Wenn Pensionisten am Telefon betrogen werden: "Mir passiert so etwas nicht!"
Betrüger übte insgesamt viereinhalb Stunden Druck auf Frau aus (Symbolbild)
"Haben Betrüger am Telefon schon einmal versucht, an Ihr Geld zu kommen?“, fragt die Vortragende Daniela Summer – fast alle 80 Besucher der Veranstaltung heben die Hand.
Bestimmt ist das ein Grund dafür, dass der Pensionistenverband für diesen Vortrag aufgrund des großen Interesses einen größeren Saal organisieren musste. Unter dem Motto „Mir passiert so etwas nicht!“ warnte Summer vom Bundeskriminalamt (BK) vor den Betrugsmaschen von Kriminellen, die es besonders auf Ältere abgesehen haben.
Schockanrufe und Anlagebetrug
Vor allem sogenannte Schockanrufe und Anlagebetrug stehen bei den Tätern gerade hoch im Kurs. „Ich wurde von einem angeblichen Gerichtsvollzieher angerufen, der Geld eintreiben wollte. Natürlich erschrickt man im ersten Moment“, erzählt zum Beispiel Gerlinde Schranz, die den Vortrag besucht.
Besucherin Gerlinde Schranz: „Bei mir wurde auf mehrere Arten versucht, an mein Geld zu kommen. Bisher habe ich die Tricks erkannt.“
Nur ihre langjährige Erfahrung als Angestellte in einer Anwaltskanzlei hielt sie davon ab, auf die Masche hereinzufallen. „Ich weiß eben, wie das eigentlich abläuft. Als ich nachgehakt habe und ihm klar wurde, dass ich mich auskenne, hat er sofort aufgelegt“, sagt Schranz.
Neben jener des Gerichtsvollziehers schlüpfen die Täter am Telefon auch in die Rolle eines Anwalts, eines Bankmitarbeiters oder eines Arztes – alles Autoritätspersonen, denen die meisten Menschen von vorneherein Glauben schenken. „Aber eines können Sie sich sicher sein“, sagt Summer: „Keiner aus diesen Berufsgruppen würde Sie jemals nach Ihrem Kontostand fragen. Wenn das passiert, legen Sie sofort auf.“
Schockanrufe
Zwischen 2022 und Anfang 2026 wurden laut Bundeskriminalamt fast 53 Millionen Euro Schaden durch Schockanrufe in Österreich verursacht. Es wurden 1.000 vollendete Fälle gezählt.
Schadenssumme
Der durchschnittlich Schaden pro Opfer liegt bei 53.000 Euro, wobei auch Fälle bekannt sind, in denen die Opfer Millionen bezahlt haben. 300 Millionen Euro erbeuteten Anlagebetrüger zwischen 2021 und 2024, wobei sich die Zahl in diesem Zeitraum verdoppelte. Insgesamt gab es laut Bundeskriminalamt rund 10.000 gemeldete Fälle.
Angst als Geschäftsmodell
Summer erzählt bei diesem Vortrag auch von den Klassikern, wie zum Beispiel dem Tochter-Sohn-Trick. Ein Anrufer sagt, dass das eigene Kind in Schwierigkeiten steckt und schnell finanzielle Hilfe braucht.
Kriminalbeamtin Daniela Summer: „Drehen Sie den Spieß um. Nutzen Sie ChatGPT oder googeln Sie, um Betrüger zu erkennen.“
„Diese Kriminellen wollen Ihnen Angst machen. Wenn jemand anruft und sagt, die Tochter oder der Sohn hat einen Unfall gehabt und im Hintergrund hört man laute, verzweifelte Schreie, dann ist jedes Elternteil alarmiert und zahlt für die angebliche Behandlung oder eine Kaution“, erklärt die Kriminalbeamtin.
Dass so eine Situation schon viele der Besucher der Veranstaltung erlebt haben, zeigt das gemeinschaftliche, zustimmende Nicken im Saal.
Druck wird aufgebaut
Das erste Ziel der Täter ist es, großen Druck aufzubauen und ihn dann so lange aufrechtzuerhalten, bis sie das Geld oder die Wertsachen in Händen halten.
