Vier falsche Polizisten zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Polizisten stehen beim 42. Donauinselfest mit dem Rücken zur Kamera.
Einer Pensionistin knöpften die Bande 1,2 Millionen Euro ab. Die Angeklagten sind geständig.

Vier falschen Polizisten sind am Freitag im Wiener Straflandesgericht zu teilweise mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Männer im Alter von 22 bis 36 Jahren sollen Ende 2023 bis Anfang 2024 in zehn Fällen Pensionistinnen Geld und Wertsachen abgeknöpft haben.

Bei einer Frau erbeuteten sie insgesamt 1,2 Millionen Euro. Bei einer Übergabe überreichte sie den Männern 589.000 Euro in bar.

Der Erstangeklagte, der die anderen angeworben hatte, muss drei Jahre und neun Monate in Haft. Zwei seiner Helfer erhielten drei Jahre bzw. ebenfalls drei Jahre und neun Monate.

Der vierte Angeklagte bekam die einzige teilbedingte Haftstrafe, da er nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe. Er muss von 16 Monaten nur einen in Haft verbringen. Alle Urteile sind nicht rechtskräftig. 

Richter: Straftaten eine "Schweinerei"

Eigentlich war der Prozess auf zwei Tage anberaumt. Da sich die Beschuldigten jedoch vollinhaltlich geständig zeigten, wurde auf die Aussagen der Zeugen verzichtet und das Urteil erfolgt schon am frühen Freitagnachmittag.

Richter Hautz bezeichnete die Straftaten in seiner Urteilsbegründung als „Schweinerei“, auch wenn die Männer in der Hierarchie eine untergeordnete Rolle eingenommen hatten. „Es ist schon was anderes, wenn man vor Ort ist und diese alten Menschen ausnimmt. Da braucht man als Abholer schon eine gewisse Härte.“

Übrigens wurden die falschen Ausweise der Männer konfisziert, um sie für Schulungszwecke bei der Polizei zu verwenden.

Meist betagte Menschen als Opfer

Meist werden bei der Betrugsmasche ältere Menschen - in diesem Fall waren es Frauen, die allesamt über 80 Jahre alt waren - um ihr Vermögen geprellt. Die Pensionistinnen wurden per Telefon kontaktiert, indem sich der Anrufer als Polizist ausgab.

In dem Telefonat wurde ihnen gesagt, dass ihr Geld und ihre Wertsachen in Gefahr seien. Deshalb würde nun ein Kollege von ihm kommen, um das Vermögen kurzfristig in Sicherheit zu bringen. Sobald die Frauen die Wertsachen übergeben haben, sahen sie von dem Geld nie wieder was.

Die Angeklagten agierten als Fahrer und als Abholer, hatten also direkten Kontakt zu den Opfern. Sie würden allerdings die unterste Schicht der Organisation einnehmen, meinten ihre Anwälte Philipp Winkler, Manfred Arbacher-Stöger, Rudolf Mayer und Heinrich Sebastian Lang.

Schaden von 22 Millionen Euro in ganz Österreich

Die Hintermänner der Gruppierung säßen in der Türkei. Der Oberstaatsanwalt von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft benannte die Taten als "böse und verwerflich".

"Als kleines Rädchen würde ich sie nicht bezeichnen." In Österreich hätte diese Tätergruppierung bereits einen Schaden von 22 Millionen Euro verursacht, so der Ankläger.

Ein Opfer fünf Mal betrogen

Die vier Männer machten nämlich enorme Beute. Ein Opfer hatte etwa einen Schaden von insgesamt 1,2 Millionen Euro. Fünf Mal kamen die nun Angeklagten zu ihr. Bei einer Abholung übergab die Frau mehr als eine halbe Million Euro.

Sie schloss sich wie viele andere Opfer dem Verfahren als Privatbeteiligte an. Ob sie ihr Vermögen jemals wiedersehen, ist fraglich. Denn die Angeklagten hatten sich von der Bande aus der Türkei aus Geldnot anwerben lassen.

Die Männer kassierten pro Abholung 1.000 bis 3.000 Euro. "Ich hab' von einer Freundin davon gehört", sagte der 34-jährige Hauptbeschuldigte. "Sie hat gesagt, dass es da Arbeit gibt", meinte der seit einiger Zeit Arbeitslose.

Insgesamt hätte er 25.000 bis 30.000 Euro verdient. Wo diese Freundin nun sei, fragte der Vorsitzende des Schöffengerichts, Andreas Hautz. "Ich habe gehört, dass die abgehauen ist."

In die Türkei für falsche Ausweise

Der 34-Jährige warb dann noch ein Brüderpaar an (22 und 29 Jahre alt), mit denen er die Touren machte. Danach wurde die Beute aufgeteilt und ein Teil von dem 34-Jährigen in die Türkei geschickt.

Hinzu kam noch ein 36-Jähriger, der bei zwei Taten als Fahrer dabei war. Der 29-Jährige reiste sogar in die Türkei, um dort die falschen Polizistenausweise zu besorgen. "Den Anführer hab' ich aber nicht gesehen."

Der jüngste Angeklagte ist zudem wegen räuberischen Diebstahls angeklagt. Bei der ersten Abholung war er so nervös, dass er das Sackerl mit Goldmünzen und Dukaten der Pensionistin entriss. Die Frau gab an, dass sie von dem damals 20-Jährigen auch geschubst wurde.

Als die Pensionistin dann von dem anderen Täter am Telefon kontaktiert wurde, ob die Übergabe geklappt habe und sie erzählte, dass das Sackerl bei dem Entreißen zerrissen wurde, fragte der Kriminelle sogar noch dreist, wie viel denn verloren gegangen sei.

"Wurden bedroht, wenn wir aufhören wollten"

"Er war voll in Eile und hat geschwitzt", erzählte sein Bruder, der damals im Auto gewartet hatte. "Er hat gesagt, dass es nicht so verlaufen ist, wie es geplant war."

Auf die Frage des Richters, warum sie dennoch weitergemacht haben, meinte der Erstangeklagte: "Wir wurden bedroht, wenn wir aufhören wollten. Sie haben gesagt, dann bekommen wir Probleme mit unseren Familien."

Im März 2024 wurden sie über Handypeilung ausgeforscht und festgenommen. Die Beschuldigten saßen geraume Zeit in Untersuchungshaft. Am Freitag kamen alle vier auf freiem Fuß ins Gericht.

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