Semmelweis-Areal: Zweites Steinhof wird verhindert

Semmelweis-Klinik
Foto: KURIER/Deutsch Verkauf geplant: Bürger sollen bei der Verwertung der Geburtsklinik und des Zentralkinderheimes in der Bastiengasse mitbestimmen.

Ein Debakel wie beim Otto-Wagner-Spital kann sich das Rathaus nicht mehr leisten. Jetzt sollen die Bürger mitplanen.

Aufregung herrscht unter den Anrainern der Semmelweis-Frauenklinik in Wien-Währing, seit bekannt ist, dass die traditionsreiche Geburtsklinik geschlossen und in das neue Krankenhaus Nord übersiedelt werden soll. Befürchtet wird, dass das prächtige Grünareal samt denkmalgeschützter Gebäude an den Bestbieter verkauft und in der Folge gewinnbringend verbaut werden soll.

Schon vor zwei Jahren hat man im Rathaus dazu die Weichen gestellt, als man bei einer routinemäßigen Erneuerung der Widmungen in ganz Wien für das Semmelweis-Areal einen Vorgriff auf die Zukunft gemacht und den künftigen Eigentümern ein paar Zuckerln beschert hat. So etwa die Streichung der Widmung „öffentliche Zwecke“, die nun eine dichtere und lukrativere Verbauung ermöglicht.

Nutznießer des Verkaufes wären jedenfalls der durch Spitalsneubauten finanziell ausgehungerte Spitalserhalter KAV und die Stadt selbst: MA 11 und MA 69, die das Charlotte-Bühler-Heim – zuletzt als Pass- und Fundamt genutzt – samt Parkareal besitzen. Geplant war, so wie einst mit Glanzing und dem Otto-Wagner-Spital am Steinhof, durch den Verkauf möglichst viel Geld zu machen. Mit der Verwertung des Semmelweis-Areals in prächtiger Grünlage wurde die Wiener Stadtentwicklungsgesellschaft (WSE) beauftragt.

Umdenken

Nach den Protesten um die Verbauung am Steinhof und die Medienkampagne der Kronen Zeitung ist man nun im Rathaus aber zurückgerudert. Man will ein zweites Steinhof mit allen Mitteln verhindern und geht deshalb in Kürze in die Offensive. Geplant ist, den leer stehenden Pavillon III einer internationalen Musikschule zu verkaufen. Das könnte noch heuer über die Bühne gehen. Das Spital selbst verbleibt bis 2016 in den Pavillons I und II, erst dann wird nach Floridsdorf übersiedelt. Geplant war dies für 2014. Für das leer stehende Charlotte Bühler-Heim und das angrenzende Areal wird ein Bürgerbeteiligungsverfahren gestartet.

Gemeinsam mit Bezirk, Anrainern und Bürgerinitiativen soll eine ideale Verwertung gefunden werden. Öffentliche Nutzung soll genauso möglich sein wie eine eingeschränkte Büro- oder Wohnnutzung. Immer unter Berücksichtigung des Baumbestandes. In der Scheibenbergstraße und der Hockegasse könnten Bauten der Bauklasse II entstehen, wie aus der Zustimmung des Fachbeirates für Stadtgestaltung hervorgeht. Für die Währinger dürfte die nächste Zeit spannend werden.

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(kurier) Erstellt am
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