Chronik | Wien
12.10.2018

Radfahrer in Wien abgestraft: 1823 Anzeigen und Strafzettel

Wiener Polizei kontrolliert Radfahrer seit Juni verstärkt, sieht sich in Bilanz bestätigt.

Eine neuerliche Radler-Schwerpunktaktion Donnerstagfrüh sorgt aktuell auf diversen Social Media-Kanälen für Aufregung. Weil die Angehaltenen um 8 Uhr früh Alkovortests machen mussten, ließen viele User ihrem Unmut freien Lauf.

Laut Wiener Polizei sind Alkoholkontrollen bei Radfahrern um diese Uhrzeit ein normaler Vorgang. „Die Polizei hat im Rahmen der Verkehrsüberwachung Alkoholkontrollen durchzuführen. Das betrifft alle Fahrzeuglenker, auch Radfahrer. Die Vornahme eines Alko-Tests kann und wird zu jeder Zeit und verdachtslos von Personen, die ein Fahrzeug lenken, verlangt werden“, sagt Polizeisprecher Paul Eidenberger.

Seit Juni geht die Exekutive in Wien gezielt gegen Sünder auf dem Radstreifen vor. Zwei Mal pro Monat werden die „Planquadrate“ im Radverkehr von der Landesverkehrsabteilung und der Fahrradpolizei durchgeführt. Im September gab es aufgrund des EU-Ratsvorsitzes keine. Auch jeweilige Inspektionen sind wegen Kontrollen unterwegs, wie auch am Donnerstag.

Die Polizeiinspektion am Laurenzerberg hatte sich von 8 bis 9 Uhr beim Dr.-Karl-Lueger-Platz positioniert und die Radfahrer angehalten. Ausgangspunkt soll es eine Vielzahl an Bürgerbeschwerden gewesen sein. In 60 Minuten wurden insgesamt 17 Alkovortests durchgeführt.

„Allein die Zahl der Verwaltungsübertretungen, die bei jedem diesen Schwerpunkten anfallen, zeigt die Notwendigkeit strikteren Einschreitens im Radfahrverkehr“, sagt der Polizeisprecher. Bei den bisher sieben durchgeführten Schwerpunktaktionen wurden 1823 Anzeigen erstattet und Organstrafverfügungen ausgestellt. Davon 834 Mal wegen Ignorieren des Rotlichts, 101 wegen Telefonierens und 309 wegen der Ausstattung des Fahrrades. Hinzu kommt, dass es mindestens genau soviele Abmahnungen gegeben hat.

Gruppe warnt sich

Auf Facebook hat sich bereits eine Gruppe von Wiener Radfahrern formiert, die sich gegenseitig vor solchen Schwerpunktaktionen warnt. Mittlerweile sind mehr als 2100 Mitglieder beigetreten. „Der Anlass war, dass ich einerseits ein Informationssystem schaffen wollte, um einen Überblick über die Menge und die Orte der gezielten Kontrollen von Radfahrern zu haben. Andererseits sollten Radfahrer die Möglichkeit erhalten, Stellen zu umfahren, bei denen in weiterer Folge ihre gesamte radtechnische Ausstattung kontrolliert wird und bei Fehlen beispielsweise eines Reflektors am Pedal direkt gestraft wird“,schildert der Gründer.

Kritik für die Strafbemessung kommt von der Radlobby. „Beim Überschreiten des jeweiligen Limits wird nicht nach Fahrzeugtyp, Kfz oder Rad, unterscheiden. Anders als etwa Deutschland kennt die österreichische StVO keinen Strafenkatalog, der nach Fahrzeug-Typ unterscheidet“, sagt Sprecher Roland Romano.