Rekordsaison bei Bällen, aber Verärgerung über gesperrte Säle

Mit 240 Millionen Euro Umsatz wurde ein neuer Bestwert erreicht. Wegen Renovierung der Redoutensäle weniger Karten verkauft.
Debütanten eröffnen Ball

Von Franziska Trautmann

Wenn es in Wien „Alles Walzer!“ heißt, schaut längst nicht mehr nur Österreich zu, sondern die halbe Welt. Knapp ein Drittel der diesjährigen Ballbesucher reisten aus dem Ausland an, um Teil der Wiener Ballsaison zu sein. 

Für diese Saison verzeichnet die Wirtschaftskammer Wien (WKW) rund 605.000 Besucher und einen Umsatz von 240 Millionen Euro. „Damit wurden unsere bereits optimistischen Prognosen sogar leicht übertroffen“, sagt Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. 

400 Euro pro Ballbesucher

Ihm zufolge wird eine Wertschöpfung von 400 Euro pro Ballbesucher lukriert: „Das betrifft nicht nur die Ballkarte, sondern  auch andere Gewerbe.“ Denn zu einem klassischen Wiener Ballabend gehört ein Kleid oder ein Anzug, ein Besuch beim Friseur, eine Käsekrainer oder ein Gulasch zur Stärkung und die Taxifahrt nach Hause. 

Gestiegen ist vor allem das Interesse aus dem Ausland. Rund 32 Prozent der Ballgäste reisten aus 30 Nationen an. Am stärksten vertreten waren Deutschland, die Schweiz, die USA und Japan. Grund für den Boom sieht Schmid bei den Influencern: „Immer mehr  besuchen unsere Bälle, weil sie  hipper denn je sind.“ Dadurch erfährt die Balltradition mehr Aufmerksamkeit im Ausland. 

Um die Effekte des steigenden Trends zu untersuchen, startet die WKW gemeinsam mit drei Veranstaltern eine Studie dazu. Laut Schmid ein Projekt für die nächsten Jahre. 

So gern andere Länder Teil der Wiener Ballsaison sind, so ungern sind es Österreichs Bundesländer. Hier verzeichnet man einen Rückgang. Grund dafür soll laut Schmid ein schneller Ausverkauf der begrenzten Tickets sein. Und deren Anzahl soll sich in der nächsten Zeit nicht  ändern. 

Fehlende räumliche Kapazitäten

„Die Limitierung der Bälle hängt von den räumlichen Kapazitäten ab“, sagt Thomas Schäfer-Elmayer, einer der bekanntesten Doyens der Wiener Ballszene. Mit seiner Tanzschule im 1. Bezirk hat er schon unzählige Bälle eröffnet. „Es ist schade, dass viele Säle wie der Kursalon oder das Palais Liechtenstein nicht mehr zur Verfügung stehen.“ 

Eine Möglichkeit sieht er aber noch in den Redoutensälen der Wiener Hofburg. Diese stehen seit 2023 leer, sollen laut dem Verpächter, der Burghauptmannschaft, aber bald renoviert werden, der KURIER berichtete. Die gesperrten Räumlichkeiten sorgten bereits während der Ballsaison bei mehreren Veranstaltern für Ärgernis, auch Schäfer-Elmayer zeigt sich bestürzt: „Mit den Sälen hätten wir beim Elmayer-Kränzchen 1.400 Karten mehr verkaufen können.“ Denn beim 104. Elmayer-Kränzchen vergangenen Dienstag konnten nur 3.000 Karten verkauft werden, 700 gingen alleine an Debütanten. 

Für die WKW ist klar: Mehr verfügbare Säle bedeuten mehr Wertschöpfung, Arbeitsplätze und internationale Aufmerksamkeit.  Sollten zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, könnte die Ballsaison ihren Wachstumskurs fortsetzen. Das Potenzial für weitere Rekordjahre ist vorhanden. 

Kommentare