Es wird einfach nicht Grün: Ampel in Wien nervt Radfahrer und Autolenker
Der neue Zweirichtungsradweg auf der Alserbachstraße im 9. Bezirk entpuppt sich als Kriechspur: Der KURIER-Testbericht von Anfang April wurde in Foren heftig diskutiert, denn die Fahrzeit hat sich entgegen der bisherigen Verbindung fast verdoppelt – rund sechs statt drei Minuten sind es nun pro Richtung. Schuld ist eine für Radler äußerst ungünstige Ampelschaltung, die laut Rathaus jetzt evaluiert werden soll.
Doch es existiert dort ein zweites Ampelproblem: Denn bei der Fahrradstraße Boltzmanngasse – die tangentiale Verbindung zur Währinger Straße – gibt es ein offenkundig fehlerhaftes Lichtsignal: An der Einmündung in die Alserbachstraße wird es nämlich schlichtweg „nicht“ Grün.
Die anschwellende Ungeduld der Verkehrsteilnehmer lässt sich in konkrete Zahlen gießen: Beim KURIER-Lokalaugenschein werden drei Ampelphasen à 100 Sekunden mit durchgehend Rotlicht gestoppt – macht in Summe fünf (!) Minuten Stehzeit (während der Querverkehr unterdessen durchrauscht). Zwei Radler geben entnervt auf und rollen bei Rot weiter. Gute Idee ist das keine – das kann mindestens 70 Euro kosten.
Die Ursache für diese Misere liegt freilich tiefer – und zwar buchstäblich. Denn mit dem Umbau des Alserbach-Radwegs wurde auch dieses Lichtsignal „modernisiert“: Im Boden verbaute Sensoren sollen anrollende Fahrzeuge erkennen – um dann nur bei konkretem Bedarf die Ampel auf Grün zu stellen. Der Vorteil laut MA 33 (Wien leuchtet): „Die restlichen Verkehrsströme können ungehindert fließen.“
Schließlich ist die Boltzmanngasse eine Sackgasse (US-Botschaft), und nicht immer kommt ein Pkw an die Kreuzung. Die zahlreichen Radler haben damit aber ein Problem: Denn die in der Haltelinie verbauten Sensoren erkennen sie offenbar schlecht oder gar nicht – weshalb deren Chancen auf rasches Grün massiv sinken.
Bereits im Dezember ließ die MA 33 die Anlage checken. Ergebnis: „Die Überprüfung hat gezeigt, dass sie ordnungsgemäß funktioniert.“
Kuriose Begegnung
Wäre dies wirklich der Fall, hätte es folgende Begegnung in der Vorwoche aber nicht gegeben: Zwei Radler befinden sich in der Pole Position, dahinter drei Autos mit laufendem Motor. Die Zeit verrinnt, die Ungeduld steigt. Eine Anrainerin im Pkw kurbelt das Fenster runter und sagt: „Lassen Sie mich bitte auf die Haltelinie vorfahren, nur so wird es Grün.“ Genauso geschieht es dann auch: Womit Radler und Autofahrer im Kampf (gegen die Technik) auch vereint sein können.
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