Chronik | Wien 14.03.2012

Polizei-Pkw schoss Kollegen ab

Zwei Autos der Exekutive kollidierten auf dem Weg zu einem Trafikraub. Fünf Beamte und vier Passanten mussten ins Spital.

M achen S’ a bissl Platz, bitte!" Der Supermarkt-Kassier sorgte sich um seinen Geschäftsgang. Die einströmenden Kunden mussten sich durch eine Menschentraube aus Schaulustigen quetschen. Alle wollten einen Blick erhaschen – auf die zwei demolierten Polizeiautos in der Kreuzungsmitte.

In Rudolfsheim-Fünfhaus kollidierte am Dienstag um 16.10 Uhr an der Ecke Märzstraße-Schweglerstraße ein Einsatzbus der Polizei mit einem Streifenwagen. Beide Fahrzeuge waren mit Blaulicht und Folgetonhorn zum selben Einsatz, einem Trafikraub, unterwegs, und zur selben Zeit am falschen Ort. "Ein Fahrzeug wurde auf den Gehsteig geschleudert", sagt Polizeisprecherin Michaela Rossmann. Der Wagen erfasste vier Fußgänger und touchierte die Fassade des Supermarkt-Eingangs. Fünf Polizisten und drei Fußgängerinnen wurden leicht, ein Passant schwer verletzt.

Ersthelferin

Verkehrsunfall, Märzstraße/Schweglerstraße, neun Verletzte, zwei Einsatzfahrzeuge der Polizei kollidierten
© Bild: Stephan Boroviczeny

Sarah Riedler saß gerade in der Straßenbahn 49, als ein Einsatzwagen vorbeizog. "Ich hab’ einen Kracher gehört." Die 24-Jährige studiert Medizin, ist Sanitäterin beim Samariterbund Purkersdorf, und stieg ohne lange zu zögern aus, um den Verletzten zu helfen.

"Ich hab’ im Markt nach einem Feuerlöscher gefragt, weil ein Auto gequalmt hat. Dann hab’ ich die Wunde am Bein eines Mannes zugehalten, bis die Kollegen der Rettung kamen." Ein Urologe, der unweit vom Unglücksort ordiniert, und zwei seiner Mitarbeiterinnen versorgten ebenfalls Verletzte.

Die Wiener Rettung war mit acht Fahrzeugen im Einsatz. Neun Personen mussten in Krankenhäuser gebracht werden. "Wir haben die Verletzten auf mehrere Spitäler aufgeteilt", erklärt Ronald Packert von der Wiener Rettung. Der schwerverletzte Passant, um den sich Sarah Riedler gekümmert hatte, dürfte eine offene Beinfraktur erlitten haben. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber Christophorus 9, der am Areal des nahen Kaiserin-Elisabeth-Spitals gelandet war, ins AKH geflogen. Wer die Schuld an dem Unfall trägt, wird nun untersucht.

( Kurier ) Erstellt am 14.03.2012