Neustart nach Turbulenzen: Schloss Neugebäude hat neuen Betreiber
Das Schloss Neugebäude in Simmering hat eine turbulente Vergangenheit. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelte wegen Untreue gegen den ehemaligen Pächter, auch Geldwäsche stand im Raum. Der Kulturverein Simmering musste schließlich vor etwas mehr einem halben Jahr Insolvenz anmelden.
Die Stadt machte sich daraufhin auf die Suche nach einem neuen Betreiber. Gegen sechs weitere Bieter hat sich in der Endrunde schließlich die Eventmanagement-Firma „Koop Live Marketing GmbH & Co KG“ durchgesetzt. Das Benützungsübereinkommen mit dem neuen Pächter läuft bis 31. Dezember 2031, bestätigte die MA 34 auf Anfrage.
Am Dienstag fand bereits die Schlüsselübergabe statt, berichtet Geschäftsführer Robert Prasch: „Wir wollen in Wien eine coole Veranstaltungslocation aus dem Dornröschenschlaf holen.“ Nachdem in den letzten Jahren einige Locations weggefallen sind, wie die Aula der Wissenschaften oder der Salon Hübner, sei es wichtig, das Schloss Neugebäude zu beleben und als Eventstadt auch konkurrenzfähig zu bleiben, sagt Prasch.
Vielseitiges Programm geplant
Ein Vorteil der Location sei vor allem die Lage. „Man kann mit dem Auto oder mit dem Bus hinfahren, es gibt auch keine direkten Anrainer, wie etwa am Rathausplatz“, erklärt der Geschäftsführer der Eventfirma.
Im Herbst sollen laut dem neuen Pächter wieder erste Veranstaltungen auf dem Schloss Neugebäude stattfinden.
Vermietet werden könne sowohl die Innenräume als auch die beiden Höfe. „Die Freiflächen kann man vielseitig nutzen, etwa für Christkindlmärkte, Ostermärkte, Barbecue-Festivals oder für Kabarett und Theater. Auch als Hochzeitslocation ist der Ort perfekt“, so Prasch.
„Wir sind sehr uneitel“
Man wolle einerseits auf Kulturschaffende zugehen, die bereits im Schloss aufgetreten sind – wie etwa das Junge Theater Wien –, andererseits auch mit neuen Partnern ins Gespräch kommen. „Wir sind da sehr uneitel. Wir wollen das Schloss Neugebäude beleben. Wir schätzen gute Ideen und eine gute Bespielung“, betont der Geschäftsführer von „Koop Live Marketing“.
Das gesamte Areal des Schlosses umfasst etwa 11.000 Quadratmeter. Auch ein Parkplatz befindet sich in der Nähe, der gehört allerdings zum dortigen Friedhof. Man werde aber Gespräche führen, ob man die Parkflächen für größere Veranstaltungen mitbenutzen könne, so Prasch.
Bevor die erste Veranstaltung im Schloss über die Bühne geht, ist noch allerhand zu erledigen. In einigen Räumen befinden sich noch Gegenstände des Vormieters, etwa Garderobenständer, Sessel, Deko oder Paletten. „Das Schloss ist in einem guten Grundzustand, es müssen nur noch ein paar Sachen ausgeräumt und kleinere Reparaturen bei der Heizung durchgeführt werden“, sagt Prasch.
Erste Events im Herbst
Mit den ersten Events rechnet er im Herbst, „mitnehmen“ werde man jedenfalls die Weihnachtssaison. „So richtig durchstarten werden wir dann zu Beginn des nächsten Jahres.“ Es soll sich um einen Neubeginn handeln. Auf die turbulente Geschichte des Schlosses will Prasch nicht zurückblicken: „Wir haben keinerlei Berührungspunkte mit dem Kulturverein Simmering gehabt.“
Der Verein sorgte in den vergangenen vier Jahren immer wieder für Schlagzeilen. So brachten im Juni 2022 FPÖ-Abgeordnete im Nationalrat eine parlamentarische Anfrage an den Finanzminister ein. Darin wurde ausdrücklich nach laufenden oder früheren Ermittlungen der Finanzpolizei gegen den Kulturverein Simmering gefragt. Anlass waren unter anderem Einnahmen aus der Covid-Teststraße im Schloss Neugebäude sowie gleichzeitig beantragte Förderungen.
Im Visier der Staatsanwaltschaft
Im Frühjahr 2025 wurden außerdem Vorwürfe wegen unbezahlter Rechnungen und finanzieller Probleme des Vereins laut. Die Staatsanwaltschaft Wien leitete daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue ein. Diese wurden im Mai 2025 aber wieder eingestellt, sagt Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage des KURIER. Im Herbst vergangenen Jahres ging erneut eine Anzeige ein. „Die wurde überprüft. Es konnte aber kein Anfangsverdacht festgestellt werden, dementsprechend wurden auch keine Ermittlungen eingeleitet“, erklärt Bussek.
Diese Vorwürfe gegen den ehemaligen Pächter will Prasch nicht kommentieren. „Wir wollen uns gar nicht so sehr mit der Vergangenheit beschäftigen. Wir haben unser eigenes Konzept und unsere eigenen Ideen“, betont er. Wie viel die Eventfirma für das Betreiben des Schlosses an Pacht bezahlt, wollte Prasch nicht verraten.
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