Chronik | Wien 25.02.2015

Polizist verhinderte Blutbad

In dieser ruhigen Siedlung kam es zu dem Schusswechsel. © Bild: KURIER/Jürg Christandl

Der Doppelmörder ist außer Lebensgefahr und am Mittwoch aus dem künstlichen Koma erwacht

Amyn Radwan Gindia, 47-jähriger Doppelmörder und seit 6. November 2014 wieder auf freiem Fuß, hätte Montagabend in Floridsdorf beinahe ein Blutbad mit einer Pistole und einer Handgranate angerichtet. Denn nach 24 Jahren Haft wollte der Kriminelle nie mehr ins Gefängnis zurück.

Gegen 19. 55 Uhr schoss er Montagabend nach einem Einbruchsversuch in das Floridsdorfer Einkaufszentrum "Center 21" mehrfach auf Polizisten (mehr dazu). Sein Komplize, 63, ließ sich sofort festnehmen, Gindia ergriff zu Fuß die Flucht. Als ihm fünf Beamte in einer angrenzenden Reihenhaussiedlung in die Enge getrieben hatten, kam es zwischen den Wohnhäusern zu einem Feuergefecht. Der Ex-Häftling eröffnete das Feuer auf die Beamten und wurde von fünf Polizei-Projektilen in Brust und Beine getroffen. Die Uniformierten blieben unverletzt.

Doch Sekunden, nachdem der Kriminelle zusammengebrochen war, hatte er eine Handgranate jugoslawischer Bauart in der Hand. Trotz schwerster Verletzungen versuchte er den Sprengkörper zu zünden. Einer der Polizisten erkannte die Situation und konnte dem Doppelmörder die Granate entreißen. Ein Kollege leistete dem blutüberströmten Täter noch erste Hilfe. In mehreren Notoperationen kämpften Ärzte um das Leben des Gewalttäters. Am Mittwoch besserte sich der Gesundheitszustand des 47-Jährigen. Er schwebt nicht mehr in Lebensgefahr und erwachte bereits aus dem künstlichen Koma.

Krimineller Werdegang

1989 geriet der damals 22-Jährige mit einem Auto voller illegaler Waffen in eine Verkehrskontrolle in Maria Lanzendorf (NÖ) und streckte einen Gendarmen mit zwei Kopfschüssen nieder. Schon zwei Jahre zuvor tötete Gindia einen Drogendealer. Die Leiche vergrub er in einem Waldstück.

Auch diese Bluttat wurde im Zuge der Ermittlungen zum Gendarmen-Mord geklärt. Der Österreicher mit libanesischen Wurzeln wurde 1992 verurteilt. Er saß in Graz-Karlau, Stein und Garsten 24 Jahre und neun Monate Haft ab und kam erst vor 110 Tagen wieder frei.

Einschusslöcher

Beim KURIER-Lokalaugenschein am Dienstag wurde offensichtlich, dass die Geistesgegenwart eines der Polizisten ein Blutbad verhinderte.

Blutflecken und Markierungen der Patronenhülsen in den Kleingärten bestätigen die Dramatik: "Ich habe meinem Enkel eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, als die Schüsse fielen. Er hat sich sehr gefürchtet. Es war klar, dass das keine Silvesterknaller sind", erzählt eine Anrainerin. Ein Nachbar der anonym bleiben will, zeigt dem KURIER Einschusslöcher in der Hauswand: "Ich bin froh dass nicht mehr passiert ist. Im Garten liegen noch die Sachen vom Notarzt." Jetzt untersuchen Beamte des LKA Steiermark den Einsatz der Wiener Kollegen.

Streit um USB-Stick endete mit Kopfschuss

Bei der zweiten Bluttat von Montagabend wurde ein 31-jähriger Serbe in Wien-Liesing in den Kopf geschossen. Der Mann wurde in der Nacht auf Dienstag notoperiert.

In einer Wohnung in der Kinskygasse war das Opfer mit einem Landsmann wegen eines USB-Sticks in Streit gekommen. Beide Männer verließen die Wohnung und gingen auf die jeweils andere Straßenseite. Wilde Beschimpfungen quer über die Gasse folgten. Schließlich gelangten die Serben in die Purkytgasse. Um 18.15 Uhr begann einer der beiden – quer über die Straße – auf seinen Kontrahenten aus einer Pistole (Marke Glock 17) zu feuern. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehrere Passanten in der Nähe des Tatorts. Die Spurensicherung stellte vier Patronenhülsen sicher.

„Wir waren noch in unserem Geschäft und auf einmal war überall Blaulicht. Die Polizei hat uns dann gebeten das Gebäude nicht mehr zu verlassen und währenddessen sind schon ein paar WEGA-Beamte zum Parkplatz gestürmt. Wir haben dann später den Blutfleck gesehen, als alles vorbei war“, schildert Geschäftsinhaber Tino Kahler die Bluttat in Liesing.

Der Täter konnte trotz eingesetzter Polizei-Hubschrauber Montagabend nicht aufgespürt werden. Eine Großfahndung ist im Laufen. Bleibt die Frage, welche Informationen auf dem USB-Stick gespeichert sind.

Erstellt am 25.02.2015