AHS-Lehrer schlagen Alarm: Weniger Ressourcen für Wiens Gymnasien?

Lehrervertreter orten einen verdeckten Sparkurs und sehen die Schulplanung massiv erschwert.
Teacher asking her students a question

In Wiens Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) bahnt sich ein Konflikt um Personalressourcen an. Auslöser sind neue Berechnungsmodelle der Bildungsdirektion Wien, die laut Lehrervertretern und Opposition zu einem spürbaren Rückgang an Lehrkräften an Gymnasien führen könnten. Der KURIER hat die Bildungsdirektion um eine Stellungnahme gebeten, hat aber bis zum Redaktionsschluss keine Antwort erhalten.

Die Österreichische Professoren Union (ÖPU/FCG) spricht von einem „beispiellosen Sparkurs“. An einzelnen Standorten drohe der Abzug von bis zu fünf Lehrpersonen für das kommende Schuljahr. Für viele Direktoren komme das einer Zäsur in der Schulplanung gleich.

Drei Hebel, große Wirkung

Die Kritik entzündet sich an drei Punkten:

  1.  Anpassung der Kopfquote
    Die Ressourcenzuteilung pro Schüler sei reduziert worden, so die ÖPU. In der Unterstufe werde eine Erhöhung suggeriert, tatsächlich handle es sich jedoch um die Einrechnung der „Digitalen Grundbildung“ – ohne reale Budgetaufstockung.
  2. Neuer Sozioökonomischer Index
    Die Mittelverteilung nach sozialem Hintergrund sei neu gestaltet worden. Lehrervertreter kritisieren, dass die konkreten Berechnungsgrundlagen und Datensätze nicht offengelegt worden seien. Simon Lechner, Lehrervertreter der ÖPU Wien, kritisiert: "Während die Mittelschulen an Standorten mit besonderen Herausforderungen zusätzliche Mittel bekommen, gibt es für die AHS keine zusätzlichen Mittel. Die Ressourcen werden innerhalb der Standorte umgeschichtet, so dass manche Gymnasien massiv Lehrkräfte verlieren."
  3. Änderungen in der Tagesbetreuung
    Durch eine neue stundenweise Abrechnung der Nachmittagsbetreuung würden laut ÖPU zahlreiche Stunden wegfallen. Erst der Abgleich mit Realdaten habe das Ausmaß sichtbar gemacht.

Simon Lechner spricht von „bewusster Intransparenz“. Ein umfassender Einblick sei der Standesvertretung verwehrt geblieben. „Es kann nicht sein, dass die Bildungsqualität an Wiens Gymnasien durch einen Mix an Kürzungen ausgehöhlt wird, während man sich nach außen hin als sogenannte Bildungshauptstadt inszeniert.“

Politischer Hintergrund

Verantwortlich für den Bildungsbereich in Wien ist Bildungsstadträtin Bettina Emmerling, die in diesem Amt Christoph Wiederkehr (NEOS) abgelöst hat. Der jetzige Bildungsminister hatte in den vergangenen Jahren mehrfach betont, Wien als Bildungsstandort stärken zu wollen – unter anderem durch Reformen in der Schulverwaltung und gezielte Förderprogramme.

Harald Zierfuß, Klubobmann des ÖVP-Rathausklubs und Bildungssprecher, ortet einen „Angriff auf die Qualität“ der Wiener Gymnasien. Die Bildungspartei NEOS, so Zierfuß, kürze ausgerechnet bei Talenteförderung und Leistungsangeboten.

Geringeres Angebot

Sollten die prognostizierten Personalreduktionen eintreten, wären vor allem kleinere Sprachgruppen, Wahlpflichtfächer und Zusatzangebote im Sport- und Kreativbereich betroffen. Gerade diese Formate gelten als Aushängeschilder vieler Wiener Gymnasien.

Schulleitungen stünden vor einem Dilemma: Einsparungen im Personalbereich lassen sich meist nur durch größere Klassen oder den Wegfall von Zusatzangeboten kompensieren. Beides trifft unmittelbar die Unterrichtsqualität.

Ob es tatsächlich zu Kürzungen in der genannten Größenordnung kommt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. 

 

 
 
 
 
 

 
 

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