Chronik | Wien 17.05.2018

Mädchenmord: Robert K. saß am Montag wieder in Klasse

© Bild: Kurier/Juerg Christandl

Die Eltern des Verdächtigen sollen auf eine gute Ausbildung großen Wert gelegt haben.

Im katholischen Gymnasium Maria Regina in Wien-Döbling herrscht nach der Tat Fassungslosigkeit. Drei Tage nach dem Mord saß der Verdächtige Robert K. noch in seiner Klasse, als wäre nichts geschehen. Die Schüler, die am Mittwoch ein und aus gehen, können und wollten sich nicht zu ihrem Mitschüler äußern. Zutritt zum Gymnasium bekommen nur Schüler, Eltern und Lehrpersonal. Am Vorplatz ist selbst in den größeren Pausen kaum ein Jugendlicher anzutreffen.

Unauffällig

Die Vita des Gymnasiasten liest sich unauffällig: Robert K. kam am 14. Februar 2002 in dem kleinen Ort Darbankhi auf die Welt, der keine 50 Kilometer von der tschetschenischen Hauptstadt Grosny liegt. Mit zwei Jahren kam er mit seinen Eltern nach Österreich. Der 16-Jährige besuchte in den vergangenen Jahren die Volksschule und das Gymnasium der Privatschule, die mindestens 190 Euro pro Monat kostet. Laut Lehrern sei der Mordverdächtige ein sehr guter Schüler gewesen. Auf einem Klassenfoto starrt der Jugendliche mit steinerner Miene in die Kamera.

Eltern ehemaliger Klassenkollegen von K. schildern, dass die Familie sehr bedacht auf die Bildung und den Erfolg ihrer zwei Söhne war. Selbst die Änderung in österreichische Vor- und Nachnamen hätte die Familie zugunsten steigender Erfolgschancen vornehmen lassen.

Die Schulleitung will sich zu dem Verdächtigen nicht äußern, ein Kriseninterventions-Team steht den Schülern zur Seite. In einem Brief, der am Dienstag an die Eltern geschickt wird, heißt es, die Tatsache, dass der mutmaßliche Mörder ein Schüler der Schule ist, mache fassungslos.

„Wir haben ab morgen einen großen Stab an psychologischer und seelsorglicher Hilfe sowohl vom Stadtschulrat als auch vom Schulerhalter. Unsere ganze Sorge gilt nun unseren Schülern“, steht in dem Schreiben. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass man mit den Kindern über alles reden sollte. „Gott möge den betroffenen Familien und uns allen beistehen“, schreiben Direktion und Elternvertretung am Ende des Briefes.

( kurier.at ) Erstellt am 17.05.2018