Prater-Sperre: Wirtschaftskammer fordert Ausnahmen für Durchfahrt

Die Stadt will den Individualverkehr aus dem Prater verbannen, die WK Wien warnt vor Umwegen, Mehrkosten und erhöhter Umweltbelastung.
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Rund 1,1 Kilometer Straße sorgen derzeit in Wien für Diskussionen. Es geht um eine der längeren geraden Achsen der Stadt – Stadionallee und Meiereistraße – deren Durchfahrt ab Herbst 2026 für den Individualverkehr gesperrt werden soll. Hier sollen künftig nur noch Einsatzfahrzeuge und öffentliche Verkehrsmittel fahren dürfen, wie der ebenfalls ab Herbst dieses Jahres verlängerte 18er. In einer Aussendung vom Freitag hat sich die Wirtschaftskammer Wien mit Kritik an den Plänen der Stadt zu Wort gemeldet.

Grafik zur geplanten Durchfahrtssperre im Wiener Prater.

Taxi- und Lieferverkehr

Zum einen werde durch die geplante Verkehrssperre eine wichtige Nord-Süd-Verbindung der Stadt unterbrochen. Das wiederum würde durch die Umfahrungswege zu längeren Staus auf ohnehin bereits stark frequentierten Routen wie der Südosttangente, Schüttelstraße oder Franzensbrücke führen – und damit zu einem deutlich erhöhten CO2-Ausstoß.

Daher fordert die WK Wien, den gewerblichen Lieferverkehr mit Lkw bis 3,5 Tonnen sowie Taxis von dem Fahrverbot auszunehmen. Das sei leicht zu überprüfen, meint Gurdial Singh Bajwa, Obmann der Kleintransporteure. Schließlich verfügen Wiener Taxis und Kleintransporteure über die Kennzeichenendungen TX beziehungsweise KT. „Die Stadt plant ohnehin eine kamerabasierte Überwachung der Einfahrten in die verkehrsberuhigte Innere Stadt. Diese könnte man nun in der Stadionallee und Meiereistraße testen.“ Resul Ekrem Gönültaş, Obmann der Wiener Taxi-Innung, ortet wegen künftig erforderlicher Umwegfahrten eine „versteckte Verteuerung des Alltagslebens der Wienerinnen und Wiener“. Durch die bei den Fahrpreisen und Lieferkosten zu erwartenden Mehrkosten werde laut WK Wien eine Inflationsbeschleunigung in Kauf genommen.

Fahrverbot "nichts Neues"

Bei der MA46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten) sieht man das auf KURIER-Nachfrage anders. Zum einen sei ein Fahrverbot im Kernbereich der Stadionallee – konkret zwischen Lusthausstraße und Stadionbad – nichts Neues. Dieses besteht schon jetzt an den Wochenenden. Die Zufahrt zu Siedlungen, Kleingärten und Sportanlagen bleibt dadurch auch künftig gewährleistet. Diese geringen Verkehrsmengen seien tolerierbar, betont man.

Würde man jedoch für Fahrzeuge mit der Kennzeichenendung TX oder KT eine Ausnahme machen, würde man damit potenziell rund 30.000 Kfz die Durchfahrt ermöglichen. Die Kontrolle, ob jemand tatsächlich auf die Nutzung der Verkehrsachse angewiesen ist, oder sich lediglich die Umfahrung sparen möchte, sei praktisch nicht möglich. „Ausnahmeregelungen ziehen zudem erfahrungsgemäß immer wieder illegale Nutzungen nach sich (,bin einfach einem Taxi nachgefahren’)“, heißt es in der Antwort der MA46.

„Achse der Erholung“

Zudem wird bei der Magistratsabteilung die Frage in den Raum gestellt: „Warum ausgerechnet Taxis und Kleintransporteure, nicht aber der Installateur oder der Pflegedienst?“ Jeder habe aus seiner Sicht wohl gute Gründe für eine Ausnahmeregelung vorzubringen. Im Sinne der Allgemeinheit würden jedoch die Argumente, den Autoverkehr aus dem Prater zu verlagern, überwiegen. Denn gerade diese „Achse der Erholung“ wird von vielen Menschen zum Spazieren, Laufen und Radfahren genutzt.

Die Durchfahrtssperre sei außerdem durch die laufenden Bauarbeiten bereits seit Juni 2025 praktisch gelebte Realität – und es seien in der Zeit keine großen Probleme gemeldet worden.

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