Chronik | Wien
17.01.2018

Polizei fürchtet Vergeltung für G-20

Weil WEGA-Beamte in Hamburg im Einsatz waren, könnten Aktivisten auf Rache aus sein.

In knapp eineinhalb Wochen steht das wohl umstrittenste Ereignis im Wiener Eventkalender an: Der Akademikerball. Wie jedes Jahr rufen linke Aktivisten auf, gegen den Ball zu demonstrieren. In den vergangenen zwei Jahren waren die Proteste weitestgehend ruhig verlaufen – Polizeipräsident Gerhard Pürstl traut dem Frieden aber nicht. In einer Diskussionsrunde erklärte er am Mittwoch, dass die Polizei mit 3000 Beamten bereitsteht: "Wir können nicht damit rechnen, dass die Demos friedlich verlaufen ."

Ein Grund für die Befürchtungen des höchsten Wiener Polizisten ist die Mobilisierung der linksradikalen Szene im Ausland. Denn vor allem Demonstranten aus Deutschland haben im Jahr 2014 den Protest in Richtung Eskalation getrieben. Der Einsatz österreichischer Beamter bei den Ausschreitungen beim G-20-Gipfel in Hamburg, könnte Auslöser für mögliche Racheaktionen bei der Akademikerball-Demo sein.

Der damals zuständige WEGA Kommandant Ernst Albrecht, spricht von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" in Hamburg. Fünf österreichische Polizisten wurden damals bei einer Räumung verletzt. Für den Akademikerball in Wien habe die staatspolizeiliche Einschätzung ergeben, dass hier womöglich auch "Vergeltung gegen die österreichische Polizei" geübt werde, weil diese "in Hamburg für Ordnung gesorgt hatte", sagte Pürstl.

Der Verfassungsschutz sei daher in Kontakt mit den Behörden in den Nachbarländern und beobachtet die Szene. Es sei vorstellbar, dass – wie im Jahr 2015 – Busse mit gewaltbereiten Demonstranten an der Grenze aufhalten werden. Dieses Vorgehen könnte schon beim Akademikerball in Graz angewendet werden, der kommenden Samstag stattfindet. Da auch dort mit Protesten gerechnet wird, wurde ein in der Innenstadt ein Platzverbot rund um den Congress verhängt. Bei Missachtung drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 500 Euro.

Linke Mitternachtseinlage

Während die Polizei über die Ereignisse rund um die Hofburg diskutiert, könnte es auch drinnen zu linken Störaktionen kommen. Die "Burschenschaft Hysteria" – eine linke Gruppe – will via Facebook zwei Karten für den Ball verlosen. Außerdem wird eine "Mitternachtseinlage der Hysteria" angekündigt. Dass sich die Aktivisten tatsächlich unters Ballvolk mischen, bewiesen sie im Vorjahr, als sie die Flagge ihrer "Burschenschaft" während des Einmarschs auf der Galerie hissten.