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Lehrer-Gehalt in Wien: Warum viele lange nur Grundgehalt bekommen

Lehrerinnen und Lehrer in Wien wissen oft lange nicht, was sie verdienen, obwohl sie bereits unterrichten. Die Grünen kritisieren die Abläufe im Bildungsressort.
Ein hellgrauer Rucksack steht im Vordergrund eines Klassenzimmers.

„Ich wurde über Monate von Pontius zu Pilatus geschickt. Ich musste mindestens drei E–Mails schreiben, bis ich – allerdings kaum aussagekräftige - Antworten erhalten habe.“ Diese Erinnerung hat ein Quereinsteiger, der im September 2022 als Lehrer in Wien zu arbeiten begonnen hat.

Was er wissen wollte? Welche Vordienstzeiten ihm angerechnet werden und wie hoch sein tatsächliches Gehalt sein werde. Und das ist offenbar kein Einzelfall. Ähnliches erzählt eine Lehrerin, die erst im September 2025 eingestiegen ist. „Ich habe mich im März 2025 beworben und alle Arbeitszeiten mit Dienstzeugnissen geschickt.“ Eine richtige Einstufung mit Dienstbeginn war nicht möglich, seit November warte sie nach erneuter Einreichung auf Antwort.

PK STADT WIEN: "AUSZEIT-WG FÜR STRAFUNMÜNDIGE INTENSIVTÄTERINNEN" - EMMERLING

Bettina Emmerling (Neos), Wiener Bildungsstadträtin.

Eine Antwort haben hingegen die Grünen bekommen, die diese Problematik per Anfrage an Neos-Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling thematisiert haben. Laut der Beantwortung dieser Anfrage geht es noch um viele offene Einstufungen. Denn Emmerling bestätigt, dass rund 800 von 1.640 Besoldungsdienstalter–Berechnungen noch offen sind – also bei fast der Hälfte der neuen Lehrerinnen und Lehrer.

„Unhaltbarer Zustand“

Für die Grünen eindeutig ein Managementversagen des Wiener Bildungsressorts. „Lehrerinnen und Lehrer wissen zum Arbeitsantritt nicht, wie viel sie tatsächlich verdienen. Und die Hälfte davon weiß es nach zwei Drittel des Jahres immer noch nicht. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, kritisieren die Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler.

Emmerling versucht, das „Versagen“ zu relativieren: „Lehrkräfte haben bis drei Monate nach der Anstellung Zeit, die Vordienstzeiten bekannt zu geben.“ Vielfach könne erst nach Vorlage aller Unterlagen mit der tatsächlichen Berechnung begonnen werden, darüber hinaus sei die Berechnung der anrechenbaren Zeiten individuell und sehr komplex – deshalb die lange Dauer.

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