Kein Ersatz: Bücherei am Schrödingerplatz ist bald Geschichte
Mit einer Mail verabschiedete sich die Bücherei Donaustadt vor wenigen Tagen von ihren Besucherinnen und Besuchern. Mit 26. Mai wird der Standort am Schrödingerplatz geschlossen.
Hintergrund ist eine Neubebauung des Grundstücks.
Die Bücherei in der Bernoullistraße wird ab 26. Mai geschlossen, das Gebäude wird wegen Neubebauung abgerissen.
„Die Vorarbeiten für den Abriss des Amtsgebäudes in der Bernoullistraße in der Donaustadt laufen auf Hochtouren. Davon ist auch die im Gebäude untergebrachte Bücherei Bernoullistraße betroffen“, heißt es vonseiten der Bücherei.
Bis einschließlich Freitag, 22. Mai, wird sie regulär zu ihren gewohnten Öffnungszeiten zur Verfügung stehen, Bücher und Magazine können wie üblich ausgeborgt und zurückgegeben werden. „Danach sind Rückgaben nur mehr in anderen Büchereien in der Stadt möglich“, heißt es weiter in der Mail. Einen Ersatzstandort für die Bücherei werde es nicht geben, sagte ein Mitarbeiter gegenüber dem KURIER.
Politische Reaktionen
Die bevorstehende Schließung sorgt auch für politische Reaktionen. „Wenn ein bestehender Standort geschlossen wird, ohne dass gleichzeitig ein Ersatzstandort zur Verfügung steht, bedeutet das für die Bevölkerung einen konkreten Verlust an öffentlicher Infrastruktur und kulturellem Angebot“, heißt es von der ÖVP Donaustadt. Die Bücherei sei an einem gut erreichbaren Standort und umgeben von Kindergärten, Schulen und Gemeindebauten. „Diesen Standort zu schließen, grenzt an bildungspolitischen Wahnsinn“, sagte dazu Gemeinderätin Caroline Hungerländer.
Bücherei in der Seestadt
Auch die Grünen argumentierten, dass für Eltern mit Kindern oder Senioren eine einfache Erreichbarkeit wichtig sei. Die Schließung der Bücherei wurde auch mit der Eröffnung der neuen großen städtischen Bücherei in der Seestadt gerechtfertigt.
„Es hieß auch, diese neue Bücherei wäre nach der Verlängerung des 25er leicht erreichbar. Doch obwohl es seit zehn Jahren versprochen wird, soll die Linie 25 erst nach Fertigstellung der S1 Spange ausgebaut werden“, sagte die Grüne Klubobmann-Stellvertreterin Andrea Pelzmann.
Kritik von den Bewohnern
Auch bei den Donaustädterinnen und -städtern selbst kommt die Schließung der Bücherei nicht gut an. „Wir nutzen die Bücherei seit vielen Jahren. Schon im Kindergarten waren Ausflüge dorthin ein Highlight für die Kinder! Sie lieben die Selbstständigkeit beim Ausborgen und Zurückbringen und lernen auch auf Gegenstände aufpassen“, sagte etwa ein Büchereibesucher.
Viele Donaustädterinnen und -städter verbinden selbst auch Kindheitserinnerungen mit der Bücherei am Schrödingerplatz. „Ich bin selbst als Kind schon in die Bücherei in der Bernoullistraße gegangen und auch gerne mit meinen Kindern hier hergekommen. Eine gut erreichbare Bücherei gehört für mich zu einer lebenswerten Stadt dazu“, klagte eine weitere Besucherin über die bevorstehende Schließung.
In dem geplanten Neubau sollen künftig mehrere Wohnungen für alleinerziehende Mütter, ein Pensionistenklub, ein Jugendzentrum und eine WG für Senioren eingerichtet werden.
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