© APA/dpa/Stephan Jansen

Chronik Wien
02/25/2022

Posse um Parkpickerl für die Wiener Hausärzte

Kammer sammelte 5.000 Unterschriften für eine Ausnahme-Regel für Ärzte, die Hausbesuche machen. Kurios: Eine solche gibt es bereits

von Josef Gebhard

Dass die flächendeckende Ausweitung des Parkpickerls nicht ohne Proteste und schrille Töne über die Bühne gehen wird, war wohl jedem Kenner der Wiener Verhältnisse klar. Eine aktuelle Kampagne der Wiener Ärztekammer, wo demnächst Wahlen anstehen, sticht aber doch deutlich aus den erwartbaren Unmutsäußerungen hervor. Und zwar, was ihre Kuriosität betrifft.

Dabei erscheint das Anliegen der Kammer auf den ersten Blick ganz plausibel. Sie wünscht sich eine Ausnahme-Regelung für niedergelassene Ärzte, die Hausbesuche bei ihren Patienten machen. „Wir fahren nach unseren Ordinationszeiten mit dem Privat-Pkw zu den Visiten bei jenen Patienten, die krankheitsbedingt nicht die Ordination aufsuchen können“, schildert Naghme Kamaleyan-Schmied, Obfrau der Sektion Allgemeinmedizin in der Kammer. „Sofern die Kollegen aber nicht im Bezirk ihrer Ordination auch wohnen, müssen sie zunächst den Pkw von zu Hause abholen, weil sie mit diesem nicht vor ihrer Praxis parken dürfen. Da vergeht wertvolle Zeit, die uns letztendlich für die Patienten fehlt.“

Die Ärztevertreterin fordert daher, dass ihre Kollegen auch für den Ordi-Standort ein Pickerl beantragen dürfen.

Um diesem Begehr Nachdruck zu verleihen, wurden zuletzt in Wiens Ordinationen rund 5.000 Unterschriften von Patienten gesammelt.

Zugespitzt

Wenige davon dürften geahnt haben, dass die Petition der Ärztekammer – um es vorsichtig zu formulieren – ein wenig zugespitzt ist. Denn bei der zuständigen MA 46 (Verkehrsorganisation) betont man auf KURIER-Anfrage, dass es „schon seit vielen Jahren“ eine entsprechende Ausnahme-Regelung gebe. „Ärzte, die regelmäßig Hausbesuche machen, erhalten einen Parkchip für den Bezirk der Ordination – für die Ordinationszeiten plus je eine Stunde Vor- und Nachbearbeitungszeit. Mit diesem Chip darf das Fahrzeug zeitlich uneingeschränkt abgestellt werden. Die Parkometerabgabe muss eigens entrichtet werden“, sagt eine Sprecherin.

Nur Kritik an Dauer

Der KURIER hat die Ärztekammer mit dieser Auskunft konfrontiert. Dort heißt es nun plötzlich, es gehe bei der Forderung lediglich um den viel zu kurzen Gültigkeitszeitraum der Ausnahme-Regelung. „Dass er nur eine Stunde länger ist als die Ordinationszeit, reicht nicht aus. Vielfach sind die Ärzte noch weitaus länger in ihrer Ordination beschäftigt, ehe sie zur Visite fahren können“, sagt ein Sprecher.

„Wir wollen ja kein Gratis-Pickerl, aber diese Lösung ist einfach nicht praktikabel“, sagt Urologe Mike Harik, der im 19. Bezirk wohnt und im 22. Bezirk ordiniert. So sei man gezwungen, während der Stehzeit immer wieder Parkscheine auszufüllen. „Es sollten für uns die gleichen Regeln gelten wie für Betriebe“, sagt der Arzt.

Offen bleibt, warum sich die Kampagne der Ärztekammer nicht auf diese Kernprobleme konzentriert. Fix ist hingegen laut MA 46 ungeachtet aller Unterschriften: „Weiterführende Ausnahmen sind nicht geplant.“

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