Polizei: Die totale Überwachung ist schon möglich

Ekin Safe City, Polizei 2.0,…
Foto: /Ekin Das Ekin-Programm

Eine Sicherheitsfirma präsentierte in Wien der Polizeispitze ein Gesichtserkennungssystem.

Eine Funkstreife der Polizei rollt als "Informationssammler" durch die Stadt. Unter dem Blaulicht am Dach sind Kameras installiert, die vorbeifahrende Autos scannen. Jede Nummerntafel, auch die von parkenden Fahrzeugen, wird aufgezeichnet. Bis auf 400 Meter Entfernung kann das Gesicht jedes Lenkers erkannt und zentral gespeichert werden. Selbst Schminke oder andere Veränderungen am Gesicht ändern daran rein gar nichts. Jeder an der Funkstreifen vorbeigehende Fußgänger wird ebenso aufgezeichnet und sein Gesicht in der Polizei-Datenbank abgelegt.

Tausende Augen

Doch das sind nicht die einzigen Kameras, die aufzeichnen. Tausende Überwachungskameras stehen auf der Straße, Dutzende Funkstreifen sind unterwegs und scannen. Sogar unter Fahrradsitzen lassen sich kleine Scanner montieren, als Hilfe für die Polizei. Wenn jemand zwei Mal die Rolltreppe auf dem Wiener Hauptbahnhof hinauf und hinunterfährt, wird er bereits als möglicher Taschendieb registriert. Auf Knopfdruck kann die Polizei in der Einsatzzentrale am Wiener Schottenring schauen, wo die Person schon überall war in den vergangenen Wochen. Erhärtet sich der Verdacht – war der Verdächtige etwa mehrfach auf Bahnhöfen – suchen die herumfahrenden Funkstreifen automatisch nach ihm. Selbst wenn er in ein Fahrzeug steigt, kann er rasch erwischt werden.

Das klingt nach Zukunftsmusik. Ist es aber nicht. Genau so ein System präsentierte die türkische Sicherheitsfirma Ekin Safe Technologies diese Woche beim Symposium "Die Utopie der sicheren Stadt" den Mitgliedern der Vereinigung Kriminaldienst in Wien vor, unter den Zuhörern mehrere Spitzenvertreter der Polizei.

Weniger Verkehrstote

Firmenchef Akif Ekin betont im KURIER-Gespräch, dass sein System alles andere als utopisch ist. In Abu Dhabi, Dubai und Aserbeidschan sei es bereits erfolgreich im Einsatz. Vor allem der Verkehr werde damit überwacht, bis zu 40 Prozent weniger Verkehrstote habe sein Programm gebracht. Er selbst "stelle das System, die rechtlichen Rahmenbedingungen entscheide aber das jeweilige Land". Eine Funkstreife mit Kameras auszurüsten kostet rund 50.000 Euro.

In Vorträgen und Produktpräsentationen zeigt die Sicherheitsfirma verschiedenste Möglichkeiten. So könnte ein herumstehender Koffer entdeckt und einer Person zugeordnet werden. Im Februar wurde das System am Europäischen Polizeikonkgress in Berlin präsentiert, am vergangenen Wochenende wurde in den USA ein für Europa und Amerika adaptiertes Programm neu vorgestellt. Laut Ekin arbeiten die Systeme ähnlich wie Google: Es werden Gesichter gesucht, die zunächst nur ID-Nummern bekommen, und dann Vergleiche angestellt. Am Ende spuckt das Programm die Treffer aus. Das reicht um Bewegungsprofile über Wochen zu erstellen.

Mordfälle könnten so per Knopfdruck gelöst werden. Spielsüchtigen wäre der Eintritt zu Automatenhallen verwehrt. Terroristen könnten im Vorfeld gestoppt werden. Nur zur Alterserkennung taugen die Geräte lediglich bei Erwachsenenen – Jugendliche haben zu wenig Falten, die ein Gesicht prägen und erkannt werden.

Test in Berlin

Mehrere Firmen arbeiten derzeit an solchen Möglichkeiten, die Deutsche Bahn und die Polizei haben im August am Berliner Bahnhof Südkreuz eine Videoüberwachung in den Testbetrieb übernommen, die Gefahren automatisch erkennen kann. In russischen Stadien gibt es bereits Kameras zur Hooliganerkennung, der Betreiber will das allerdings ebenfalls auf ganze Städte ausdehnen.

In anderen Staaten ist die Polizei ohnehin schon weiter. Erst vor wenigen Monaten erstaunte eine ausländische Polizeieinheit bei einem Besuch in Österreich die Ermittler mit einem hochmodernen Gesichtserkennungssystem. Verdächtige wurden fotografiert und innerhalb von drei Minuten hatten die Beamten Namen, Adresse und allfällige Vorstrafen des Betroffenen am Mobiltelefon.

Ob man all dies mag oder nicht, jeden Betrachter versetzen diese Systeme zunächst in Erstaunen. "Wenn das alles kommt, wird es kein Verbrechen mehr geben", sagt etwa Günter Stummvoll, Lektor am Soziologie-Institut der Uni Wien. Der Präsident der Züricher Kommunalpolizei zeigte sich begeistert. Die Zukunft hat bereits begonnen.

(kurier) Erstellt am
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