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Chronik | Wien
04/04/2019

„Schön wär’s, wenn ich der Chef wär“

Bundespräsident Van der Bellen diskutierte mit Kindern über die Zukunft mit verblüffenden Ideen

Es war auch für Alexander Van der Bellen ein ungewöhnliches Terrain. Diskutiert der Bundespräsident doch meistens mit Meinungsbildnern, aber selten mit Volksschulkindern. Bei einem Besuch im Wiener Kindermuseum Zoom hörte sich das Staatsoberhaupt die Wünsche der ganz jungen Generation an: Wie soll die Welt aussehen, in der wir leben? Aber bevor die Debatte mit den Kleinsten losging, wollte Van der Bellen vom Publikum wissen, was denn ein Bundespräsident so macht?

„Man kann mich nicht absetzen“

„Er verwaltet die Stadt“, war eine Antwort. „Du bist der Chef von Österreich“, lautete eine andere Definition. „Schön wär’s, wenn ich der Chef wär“, gab Van der Bellen schmunzelnd zur Antwort. Und erklärte den Kindern dann weiter, dass der Bundespräsident „wenig Macht hat, insofern ist ,Chef’ falsch“. Aber, so relativierte das Staatsoberhaupt: seine „Stimme wird gehört“. Und weil der Bundespräsident direkt vom Volk gewählt wird, „gibt mir das eine Position, die mich schwer angreifbar macht. Man kann mich nicht absetzen wie andere Politiker.“

So weit der kleine Einführungslehrgang in die Demokratie. Verblüffend waren die Zukunftswünsche der Kinder. Nein, auf der Liste, wie die Welt aussehen soll, standen nicht noch mehr Virtual-Reality-Spiele oder neue Smartphones, sondern dass es künftig weniger Plastik, aber dafür mehr Elektro-Autos geben soll. Und dass der -Kohlenstoffdioxid-Ausstoß gesenkt werden soll oder das saubere Wasser und die Tropen geschützt werden sollen. Die Kinder wollen weniger Fleisch essen und auch weniger Fisch, damit die Überfischung der Meere zurückgeht.

„Seid auf einem guten Weg“

Angesichts der ungewöhnlichen Kinderwünsche muss das Herz des grünen Präsidenten wohl höher geschlagen haben. Das tat es auch, wenn man Van der Bellens Antwort hörte. „Ihr seid auf einem guten Weg und ihr macht mich sehr optimistisch. Ich bin jetzt 75. Mich betrifft es nicht mehr, weil wie viele Jahre habe ich noch?“ , lautete die eigentlich rhetorische Frage. „Mein Opa ist 83“, rief eines der Kinder keck aus der Menge. „Danke, dann habe ich ja noch ein bisserl“, so Van der Bellen lachend.

Und dann gab er den Kindern noch mit auf den Weg, dass man viel bewegen kann, wenn man will – auch als Einzelperson und als Kind. Er riet ihnen, die Verhaltensweisen ihrer Eltern zu beeinflussen, aber es könne auch noch viel weitere Kreise ziehen. „Schaut euch Greta Thunberg an. Sie zeigt beeindruckend, was möglich ist“, so Van der Bellen. Als Abschiedsgeschenk bekam er rund 100 orange-farbenen Kärtchen mit Ideen für eine bessere Welt.