in Kitzbühel gebracht. „Er hat sich völlig aufgeregt, dass Simone poltert und war dagegen“, erinnert sie sich, „wir wollten ihn mitnehmen. Das hat er zugesagt. Er war dann so angeschlagen, dass er nicht mitfahren konnte und hat es Simone aber erlaubt.“ 

Arbeit für Lugner als Problem für Beziehung

Wie es im Hause Lugner zugegangen sein mag, hat ein anderer Zeuge aus eigener Erfahrung über seine Partnerin mitbekommen. Der Installateur der Lugner City war selbst oft in der Villa, um Arbeiten durchzuführen. Seine Partnerin war Lugners Haushälterin.

Er weiß, dass Simone und Richard Lugner „im gleichen Haus, aber nicht im gleichen Zimmer“ gelebt hätten. „Meine Frau hat ihn extrem intensiv betreut, war erschöpft, als sie am Abend nach Hause gekommen ist, das war auch für unsere Beziehung sehr belastend“, erinnert er sich. 

Simone Lugner hätte hingegen immer etwas anderes zu tun gehabt. Dass sie sagt, eine Pflege sei nicht nötig gewesen, versteht er nicht: „Das stimmt nicht.“ 

Wenig Begeisterung hat auch die Finanzchefin des Lugner-Imperiums für Simone übrig. "Sie war kalt, gelangweilt und desinteressiert", erinnert sie sich an die wenigen Treffen, die sie mit ihrer Kurzzeit-Mitarbeiterin hatte: "Sie hat ihm nicht einmal die Brillen aus dem Sakko oder die Krücken gegeben, als er danach gefragt."

"Die andere Damen wollten nur ein Zimmer"

Einblick in Lugners Leben gibt dann auch seine Chefsekretärin. Für die Hochzeitsnacht habe sie zusätzlich zur Suite auch das angrenzende Zimmer buchen müssen. Und für Kreta, Edinburgh und die Malediven, wo die Hochzeitsreise hingehen sollte, sei auf Anweisung von Simone Lugner auf zwei Zimmer umgebucht worden: "Ich hab das ja früher für andere Damen von Herrn Lugner auch gebucht, zwei Zimmer wollte nur Simone."

Entscheidung gab es am Freitag wieder nicht. Die Richterin, die das Verfahren mit dem nötigen Ernst und dem angemessenen Augenzwinkern leitete, setzte für September einen neuen Verhandlungstermin an. Zuvor sollen die beiden Parteien an möglichen Vergleichen arbeiten.

Das haben die beiden Anwälte zugesagt. Nach der Verhandlung wollten sich beide nicht auf eine jeweilige Schmerzgrenze zwischen drei und 24 Millionen Euro festlegen lassen. Beide Seiten bestätigten allerdings, bei einem Gespräch eine Annäherung zu versuchen. 

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