Chronik | Wien
30.09.2018

Tierisch genervt: Rave machte Anrainer und Giraffen nervös

Eine Party vor dem Schloss Schönbrunn erzürnte nicht nur die Nachbarn. Auch die Tiere im Zoo waren sichtlich mitgenommen.

„In #Hietzing ist offenbar gerade die beste Party der Stadt im Gange. Wir lieben auch Partys und deshalb schaut Ludwig 2 vorbei“, twitterte die Wiener Polizei am Samstag. Es blieb an dem Tag nicht der letzte Anruf eines Anrainers wegen der dröhnenenden Musik aus dem Auer-Welsbach-Park. Gegenüber vom Schloss Schönbrunn war von der „PeaceParty Österreich“ unter dem Motto „Rave for Democrazy“ eine Demonstration veranstaltet worden. Rund 600 Besucher tanzten bis in den Abend.

Dutzende Ohrenzeugen schlugen wegen dem unüberhörbaren Sound Alarm. Der Sound mit bis zu 200 Beats per Minute (Schläge pro Minute, Anm.) war kilometerweit über mehrere Bezirke zu hören, sogar durch geschlossene Fenster. „Teilweise bis in den 19. Bezirk“, meint Organisator Marcus Grimas. Mit ihrem Protest setzen sich die Veranstalter für die Nutzung von Leerständen, freien Raum und freie Kunst ein. Die „PeaceParty Österreich“ war bereits vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil eine geplante Demonstration auf der Reichsbrücke und Donauinsel untersagt wurde.

Dass die Musik durch halb Wien zu hören war und die Resonanz so groß ist, damit hatte Grimas nicht gerechnet. „Es ist uns auch ein Rätsel. Wir haben die vier Anlagen in Richtung Schloss Schönbrunn gedreht, weil der nächste Anrainer erst 300 Meter Luftlinie entfernt ist“, sagt der Organisator.

Tiergarten nicht erfreut

Die Veranstaltung wurden von der Polizei genehmigt. Lärmpegelmessungen soll es von Seiten der Exekutive keine gegeben haben. „Diesmal gab es mehr Vorschriften. Die Polizei war ständig vor Ort. Bei der Besprechung hat man uns aber gesagt, dass keine Lärmpegelmessungen durchgeführt werden, weil kein Gerät am Wochenende verfügbar ist“, sagt Grimas. Insgesamt 80.000 Watt habe die gesamte Anlage gehabt. „So viel wie bei einem Event am Rathausplatz“, schildert der Organisator.

Nicht nur die Wiener mussten unfreiwillig mit„raven“, auch so manche Tiere litten unter dem Bass. „Einige Tiere im Tiergarten Schönbrunn waren nervös, zum Beispiel die Giraffen“, sagt Sprecherin Johanna Bukovsky. Die afrikanischen Steppentiere gelten dort als sensibelste Tiere.Weitere Bewohner, wie die Gazellen, zeigten sich ebenfalls nervös. Laut Tiergarten sei „das Problem nicht in erster Linie die Lautstärke“ sondern die „Art der Geräusche“. Vor allem die Bass-Töne hatten die Zoo-Bewohner sichtlich irritiert. Deshalb wollten sich die Pfleger bei den zuständigen Stellen Gehör verschaffen und hofften auf ein Aus der Veranstaltung. „Unsere Diensthabende hat sich bei Polizei, beim Notruf und im Rathaus durchtelefoniert, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist“, schildert Bukovsky. Doch die Demonstration wurde genehmigt.

Auch in der Orangerie im Schloss Schönbrunn nahm man die elektronische Musik unfreiwillig wahr. „Bis in die Konzertsäle war es aber nicht zu hören“, schildert eine Sprecherin.

Um 22 Uhr wurde der Rave-Party, wie vorher besprochen, der Stecker gezogen. Das Echo blieb am Tag danach trotzdem noch groß.