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Chronik Wien
09/14/2012

Schulschwänzer: Behörde greift rigoros durch

Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteil fährt einen harten Kurs gegen Schulschwänzer.

von Michael Berger

Keine Toleranz gegenüber Schulschwänzern. Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl ließ Freitag keine Zweifel aufkommen: " In der ersten Woche blieben 277 Kinder und Jugendliche von 220.000 Wiener Schülern unentschuldigt vom Unterricht fern. Das hat natürlich Konsequenzen."

Und zwar in erster Linie für die Eltern. Denn die Erziehungsberechtigten der Schwänzer werden – ohne Ausnahme – von den Direktoren schriftlich vorgeladen. Nach Ermahnung durch die Schulleiter wird den Eltern das Schulpflichtgesetz erklärt. Darin enthalten ist die Strafandrohung von 220 Euro, sollten die Kinder weiter unentschuldigt fehlen.

"Die Vorladung ist ein wichtiger Schritt gegen die Abwesenheit. Denn das ist kein Kavaliersdelikt, sondern kann den Beginn eines Schulabbruchs darstellen."

Jagd auf Schulstagler

Der verlängerte Arm Brandsteidls ist Horst Tschaikner, Wiens Schulschwänz-Beauftragter. Diese Position wurde heuer erstmals eingeführt: "Mit Schulstart wurden alle Direktoren von mir aufgefordert, unentschuldigte Schüler zu melden." Interessant dabei, dass der Großteil der Schulstagler in den Volksschulen zu finden ist (133 Kinder). Gefolgt von 92 Haupt- und 38 AHS-Schülern. 14 Schüler fehlten in Sonderschulen.

Brandsteidl im Klartext: "Es interessiert mich nicht, ob Flugtickets oder Urlaubshotels in der ersten Schulwoche billiger sind. Es gilt die Schulpflicht und sie ist einzuhalten." Nachsatz: "Wenn das einreißt, dann sind Klassen etwa an Fenstertagen leer. Unser Ziel ist, Schulschwänzen abzustellen."

Seit Juli 2012 ist der Umgang mit – vom Unterricht abwesenden Schülern – bundesweit einheitlich geregelt. In Wiederholungsfällen können Eltern mit bis zu 440 Euro und damit doppelt so viel wie bisher zur Kasse gebeten werden. Laut Unterrichtsministerium laufen 1500 Strafverfahren wegen

Verletzung der Schulpflicht. In 30 Fällen mussten Eltern bereits 220 Euro Bußgeld bezahlen. Hilft alles nichts, kann die Schulbehörde die Jugendwohlfahrt einschalten. Schulschwänzer stammen oft aus bildungsfernen, nicht intakten Familien. Ein Migrationshintergrund spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

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