Protest gegen Schließung der Bücherei Bernoullistraße
Am Freitag vergangener Woche war der letzte Tag, an dem die Bücherei am Schrödingerplatz geöffnet hatte. Das Gebäude, in dem die Bibliothek untergebracht ist, wird wegen einer Neubebauung abgerissen. Ersatzstandort gibt es keinen.
Dagegen regt sich nun Widerstand. Binnen weniger Tage hatte eine Petition, die sich für den Erhalt der Bücherei einsetzt, bereits mehr als 550 Unterschriften.
„Die Schließung der Bücherei stößt bei vielen Nutzerinnen und Nutzern auf großes Unverständnis“, heißt es in dem Petitionsschreiben, das von der Donaustädterin Daniela Ressi aufgesetzt wurde. Für die kommenden Jahre soll es keine Übergangslösung geben, auch die Errichtung einer neuen Bücherei sei nicht gänzlich fix, heißt es in dem Schreiben weiter.
"Wie kann man das zulassen?"
Diese Entscheidung stößt vielen ehemaligen Besucherinnen und Besuchern sauer auf. „Ich bin jahrelanger, zufriedener Kunde der Bücherei am Schrödingerplatz in der Bernoullistraße. Wie kann man es zulassen, dass die sehr beliebte Bücherei in Kagran ersatzlos gestrichen wird?“, sagt Richard Sterl, Donaustädter und KURIER-Leser, im Gespräch und richtet seine Kritik auch an die Politik.
Für die Zeit des Neubaus verwies die Stadt nämlich auf die nächstgelegenen Bücherei-Standorte in Kaisermühlen und in der Großfeldsiedlung. Gerechtfertigt wurde die Schließung der Bücherei auch mit der Eröffnung einer neuen, städtischen Bücherei in der Seestadt.
„Das ist eine Weltreise“
„Ich werde ganz sicher nicht in die Seestadt fahren, von Kagran ist das eine Weltreise“, sagt Sterl. Damit ist der Donaustädter nicht allein. Besonders die gute Erreichbarkeit des Standorts am Schrödingerplatz hätten viele geschätzt, so der Tenor des Petitionsschreibens. „Die Verweisung auf weiter entfernte Standorte stellt für viele Familien, Kinder und ältere Menschen aus der Umgebung keine gleichwertige Alternative dar“, heißt es in dem Schreiben.
Die Schließung sorgte auch für politische Reaktionen. „Wenn ein Standort geschlossen wird, ohne dass gleichzeitig ein Ersatzstandort zur Verfügung steht, bedeutet das für die Bevölkerung einen konkreten Verlust an öffentlicher Infrastruktur“, betonte die ÖVP-Donaustadt. Auch die Grünen argumentierten, dass für Eltern mit Kindern oder Senioren eine einfache Erreichbarkeit wichtig sei.
Die Bücherei befindet sich im Amtsgebäude der Stadt Wien im 22. Bezirk.
Bücherei soll auch im neuen Gebäude untergebracht sein
Aus dem Büro von Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) hieß es auf Anfrage, man bedauere, dass es während der Entwicklung des Areals keine Ersatz-Bücherei geben werde. „Soweit wir seitens der Stadt Wien bzw. des zuständigen Stadtratbüros informiert sind, wurden hier alle Möglichkeiten mit leider negativen Ergebnis geprüft“, erklärte eine Sprecherin. Laut Informationen der MA 13 soll aber „auch im neuen Gebäude wieder die Bücherei sein, natürlich moderner und sogar noch größer“.
Petitionsinitiatorin Daniela Ressi wünscht sich in der Causa eine fixe Zusicherung der Stadt sowie eine wohnortnahe Übergangslösung – etwa in Form eines temporären Containers vor Ort.
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