Christoph Fasching optimierte das "Hauptbewusstsein" des Mammut-Projekts. 

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Esoterik-Skandal
12/20/2018

"Quelle der Liebe": Das steht im Protokoll des KH Nord-Energetikers

Die "Leistungsbeschreibung" des Energetikers, der den Schutzring errichtete, strotzt vor Skurrilitäten.

von Stefanie Rachbauer, Josef Gebhard

Bekommt der Krankenanstaltenverbund ( KAV) die 95.000 Euro für eine „energetische Reinigung“ des Krankenhauses Nord zurück? Die jüngsten Aussagen des selbst ernannten Bewusstseinsforschers Christoph Fasching in der U-Kommission legen nahe, dass es zumindest schwieriger werden könnte.

Er erklärte dem Gremium am Dienstag, seine Leistung klar dokumentiert zu haben – und widersprach damit dem KAV. „Herr F. hat für den Auftrag weder eine Leistungsbeschreibung noch eine entsprechende Dokumentation der Leistungen vorgelegt“, hatte der KAV bisher betont. Damit sei die Rückforderung des Honorars rechtlich fundiert.

Fasching erklärte hingegen, ein 15-seitiges Angebot mit „klar definierter Leistung“ vorgelegt, sowie nach Abschluss der Arbeit auch ein Protokoll von 36 Seiten übermittelt zu haben.

Dem KURIER liegt ein Teil der Beschreibung vor, die mit 20. Dezember 2017 datiert ist. „Wir haben damit eine Oase geschaffen, die in einem schwer belasteten Umfeld die Ausnahme darstellt“, schildern darin Fasching und seine Kollegin ihr Wirken auf der krisengeschüttelten Baustelle. „Und diese Oase ist von Bestand. Dafür sorgt das besondere Bewusstsein, das wir hier verankern durften.“

Bereits zuvor gibt der Energetiker andere Einblicke in seine Sicht der Dinge: „Alles unterliegt einem ständigen Verfall. [...] Die fest im Gebäude verankerte Quelle der Liebe versorgt das Gebäude ständig mit frischer Energie, welche diesen Verfall deutlich verlangsamt.“

Der KAV beharrt auf seinem Standpunkt: „Herr F. hat keine nachvollziehbare Dokumentation der Leistungen vorgelegt“, sagt eine Sprecherin auf KURIER-Anfrage. Der KAV habe die Auftragssumme bereits schriftlich zurückgefordert. Fasching habe das Schreiben unbeantwortet gelassen. Jetzt sollen rechtliche Schritte folgen.

Dass das 36-seitige Protokoll, das Fasching vor der U-Kommission ins Treffen führte, überhaupt existiert, wolle man zudem „vorerst nicht bestätigen“. Nachsatz: „Ob ein paar Seiten über Liebe und Wohlfühlen im Gebäude rechtlich als Leistungsbeschreibung gelten, darf bezweifelt werden.“

Die jüngste Sitzung der Kommission förderte ein weiteres Detail zutage. Bisher war bekannt, dass der Energetik-Auftrag von drei Personen unterschrieben wurde. Nämlich von Silvia Schwarz, ehemals ärztliche Leiterin des KH Nord, KAV-Programmleiterin Susanne Lettner und ihrem Stellvertreter Wolfgang Strenn. Die Befragung der Zeugen ergab, dass noch eine vierte Person den Auftrag unterfertigte.

Laut Fasching handelte es sich dabei um Wilfried Gröblinger. Er ist seit März Technischer Direktor im neuen Spital, ab 2014 war er Mitglied des Projektteams. Der KAV wollte seine Beteiligung am Mittwoch nicht kommentieren. Nur so viel: Man habe „personell alle nötigen Konsequenzen gezogen“.

Die Opposition ist empört: „Es ist unglaublich, wofür der KAV und das rot-grüne Wien unser Steuergeld verschwendet“, sagt Wolfgang Seidl ( FPÖ). „Mit diesen Vorfällen müssen sich jetzt die Gerichte beschäftigen“, sagt Ingrid Korosec (ÖVP). Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits.

 

Mitarbeit: Christoph Schwarz