Erneut toter Obdachloser in Wien gefunden: Warten auf Obduktion

Fuß- und Fahrradweg, Kreuzung beim Friedrich-Adler-Weg am Wienerberg-Gelände in Wien
Am Samstag wurden Skelettteile am Gelände des Wienerbergs gefunden. Der nächste Fall des Serientäters? Spekulationen sind laut Polizei verfrüht.

Die am Samstag im Bereich des Wienerberg-Geländes in Wien-Favoriten entdeckten Knochenteile könnten laut einem Bericht der Krone in Zusammenhang mit der aktuellen Serie von Angriffen auf obdachlose Menschen stehen. 

Dass es sich um menschliche Knochen handelt, wurde bereits von einem Amtsarzt bestätigt.

Nun wird es zu einer gerichtsmedizinischen Untersuchung beziehungsweise Obduktion kommen. "Diese wird in den kommenden Tagen stattfinden und hoffentlich weitere Aufschlüsse geben", sagt Polizeisprecher Philipp Haßlinger auf KURIER-Anfrage.

Das Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Süd, wurde mit den weiteren Ermittlungen zur Klärung der Umstände betraut.

Nächster Mord des Serientäters?

Der Fund einer Leiche, die am Samstag am Wienerberg in Wien-Favoriten gefunden wurde, wirft bisher vor allem Fragen auf. Klar schien am Montag für die Ermittler nur, dass die tote Person schon seit einiger Zeit dort gelegen sein muss.

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Eine nähere Einschätzung war laut Polizeisprecher Philipp Haßlinger nicht möglich, die Leiche wies deutliche Spuren von Tierfraß auf.

Mehr Fragen als Antworten

Unklar war am Montag die Identität des oder der Toten - nicht einmal das Geschlecht war bisher eindeutig bestimmbar. Der Fundort und die Auffindungssituation der skelettierten Leiche legten den Verdacht nahe, dass es sich um eine obdachlose Person handelte, "aber auch das ist bisher eine reine Vermutung", sagte Haßlinger zu entsprechenden Medienberichten. Ohne Identität könne man dazu keine gesicherten Feststellungen treffen.

Langer, gerade asphaltierter Weg, rechts und links Wald

Am Wienerberg wurden am Samstag menschliche Knochen gefunden. Die Ermittlungen laufen.

Vor der Obduktion könne man auch nichts zur Todesursache sagen. Haßlinger zufolge ist es keineswegs gesichert, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelt. Der Zustand der Leiche könne auch dem Tierfraß geschuldet sein. Wenn es sich um ein Verbrechen handeln sollte, wäre aufgrund der Spurenlage ein Tod durch Erschlagen am wahrscheinlichsten, doch auch das Loch in der Schädeldecke könnte durch ein Tier verursacht worden sein.

"Einen Zusammenhang herzustellen wäre deutlich verfrüht"

Spekulationen, wonach es sich um ein weiteres Opfer der Serie von teils tödlichen Attacken auf Obdachlose handeln könnte, wies der Polizeisprecher zurück.

"Einen Zusammenhang mit den Mordfällen im Obdachlosenmilieu herzustellen, wäre deutlich verfrüht", sagte er. Bei den bisher drei Fällen von Attacken auf Wohnungslose im öffentlichen Raum handelte es sich jeweils um Messerangriffe. Zwei von ihnen endeten tödlich.

Selbst wenn man von einem gewaltsamen Tod des Menschen am Wienerberg ausginge, wäre er nach derzeitigem Stand der Dinge erschlagen worden. Das wiederum wäre eine große Abweichung vom Modus Operandi der drei Fälle.

Der erste Fall ereignete sich am 12. Juli, dann folgten weitere Attacken auf obdachlose Menschen am 22. Juli und am 9. August. Ob der aktuelle Fall am Wienerberg mit den oben erwähnten in Zusammenhang steht, wird derzeit ermittelt.

Unter den unterstandlosen Menschen in der Bundeshauptstadt geht die Angst um. Die jüngsten Vorfälle machen Angst, Wut und erzeugen Solidarität, wie in einer aktuellen Reportage aus der Obdachlosenszene zu lesen ist.

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Die Polizei hat 10.000 Euro Belohnung für Hinweise zu der Angriffsserie auf Obdachlose in Wien ausgelobt. Sachdienliche Hinweise, die zur Aufklärung dieser Fälle führen, werden telefonisch - auch anonym - im Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer 01/31310/33800 erbeten.

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Die Chronologie der Taten

  • Am 12. Juli um 7.40 Uhr wird am Handelskai in der Brigittenau ein 56-jähriger Mann mit sechs tödlichen Stich- und Schnittverletzungen aufgefunden. Eine Passantin entdeckt die Leiche auf einer Parkbank. Eine Blutlache, die rund 350 Meter entfernt vom Tatort gefunden wird, zeigt, dass das Opfer sich nach der Tat selbst zur Parkbank geschleppt hat, oder vom Täter dort abgelegt wurde. Von der Tatwaffe fehlt jede Spur. 
  • Zehn Tage später, am 22. Juli, wird eine 51-jährige Frau gegen 3.40 Uhr am Praterstern unter starken Schmerzen wach. Sie bemerkt, dass sie stark blutet und alarmiert Zeugen, die die Rettung verständigen. Das rettet der Frau das Leben. Weil sie während der Tat geschlafen hat, kann sie keine Hinweise auf den Täter geben. 
  • Am 9. August wird ein 55-jähriger Obdachloser blutüberströmt an Hernalser Gürtel wach. Auch er hat nichts von einer Attacke mitbekommen. Zwar wird auch er schnell von den Rettungskräften versorgt, der Mann stirbt aber wenige Tage später im Krankenhaus.

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