Oft kommt es laut der BK-Expertin vor, dass die Täter ihre Opfer sogar von Zuhause abholen und sie bis zum Bankschalter begleiten. „Sie sagen Ihnen dann sogar, wie sie den hohen Geldbetrag, den sie abheben, bei den Bankangestellten rechtfertigen sollen.“
Keine Zeit nachzudenken
Die Täter stellen durch permanentes Reden sicher, dass ihre Opfer keine Zeit finden, um nachzudenken oder nachzufragen. Ein Anruf bei Tochter oder Sohn könnte sie schließlich schnell auffliegen lassen. Deshalb versuchen die Kriminellen, ihre Opfer ständig am Telefon zu halten, um ihnen gar keine Zeit zu geben, die Wahrheit herauszufinden.
Ist das Geld dann übergeben und es wird klar, dass man auf Betrüger hereingefallen ist, ist die Scham vieler Opfer groß. Expertin Summer kennt Fälle, in denen sich die Opfer sogar das Leben genommen haben, weil sie vermeintlich selbst verschuldet ihr ganzes Hab und Gut verloren haben.
Perfide Betrugsmaschen
Scham ist aber nicht angebracht, denn die Tricks der Betrüger werden immer perfider und sind sehr schwer zu durchschauen. „Die Täter sind leider sehr intelligent und finden neue Wege“, sagt Summer. Wie oft solche Betrugsmaschen Erfolg haben, zeigen folgende Zahlen: Laut BK erbeuteten Telefonbetrüger zwischen 2022 und 2025 allein in Österreich 53 Millionen Euro.
- Wird man von angeblichen Polizisten oder Anwälten kontaktiert, dann rät Expertin Daniela Summer dazu, zu fragen, auf welcher Dienststelle oder in welcher Kanzlei sie arbeiten und einen Rückruf zu versprechen. So erkennt man schnell, ob es sich wirklich um die vermutete Person handelt.
- Soll man auf verschiedenen Internetportalen die persönlichen Daten preisgeben, ist ein bisschen schwindeln erlaubt: „Wenn es sich nicht um wichtige Behörden-Homepages handelt, kann man einen falschen Namen oder Adresse eingeben. So kann niemand an die echten Daten gelangen“, sagt Summer.
- Besonders wichtig sei es, sich nicht von Anrufern unter Druck setzen zu lassen. Wenn es wirklich wichtig ist, meldet sich der Gesprächspartner ohnehin noch einmal. Besser ist es, aufzulegen und durchzuatmen. Danach kann man im Internet oder per Telefon klären, ob sich eine Situation wirklich so darstellt, wie es einem erzählt wurde.
- Im Zweifelsfall ist es immer ratsam, die Polizei zu kontaktieren. Man soll nicht davor zurückschrecken, den Notruf 133 zu wählen.
Schnelles Geld
Schockanrufe erreichen weiterhin am häufigsten Senioren – eine andere Art von Betrug ist aber seit Jahren auf dem Vormarsch und spricht alle Altersklassen an.
Der sogenannte Anlagebetrug spielt ebenfalls mit den Emotionen der Opfer, aber nicht mit Angst, sondern mit der Hoffnung auf das schnelle Geld und große Gewinne. Zwischen 2021 und 2024 zahlten gutgläubige Menschen über 300 Millionen Euro an angebliche Banken und Geldportale im Internet.
Die Täter täuschen meist vor, aus kleinen Geldbeträgen schnell große Summen machen zu können. Fast immer startet der Anleger mit nur 250 Euro, die dann angeblich schnell vermehrt werden.
Nachzuprüfen ist das auf Apps und Internetseiten, auf denen man verfolgen kann, wie sich die eigene Investition vermehrt – zumindest angeblich. Manchmal wird der vermeintliche Gewinn zwischenzeitlich ausbezahlt. Dann reinvestieren viele und sehen ihr Geld nie wieder. Die vielversprechenden Grafiken, die Kursanstiege zeigen, sind nämlich gefälscht.
„Aber wie erkenne ich, ob eine Internetseite echt ist?“, fragt eine Zuhörerin die BK-Expertin. Diese rät, den Spieß umzudrehen. „Nutzen Sie selbst die Technologie. Fragen Sie ChatGPT, ob die Seiten seriös sind, oder googeln Sie die Anbieter. Wenn Sie sich bei einer Seite nicht sicher sind, dann Finger weg!“
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