Ärger über gesperrte Redoutensäle in der Wiener Hofburg
Von Franziska Trautmann und Christoph Schwarz
Die zwei Redoutensäle in der Wiener Hofburg haben schon so einige Feste erlebt: Immerhin wurden sie eigens für die prunkvolle Hochzeit von Ferdinand III. mit der Infantin Maria Anna von Spanien erbaut. Ihr Name wiederum erinnert an die Redouten – also die Maskenbälle, die Kaiserin Maria Theresia hier veranstalten ließ.
Diese Tradition ist nun zu einem unrühmlichen Ende gekommen: Die Redoutensäle stehen den Ball-Veranstaltern in der Wiener Hofburg nicht mehr zur Verfügung – sie sind gesperrt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
"Ballerlebnis leide darunter"
Das sorgt nun für grobe Verärgerung. „Es ist befremdlich, dass die Redoutensäle leer vor sich hinvegetieren“, sagt etwa Christa Kummer, Präsidentin des Vereins Grünes Kreuz und Veranstalterin des Wiener Jägerballs.
Die traditionelle Ballsaison in der Hofburg befindet sich derzeit am Höhepunkt. Zwar fanden im Jänner bereits der allbekannte Steirerball (9.01) und der Ball der Wirtschaftsuniversität Wien (10.1.) statt, damit ist das Tanzen aber noch lange nicht zu Ende. Folgende Bälle finden noch in der Hofburg statt:
- Zuckerbäckerball: Donnerstag, 15. Jänner
- Kaffeesiederball: Freitag, 23. Jänner
- Jägerball: Montag, 26. Jänner
- Ball der Technischen Universität Wien: 29. Jänner
- Ärzteball: Samstag, 31. Jänner
- Ukrainischer Wohltätigkeitsball: Donnerstag, 12. Februar
- Juristenball: Samstag, 14. Februar
- Elmayer Kränzchen: Dienstag, 17. Februar
Er ist einer der traditionsreichsten und beliebtesten Bälle der Stadt – und stets ausverkauft. Dass man die Redoutensäle und auch das Dachfoyer nicht nutzen kann, habe spürbare Auswirkungen auf den Ball, sagt Kummer im KURIER-Gespräch: Weil die Flächen fehlen, musste man das Kartenkontingent um rund 1.000 Stück reduzieren. Auch das „Ballerlebnis“ leide darunter, dass die beliebten Räume verschlossen bleiben.
Ähnliches erzählen die Organisatoren des Kaffeesiederballs, der seit fast 70 Jahren in den Räumlichkeiten der Hofburg stattfindet. Früher habe man die Redoutensäle gerne genutzt, sagt Wolfgang Binder, Chef des traditionsreichen Café Frauenhuber und seit Jahren Teil der Ballleitung, zum KURIER. „Damals konnten wir mehr Karten verkaufen.“
Auch er wünscht sich zum Wohl der Ballgäste eine „zeitnahe Weiternutzung“. Aber weshalb sind die Säle überhaupt geschlossen? Während des Umbaus des Parlamentsgebäudes am Ring dienten sie der Politik als Ausweichquartier. Von 2017 bis Anfang 2023 logierten dort also Abgeordnete statt Ballgästen.
Nach deren Auszug wurden die Redoutensäle schlicht nicht mehr vermietet. „Unverständlich“, sagt Organisatorin Kummer. Nicht zuletzt, weil sich die Republik – vertreten durch die Bundesregierung, der die Hofburg eigentlich gehört – so einiges an Einnahmen entgehen lasse.
Wer ist zuständig?
Der KURIER hat beim „Wiener Kongresszentrum Hofburg“ nachgefragt – jenem Unternehmen, das die Räumlichkeiten vom Bund pachtet und managt. Auch dort ist die Verärgerung groß: Der Grund dafür, dass die Säle seit dem Auszug des Parlaments unzugänglich bleiben, sei die „ausständigen Renovierung des ganzen Traktes“.
Für diese sei man als Pächter aber nicht verantwortlich – sondern eben der Eigentümer, also der Bund. Mehr noch: Ob eine Sanierung überhaupt im Raum stehe, wisse man nicht. Den Ballorganisatoren stimmt man zu: Die Nachfrage nach den Redoutensälen sei – auch aus der Kongressbranche – groß. Der Republik entgehe „im Endeffekt ein relativ großer Umsatz“.
Zuständig für die Umbauten ist die Burghauptmannschaft, die zum Wirtschaftsministerium von Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) gehört. Bei der Burghauptmannschaft bestätigte ein Sprecher dem KURIER den Sanierungsbedarf. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber „noch nicht“.
Obwohl die Säle seit drei Jahren leer stehen, sei man „aufgrund fehlenden Personals“ noch nicht dazu gekommen, die Renovierung einzuleiten. Auch auf die knappen Budgets des Bundes verweist man. Derzeit würden überhaupt erst „Vorbereitungen“ für eine Bestandsaufnahme getroffen, „was genau renoviert werden muss“.
Anlässlich der Hochzeit von Kaiser Ferdinand III. und Infantin Maria Anna von Spanien wurden 1629 bis 1631 durch Hofbaumeister Giovanni Battista Carlone zwei Festsäle gebaut. 1651 gestaltete Burnacini den großen Saal zu einem Theater um. Nach einem Brand am 19. Juli 1699 erfolgte die Wiederherstellung durch Francesco Galli-Bibiena. In diesem Theater fanden bis 1744 Vorstellungen statt. Unter Kaiserin Maria Theresia fanden ab 1747 Maskenbälle (Redouten) statt. Ab 1755 wurden die Säle immer wieder renoviert und umgestaltet.
1973 baute man sie zu einem Kongresszentrum um. In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1992 wurde der Große Redoutensaal durch einen Großbrand völlig, der Kleine Redoutensaal teilweise zerstört. Ein dreiviertel Jahr später begann die Wiederherstellung. Der Kleine Redoutensaal konnte originalgetreu wiederhergestellt werden. Da Decke und Wandverkleidungen des Großen Redoutensaal total zerstört waren, entschloss man sich zu einer Neugestaltung. Die Decken- und Wandgemälde wurden von Josef Mikl ausgeführt.
Während dem Umbau des Parlamentsgebäudes wurde beschlossen den Betrieb in die Redoutensäle zu verlegen. . Am 20. September 2017 fand die erste Sitzung des Nationalrats im Großen Redoutensaal statt. Die Rückübersiedlung startete 2022 und der Parlamentsbetrieb im Gebäude an der Ringstraße konnte Anfang 2023 wieder aufgenommen werden. Seitdem stehen die Redoutensäle leer.
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