Chronik | Wien
05.04.2018

Schon als Neunjähriger Bombe gebaut

Deutscher Bub entlastete Lorenz K. und erzählte im Plauderton über Attentatsversuche

Spätestens am zweiten Tag im Wiener Terrorprozess wurde einem angst und bang. Über eine Videokonferenz mit dem deutschen Amtsgericht Bad Kreuznach wurde der inzwischen 14-Jährige als Zeuge vernommen, der von dem 19-jährigen Wiener Lorenz K. Ende November 2016 zu einem Sprengstoffanschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen angestiftet worden sein soll.

Der Bub, der damals zwölf Jahre alt war, reklamierte den Attentatsplan jedoch entschieden für sich und entlastete damit den Angeklagten in Wien: „Ich bin selbst drauf gekommen.“ Die Ratschläge, die ihm Lorenz K. erteilt habe, seien „nicht wichtig“ gewesen, er habe meist gar nicht darauf gehört. Auch eine Anleitung zum Bombenbau habe er nicht von dem 19-Jährigen gebraucht. „Ich hab’ mir so ein Dings gemacht. Als ich neun war, habe ich schon Bomben gebaut“, berichtete der 14-Jährige.

In Mamas Küche

Mit dem im Internet erhältlichen Plan „Bau eine Bombe in Mamas Küche“ könne „jeder Hobbybastler daheim eine Bombe machen“, stellte der Richter fest. Auch Lorenz K. sagte im Prozess aus, dass es ihm „leicht erschienen ist“, eine Bombe herzustellen (in Deutschland soll er mit einem Freund zwei Bomben gebastelt haben, Anm.) .

Der zur Tatzeit strafunmündige 14-jährige Zeuge erzählte im Plauderton, dass er bereits Anfang November 2016 in einem Bus in Ludwigshafen einen Selbstmordanschlag mit einer Bombe verüben wollte: „Das weiß noch niemand. Es ist nicht hochgegangen.“

Dann habe er zunächst beabsichtigt, eine Kirche während des Gottesdienstes anzugreifen. Auf dem Weihnachtsmarkt wären ihm zu wenig Leute gewesen, „höchstens zehn oder 20“, diese Märkte seien schlechter besucht als in Wien.

Er habe aber verschlafen, der Gottesdienst sei bereits vorüber gewesen. „Da hab ich mir gedacht, scheiß drauf, geh auf den Weihnachtsmarkt.“ Lorenz K. habe dabei „nun wirklich keine Rolle gespielt.“ Die Bombe ging allerdings nicht hoch, w eil etwas abgebröckelt sei. Tags darauf habe er ein Beil kaufen und damit einen Anschlag in einem Krankenhaus verüben wollen, dazu kam es dann aber nicht.

Fünf oder 15 Jahre

Die Aussage des 14-Jährigen stützt die Verantwortung von Lorenz K. (Verteidigung Wolfgang Blaschitz), dass er sich zwar einer Terrorvereinigung angeschlossen, aber niemanden zum terroristisch motivierten Mord angestiftet habe. Für ersteres Delikt drohen bis fünf Jahre Haft, bei zweiterem stehen bis 15 Jahre auf dem Spiel.

Am zweiten Prozesstag wurde der Angeklagte auch zu seinen eigenen Attentatsplänen befragt. Er habe überlegt, in einen Bus mit Soldaten einzusteigen „und mich dort in die Luft zu sprengen“. Zuvor hatte er in Handy-Nachrichten geäußert, „wie ich diesen Drecksstaat hasse.“

Davon scheint er auch in der U-Haft noch nicht ganz abgerückt zu sein. In seiner Zelle fand man radikale Zeichnungen von IS-Kämpfern, unter anderem mit einer Kalaschnikow. Er habe damit nur provozieren wollen, erklärte Lorenz K. und behauptete, die Terrorpläne schon vor seiner Verhaftung verworfen zu haben: „Wieso habe ich es nicht gemacht?“, fragte er: „Wieso bin ich nicht mit einem Messer los? Oder wieso bin ich nicht mit einem Auto wo hineingefahren? So schwer ist das nicht.“

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt, das Urteil ist für 12. April geplant.